Die Ukraine hat den von Russland begonnenen Krieg an dessen eigene Haustür zurückgebracht. Ein dänischer Dozent prognostiziert, dass dies für Putin kein gutes Ende nehmen wird.
Es scheint, dass Wladimir Putin zum ersten Mal seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 in die Defensive gerät.
Die Ukraine verzeichnete mit ihren Langstrecken-Drohnenangriffen tief im russischen Kernland große Erfolge und beschädigte dabei Infrastruktur.
Wird dies zu einem Aufstand gegen das Regime führen? Einige Experten glauben das.
Risse im Regime
Der russische Präsident Wladimir Putin wandte sich kürzlich an die russische Öffentlichkeit, während die Angriffe der Ukraine in Russland andauern. „Je schwieriger die Lage für den Feind wird, desto brutaler und barbarischer werden die Angriffe des Kiewer Regimes. Ich bin überzeugt, dass unsere Soldaten Mut zeigen und uns nicht im Stich lassen werden. Jetzt hängt viel von unserer Einheit ab“, sagte Putin.
Trotz der beschwichtigenden Worte der Rede stellen einige Beobachter einen wachsenden Druck hinter den Kulissen fest. Wirtschaftliche Belastungen, steigende Truppenverluste und logistische Störungen im Inland fordern vor den bevorstehenden Wahlen einen sichtbaren Tribut vom öffentlichen Vertrauen.
Jakob Tolstrup, ein dänischer Experte und Dozent an der Universität Aarhus, stellte fest, dass der Kreml den zunehmenden Druck spürt. „Putin hat an vielen Fronten starken Gegenwind“, sagte Tolstrup dem dänischen Sender TV 2.
Furcht vor öffentlichen Unruhen
Sinkende Umfragewerte haben in einigen russischen Regierungskreisen Alarm ausgelöst. Die Wähler spüren die wirtschaftliche Unruhe, und das allgemeine Vertrauen in das Präsidentenamt ist starker als üblich gesunken.
Tolstrup erklärte gegenüber TV 2, dass jüngste Umfragen diese Verschiebung verdeutlichen. „Wir sehen einen ziemlich deutlichen Rückgang in vielen Meinungsumfragen bezüglich des Vertrauens in den Präsidenten, der Unterstützung für den Präsidenten und für Einiges Russland. Es herrscht, wenn nicht eine Krisensituation, dann zumindest eine instabilere Lage, als wir sie zuvor gesehen haben“, sagte er.
Um die Ordnung aufrechtzuerhalten, haben die Behörden ihre Befugnisse erweitert, falls öffentliche Unruhen ausbrechen sollten. Feuerwehrleute dürfen nun legal Waffen tragen und Verhaftungen vornehmen. Laut Tolstrup ist dies „ein Ausdruck der Besorgnis über einen Volksaufstand und darüber, dass sie versuchen, sich auf ein hartes Durchgreifen vorzubereiten.“
Auch innerhalb offizieller Kreise baut sich Spannung auf. Der russische Journalist Konstantin Eggert erklärte gegenüber TV 2, dass Beamte innerhalb des Kremls unruhig werden. „Wir sehen die ersten Anzeichen von Meinungsverschiedenheiten und Unzufriedenheit mit Putin in den Korridoren des Kremls. Die Leute denken, seine Regierung habe versagt“, sagte Eggert.