Die Kontrolle über das Repräsentantenhaus wird zu einer immer zentraleren Frage, je näher die USA den Zwischenwahlen im November kommen. Hinter den öffentlichen Wahlkampfaktivitäten sorgen auch Kontakte über Parteigrenzen hinweg für Aufmerksamkeit, während beide Seiten darüber nachdenken, was nach der Abstimmung folgen könnte.
Berichte von The New York Times und ABC News enthüllten, dass der demokratische Fraktionsführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, und Jared Kushner in den vergangenen Wochen in New York private Gespräche geführt haben – ein ungewöhnliches Treffen zwischen Vertretern unterschiedlicher politischer Lager.
Kushner bekleidet kein offizielles Amt in der Regierung von Präsident Donald Trump, berät den Präsidenten jedoch weiterhin von außerhalb der Regierung, insbesondere in außenpolitischen Fragen.
The New York Times berichtete, dass bei dem Gespräch ein breites Spektrum an Themen zur Sprache kam, darunter Wohnen, Einwanderung und Lebenshaltungskosten. Jeffries und Kushner haben zudem bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet und während Trumps erster Amtszeit bei einer Reformgesetzgebung im Bereich der Strafjustiz kooperiert, wie ABC News berichtet.
In einer Erklärung kritisierte Jeffries die Republikaner wegen der hohen Lebenshaltungskosten und erklärte, die Demokraten würden weiterhin auf weitreichende Maßnahmen zur Senkung der finanziellen Belastung im Alltag drängen. Er sagte: „Die Frage ist, ob sich die Republikaner uns anschließen werden.“
Kampf um das Repräsentantenhaus
Die Republikaner verfügen derzeit über eine knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus, während die Demokraten im Wahlkampf versuchen, im November die Kontrolle zurückzugewinnen. Sollte ihnen das gelingen, hätte Jeffries gute Chancen, der nächste Sprecher des Repräsentantenhauses zu werden und damit die Kontrolle über die Tagesordnung der Kammer zu übernehmen.
Trumps Berater schienen sich auf die Möglichkeit vorzubereiten, dass das Weiße Haus nach der Wahl mit einem von den Demokraten kontrollierten Repräsentantenhaus zusammenarbeiten müsste – ein Szenario, das das politische Kräfteverhältnis in Washington erheblich verändern könnte.
Reuters berichtete am 8. August, dass die Demokraten bereits darüber nachdachten, wie sie ihre Befugnisse im Kongress nutzen könnten, falls sie die Kontrolle über die Kammer gewinnen. Dazu könnten Anhörungen, Vorladungen und die Anforderung von Dokumenten gehören, um die Regierung genauer zu untersuchen.
Amtsenthebung als politischer Faktor
Der US-Analyst Torsten Jansen ist laut TV 2 der Ansicht, dass die Möglichkeit eines erneuten Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump Teil der umfassenderen politischen Kalkulation sein könnte, falls die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus gewinnen.
In keiner der öffentlichen Darstellungen des Treffens zwischen Jeffries und Kushner wurde berichtet, dass ein Amtsenthebungsverfahren bei den privaten Gesprächen angesprochen oder diskutiert worden sei.
Reuters berichtete, dass sich die Demokraten zunächst auf Untersuchungen konzentrierten, anstatt unmittelbar ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten. Die Strategie könnte darin bestehen, zunächst die Untersuchungsbefugnisse des Repräsentantenhauses zu nutzen, bevor weitergehende Schritte erwogen werden. Zugleich bliebe ein Amtsenthebungsverfahren als mögliche spätere Option offen, sollte die Beweislage dies rechtfertigen.
Trump ist im Laufe seiner politischen Karriere bereits zweimal vom Repräsentantenhaus angeklagt worden und wurde beide Male vom Senat freigesprochen.
Quellen: The New York Times; ABC News; Reuters; TV 2