Die Arbeiten an einem großen Bundesbauprojekt können fortgesetzt werden, während ein umfassenderer verfassungsrechtlicher Streit ungelöst bleibt. Im Mittelpunkt des Rechtsstreits steht nun die Frage, wer berechtigt ist, gegen das Vorhaben vorzugehen.
Der Oberste Gerichtshof der USA hat eine einstweilige Verfügung ausgesetzt, die den oberirdischen Bau von Präsident Donald Trumps geplantem Ballsaal im Weißen Haus hätte stoppen können. Damit können die Arbeiten an dem Projekt fortgesetzt werden, während der weiter gefasste Rechtsstreit seinen Lauf nimmt.
Das Gericht betonte, dass seine Entscheidung keine Aussage darüber trifft, ob das Projekt selbst rechtmäßig ist. Stattdessen kam die Mehrheit laut AP News zu dem Schluss, dass die Regierung voraussichtlich mit dem Argument Erfolg haben wird, wonach der National Trust for Historic Preservation keinen hinreichend konkreten Schaden nachgewiesen habe, der für eine Klagebefugnis vor einem Bundesgericht erforderlich ist.
Die offenbar mit 5 zu 4 Stimmen getroffene Entscheidung brachte den Vorsitzenden Richter John Roberts gemeinsam mit den Richterinnen Sonia Sotomayor, Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson in die Minderheit und unterstreicht, wie knapp das Gericht in diesem Fall gespalten ist.
Klagebefugnis prägt die Entscheidung
Roberts vertrat eine deutlich andere Auffassung in diesem Streit und konzentrierte sich auf die Grenzen der Befugnisse des Präsidenten bei Bauprojekten auf Bundesgrund in Washington.
Er erklärte, das Bundesrecht scheine für derartige Projekte eine ausdrückliche Zustimmung des Kongresses zu verlangen, und bezeichnete den geplanten Ballsaal als wahrscheinlich rechtswidrig, da eine solche Genehmigung nicht eingeholt worden sei.
„Die heutige Entscheidung ist kein Sieg für die Gewaltenteilung“, schrieb Roberts.
Der Fall war bereits durch mehrere untergeordnete Bundesgerichte gegangen, bevor er den Obersten Gerichtshof erreichte. Frühere Entscheidungen hatten die oberirdischen Bauarbeiten vorläufig eingeschränkt, während Arbeiten im Zusammenhang mit unterirdischen Anlagen weiterhin erlaubt blieben.
Ein Berufungsgericht bestätigte diese einstweilige Verfügung im August und ließ die Beschränkungen damit bestehen. Daraufhin beantragte die Trump-Regierung beim Obersten Gerichtshof dringenden Rechtsschutz, während der weiter gefasste Rechtsstreit andauerte.
Bauarbeiten können wieder fortgesetzt werden
Laut AP News wird das privat finanzierte Projekt auf rund 400 Millionen US-Dollar geschätzt und soll einen Ballsaal mit einer Fläche von etwa 90.000 Quadratfuß umfassen.
Die Regierung rechnet mit einer Fertigstellung im Sommer 2028, sofern die Bauarbeiten planmäßig verlaufen und keine weitere gerichtliche Anordnung die Arbeiten unterbricht.
Die Regierung hat zudem argumentiert, dass das Projekt mit Sicherheitsbelangen zusammenhängt, und dabei auf eine unterirdische militärische Einrichtung auf dem Gelände verwiesen. Der Oberste Gerichtshof berücksichtigte dieses Argument bei seiner Prüfung der möglichen Folgen eines weiteren Baustopps.
Trump begrüßte die Entscheidung als wichtigen Schub für das Projekt und stellte sie als Ende der Unsicherheit über dessen Zukunft dar. Über die Facebook-Seite des Weißen Hauses schrieb er:
„Ich freue mich, mitteilen zu können, dass der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten gerade zugunsten des Baus des Ballsaal-/Militärkomplexes entschieden hat – ohne weitere Vorbehalte, Zweifel oder Bedrohungen.“
Quellen: AP News, White House/Facebook
