Inhaftierte Frauen im Norden Israels haben Bedenken hinsichtlich der hygienischen Bedingungen und der medizinischen Versorgung geäußert. Die Videoaufnahmen, in denen ihre Beschwerden dokumentiert sind, sind inzwischen Gegenstand eines Rechtsstreits mit Bezug zur Wahl.
Palästinensische weibliche Sicherheitsgefangene im Damon-Gefängnis im Norden Israels geben an, dass ihnen der regelmäßige Zugang zu Duschen, Wasser in ihren Zellen und angemessener medizinischer Versorgung verweigert werde. Das geht aus Videoaufnahmen hervor, die vom israelischen Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, veröffentlicht wurden.
Das Video ist auf Ben Gvirs Social-Media-Konto nicht mehr verfügbar, kann aber weiterhin in der Berichterstattung von TV 2 angesehen werden.
Die Frauen sagen, ihnen fehle es an grundlegenden Dingen, darunter Wasser, Duschmöglichkeiten und saubere Unterwäsche. Sie warnen davor, dass die Bedingungen das Krankheitsrisiko im Gefängnis erhöhen könnten.
Eine der Gefangenen bezeichnet sich als Mitglied des Palästinensischen Islamischen Dschihad, der sowohl von den Vereinigten Staaten als auch von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft wird. Sie sagt, das Gefängnispersonal durchsuche die Zellen wiederholt, und beschreibt Einschränkungen, die es den Insassinnen erschwerten, grundlegende Hygienestandards einzuhalten.
Laut The Times of Israel veröffentlichte Ben Gvir das undatierte Video am 30. August. Darin sprechen die Frauen ihn direkt auf die Bedingungen im Damon-Gefängnis an.
Ihre Gesichter sind in den Aufnahmen unkenntlich gemacht. Das Video zeigt außerdem, wie Ben Gvir seine Politik verteidigt, die Haftbedingungen für palästinensische Sicherheitsgefangene so restriktiv wie möglich zu halten.
Ben Gvir hält an seiner Politik fest
Ben Gvir weist die Beschwerden der Frauen zurück und vergleicht ihre Behandlung mit dem, was israelische Geiseln während ihrer Gefangenschaft im Gazastreifen nach dem von der Hamas angeführten Angriff vom 7. Oktober 2023 ertragen mussten.
Laut The Times of Israel sagt er: „Die Zeiten, in denen Gefängnisse in Israel Ferienlagern glichen, sind vorbei.“ Er erklärt außerdem, die Haftbedingungen seien auf das „absolute Minimum“ reduziert worden.
Auch das Büro des öffentlichen Verteidigers im israelischen Justizministerium hat Bedenken hinsichtlich der Behandlung palästinensischer Gefangener geäußert.
Im Januar veröffentlichte Berichte, die auf Inspektionen aus dem Jahr 2024 beruhten, dokumentierten Fälle von Gewalt, Lebensmittelknappheit, unzureichender medizinischer Versorgung und unhygienischen Bedingungen, die mit Krankheitsausbrüchen in Verbindung gebracht wurden.
Der Israelische Gefängnisdienst wies die Darstellung zurück, rechtswidrige Gewalt sei weit verbreitet, und erklärte, konkrete Vorwürfe würden untersucht.
Wahlbeschwerde wegen des Videos
Das Public Committee Against Torture in Israel forderte das Zentrale Wahlkomitee auf, die Entfernung der Aufnahmen anzuordnen. Zur Begründung hieß es, die Gefangenen seien für den Wahlkampf instrumentalisiert worden und das Video verletze ihre Würde und Privatsphäre.
Die Beschwerde erfolgt weniger als zwei Monate vor der israelischen Wahl am 27. Oktober und sorgt für eine weitere politische Kontroverse um Ben Gvirs Gefängnispolitik.
Der Sprecher der deutschen Bundesregierung, Sebastian Hille, sagte, Bundeskanzler Friedrich Merz habe die Äußerungen scharf als unmenschlich und völkerrechtswidrig verurteilt.
Auch Frankreich und die Vereinten Nationen haben Ben Gvirs Äußerungen kritisiert.
Quellen: TV 2, The Times of Israel, AFP, Public Committee Against Torture in Israel