Er bekleidet das Amt seit 22 Jahren.
In Moskau verdichten sich Gerüchte über einen möglichen personellen Umbruch an der Spitze der russischen Diplomatie, da der langjährige Außenminister Sergej Lawrow, der sein Amt seit 22 Jahren innehat, möglicherweise bald zurücktreten wird.
Die Spekulationen gehen einher mit neuen Ermittlungsergebnissen des Medienunternehmens Proekt, über die Agentstvo berichtete.
Während Lawrow öffentlich keinerlei Anzeichen für Rücktrittsabsichten erkennen ließ, legen Quellen nahe, dass er einen Rückzug erwägen könnte.
Die Flugdaten
Geleakte Flugdaten, die Proekt vorliegen, enthüllten, dass Lawrow und seine angebliche Geliebte Swetlana Poljakowa wiederholt mit Ljubow Kabajewa, der Mutter von Wladimir Putins Partnerin Alina Kabajewa, im Ausland Urlaub machten.
Die Gruppe reiste gemeinsam an Bord von Luxus-Privatjets, die von prominenten Wirtschaftsgrößen finanziert wurden, nach Kroatien und in die Türkei.
Unabhängige Medien wiesen darauf hin, dass diese gemeinsamen Reisen verdeutlichen, wie tief russische Staatsbeamte mit wohlhabenden Oligarchen verstrickt sind, die ihre kostspieligen Auszeiten finanzieren.
Insider glauben, dass diese engen persönlichen Bindungen dazu beitrugen, Lawrow über zwei Jahrzehnte im Amt zu halten – als einzigen verbliebenen Minister aus Putins ursprünglichem Regierungsteam.
Machtverschiebung
Trotz seiner langen Amtszeit erklärten mehrere kremlnahe Quellen gegenüber Journalisten, dass sein Abgang ein logischer Schritt wäre.
Sie wiesen darauf hin, dass die traditionelle Außenpolitik praktisch zum Erliegen gekommen sei, wodurch das Ministerium bei wichtigen internationalen Verhandlungen bezüglich der Ukraine an den Rand gedrängt werde.
Quellen fügten hinzu, dass ein möglicher Nachfolger für Lawrow gänzlich von außerhalb des traditionellen diplomatischen Korps kommen könnte.
„Zwei von ihnen erfuhren jedoch, dass der neue Leiter des Außenministeriums kein Diplomat sein sollte“, berichtete Agentstvo.
Beobachter merkten zudem an, dass sich das Außenministerium von einer Behörde, die „Ideen hervorbringt“, zu einer „Dienstleistungsstruktur“ für den Kreml gewandelt habe.
Obwohl noch keine endgültige Entscheidung bekannt gegeben wurde, rechnen Regierungsvertreter mit möglichen Kabinettsumbildungen im Anschluss an die bevorstehenden Staatsduma-Wahlen.
Die daraus resultierenden Konsequenzen könnten die Führung der russischen Außenpolitik auf Jahre hinaus neu definieren.
Vom gewandten Diplomaten zum Hardliner
In seinen frühen Jahren agierte Lawrow als gewandter, scharfsinniger Taktiker, geprägt von einem Jahrzehnt bei den Vereinten Nationen.
Er trat als hartnäckiger, aber fähiger Verhandler auf, der seine tiefgehenden Verfahrenskenntnisse nutzte, um Kreml-Interessen aggressiv zu verteidigen, während er gleichzeitig half,
ochrangige internationale Abkommen wie das syrische Chemiewaffenabkommen von 2013 und das Wiener Nuklearabkommen mit dem Iran von 2015 auszuhandeln.
Als die Beziehungen Moskaus zum Westen zerbrachen, verhärtete sich Lawrows Auftreten zu einer kompromisslosen Feindseligkeit.
In seiner Rolle als oberster internationaler Vollstrecker des Kremls wurde er berüchtigt für scharfzüngige Pressekonferenzen, kampflustige Rhetorik und den großzügigen Gebrauch des UN-Vetos – wobei er routinemäßig westliche Amtskollegen verspottete, internationale Gipfeltreffen verließ und Russlands militärisches Vorgehen in der Ukraine vehement rechtfertigte.