Die Langstreckenkampagne der Ukraine erreichte am Sonntag einen weiteren Teil der russischen Rüstungslieferkette.
In der russischen Stadt Jelez, tief in der Oblast Lipezk, stellt ein Forschungs- und Produktionsunternehmen namens Energija seit Jahren Batterien und Stromversorgungseinheiten für einige der wichtigsten Angriffswaffen Moskaus her.
Am Nachmittag des 25. Oktober trafen mutmaßliche Marschflugkörper die Anlage und lösten einen Großbrand aus, der laut ukrainischen Beobachtungskanälen eine zentrale Produktionshalle betriebsunfähig machte. Das ukrainische Fachmedium Defence Express berichtete, der Angriff sei mit von Großbritannien gelieferten Storm-Shadow-Marschflugkörpern durchgeführt worden.
Der Gouverneur der Oblast Lipezk, Igor Artamonow, bestätigte in den sozialen Medien, dass ein Angriff das Industriegebiet der Region zum Ziel gehabt habe und Rettungskräfte vor Ort im Einsatz seien, wie Ukrinform berichtete. Artamonow bestätigte nicht, welche Einrichtung getroffen wurde.
Was Energija herstellt
Das Werk in Jelez produziert laut Defence Express Stromversorgungseinheiten des Typs 9B280-1 für die Marschflugkörper 9M727 des Systems Iskander-K sowie 9B-287-Batterien für die präzisionsgelenkten Gleitbomben des Typs UMPB D-30SN, die russische Streitkräfte auf ukrainische Städte abwerfen.
Die Einrichtung fertigt zudem Stromversorgungskomponenten für ballistische Iskander-M-Raketen, Ch-35U-Seezielflugkörper und die universellen Gleit- und Korrekturmodule (UMPK) – die nachrüstbaren Heckteile, die konventionelle Freifallbomben in Abstandswaffen verwandeln.
Die Ukrajinska Prawda berichtete, dass in Jelez hergestellte Batteriezellen und Akkumulatoren auch in ballistischen Zirkon-Raketen, 95Ja6-Boden-Luft-Raketen für Panzir-Flugabwehrsysteme und luftgestützten ballistischen Kinschal-Raketen des Typs Ch-47M2 zum Einsatz kommen.
Der ukrainische OSINT-Kanal Exilenova+ bezeichnete Energija als Russlands einzigen Hersteller von Batterien für Gleit- und Korrekturmodule von Gleitbomben – eine Behauptung, die von mehreren ukrainischen Medien aufgegriffen und von westlichen Nachrichtenagenturen nicht unabhängig bestätigt wurde.
Schadensbewertung
Aufnahmen, die von ukrainischen Beobachtungskanälen veröffentlicht wurden, zeigten dichten Rauch, der über mehreren Gebäuden des Industriegeländes aufstieg, während Rettungswagen am Gelände eintrafen.
Laut Defence Express wurden die Fassade und das Innere eines der Produktionsgebäude des Werks schwer beschädigt, woraus Analysten schlossen, dass die Abläufe in dieser spezifischen Werkshalle lahmgelegt wurden.
Die Kyiv Post berichtete, Militäranalysten hätten den Angriff als gezielten Schlag zur Unterbrechung von Komponentenlieferketten beschrieben. Das Werk in Jelez ist kein neues Ziel: Bereits frühere Angriffe im Mai 2025 und Januar 2026 hatten Großbrände in dem Komplex ausgelöst.
Zweiter Tag mit Schlägen tief im Hinterland
Der Treffer auf Energija am Sonntag markiert den zweiten Tag in Folge, an dem die Ukraine russische Rüstungsproduktionsstätten tief im Hinterland ins Visier nahm, nach Angriffen auf Industrie- und Chemieanlagen in Samara und Omsk.
Sollte sich die Rolle des Werks als einziger Lieferant von Steuerungsbatterien für Gleitbomben bestätigen, würde die Störung die Produktion der UMPB D-30SN direkt beeinträchtigen – jener gelenkten Bombe, die russische Streitkräfte intensiv gegen die zivile und energiewirtschaftliche Infrastruktur der Ukraine eingesetzt haben. Das russische Verteidigungsministerium hatte sich bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht öffentlich zu Produktionsschäden bei Energija geäußert.
