Wenn die Menschen an die Wahlurnen treten, endet die Spannung selten mit der Abgabe der letzten Stimme. Häufig werden Vorwürfe laut, wenn politische Lager nach Verantwortlichen für ein schlechtes Wahlergebnis suchen. Nun schalten sich jedoch die zuständigen Behörden ein, um die Fakten klarzustellen.
Die israelische Polizei weist die Anschuldigungen der Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu entschieden zurück. Die Partei hatte behauptet, arabische Parteien hätten die jüngste Wahl manipuliert.
Wie die Times of Israel berichtet, erklärte eine Polizeiquelle gegenüber mehreren hebräischsprachigen Medien, dass die Wahl außergewöhnlich ordnungsgemäß verlaufen sei. Auch die Abläufe vor Ort seien von Anfang bis Ende reibungslos gewesen.
„Am Wahltag kam es zu sehr wenigen Unregelmäßigkeiten, die die Integrität der Wahl betrafen – auch im Vergleich zu früheren Wahlen“, erklärte die Quelle. Diese Einschätzung widerspricht unmittelbar der Darstellung, die Verbündete des Premierministers verbreitet haben. Die Behörden wollen das Vertrauen der Öffentlichkeit in das Wahlergebnis stärken.
Keine Beweise für die Vorwürfe
Die Polizei betont, dass es keinerlei Beweise für die Anschuldigungen gebe. Die Ermittler hätten nichts gefunden, was die schwerwiegenden politischen Vorwürfe stütze.
„Es muss betont werden, dass es keine Beweise aus Ermittlungen oder nachrichtendienstlichen Erkenntnissen gibt, die diese Behauptungen stützen“, erklärte die Polizeiquelle laut Times of Israel. Bereits vor der Stellungnahme der Polizei hatte sich ein weiteres wichtiges Wahlgremium zu Wort gemeldet. Ein Vertreter des Zentralen Wahlausschusses hatte die Vorwürfe von Unregelmäßigkeiten bei der Abstimmung zurückgewiesen.
Die offizielle Stimmenauszählung läuft noch. Den vorläufigen Ergebnissen zufolge könnten die arabischen Parteien jedoch auf 19 Sitze kommen.
Eine vorbereitete Strategie
Diese historisch hohe Zahl an Sitzen geht mit einer beispiellosen Wahlbeteiligung der arabischen Bevölkerung einher. Der starke Anstieg der Beteiligung hat die politischen Kräfteverhältnisse erheblich verändert.
Allerdings könnte die Kontroverse nach der Wahl bereits im Vorfeld vorbereitet worden sein. Lokale Journalisten hatten schon lange vor Beginn der Abstimmung entsprechende Hinweise entdeckt.
Hebräischsprachige Medien berichteten vor dem Wahltag, dass Likud einen konkreten Plan für den Fall vorbereitet habe, dass Netanjahu keinen klaren Sieg erringen würde. In diesem Fall wollte die Partei die Wahlergebnisse aus arabisch geprägten Gebieten anfechten.
Berichten zufolge hatte das politische Lager seine Einwände bereits vor Abgabe der ersten Stimme formuliert. Nun werden diese im Voraus geplanten Anfechtungen durch die Aussagen der zuständigen Behörden infrage gestellt. Sowohl die Polizei als auch Vertreter der Wahlbehörden weisen die Vorwürfe entschieden zurück.