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Experimenteller impfstoff gibt neue hoffnung im kampf gegen Fentanyl-Überdosierungen

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Das Ausmaß der Opioidkrise treibt weiterhin die dringende Suche nach neuen Instrumenten zur Prävention voran, da die Zahl der Todesfälle durch Überdosierungen hartnäckig hoch bleibt. Forschende und Vertreter des öffentlichen Gesundheitswesens erklären, dass bestehende Behandlungsansätze nicht ausreichen, um der zunehmenden Verbreitung von Fentanyl auf illegalen Drogenmärkten entgegenzuwirken.

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Vor diesem Hintergrund steht ein experimenteller Impfstoff, der darauf abzielt, die tödlichen Wirkungen von Fentanyl abzuschwächen, kurz vor dem Eintritt in seine ersten Studien am Menschen. Das berichtet Digi24.ro unter Berufung auf Live Science.

Wachsende Opferzahlen

Fentanyl, ein synthetisches Opioid, das deutlich stärker ist als Heroin, trägt maßgeblich zu Überdosistodesfällen in den Vereinigten Staaten bei. Vorläufige Zahlen, die in dem Bericht zitiert werden, deuten darauf hin, dass allein im Jahr 2024 mehr als 48.000 Menschen an Opioidüberdosierungen sterben könnten.

Behörden warnen, dass selbst extrem geringe Mengen Fentanyl tödlich sein können. Zwar kann Naloxon Überdosierungen bei schneller Verabreichung rückgängig machen, Fachleute betonen jedoch, dass es sich dabei um eine Notfallmaßnahme und nicht um eine präventive Lösung handelt.

Die Entwickler des Impfstoffs erklären, dass eine Verringerung der Tödlichkeit von Fentanyl die Zahl der Todesfälle deutlich senken könnte, selbst wenn die Abhängigkeit weiterhin eine komplexe, langfristige Herausforderung bleibt.

Ein anderer Ansatz

Der experimentelle Impfstoff verfolgt einen anderen Ansatz als bestehende Behandlungen. Anstatt auf Rezeptoren im Gehirn zu wirken, greift er früher an, indem er das Immunsystem darauf trainiert, Fentanyl im Blutkreislauf zu erkennen.

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Nach der Impfung bildet der Körper Antikörper, die sich an den Wirkstoff binden und verhindern, dass er die Hirnregionen erreicht, die Atmung und Bewusstsein steuern. Dadurch kann Fentanyl neutralisiert und abgebaut werden, bevor es eine Überdosis auslöst.

In Tierversuchen blockierte diese immunbasierte Strategie die Wirkung von Fentanyl und verhinderte Atemversagen, die häufigste Todesursache bei Überdosierungen.

Vom Labor zu Studien

Bisher beschränkten sich die Tests auf Nagetiere, bei denen die Wirkung des Impfstoffs mehrere Monate nach den ersten Dosen und Auffrischungen anhielt. „Der längste Zeitraum, über den wir die Tiere beobachtet haben, betrug etwa sechs Monate, und wir sahen eine vollständige Blockierung der Wirkung von Fentanyl sechs Monate nach der ersten Impfung“, sagte Colin Haile, ein an dem Projekt beteiligter Forscher.

Die Technologie wurde von dem Start-up ARMR Sciences lizenziert und wird vom US-Verteidigungsministerium unterstützt. Das Unternehmen plant, Anfang 2026, voraussichtlich zu Jahresbeginn, mit klinischen Phase-I-Studien in den Niederlanden zu beginnen.

In der ersten Studienphase sollen rund 40 Teilnehmende eingeschlossen werden. Der Schwerpunkt liegt auf der Sicherheit und möglichen Nebenwirkungen sowie auf der Antikörperreaktion des Körpers. In späteren Phasen soll untersucht werden, ob der Impfstoff beim Menschen wirksam ist.

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Grenzen und Erwartungen

Die Forschenden betonen, dass der Impfstoff nicht als Ersatz für eine Suchtbehandlung gedacht ist. Er beeinträchtigt weder andere Schmerzmittel noch Medikamente zur Behandlung einer Opioidabhängigkeit und richtet sich an Menschen, die den Konsum von Fentanyl beenden wollen.

Theoretisch könnten sehr hohe Dosen des Wirkstoffs die Antikörper überwinden, doch die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Ausbleiben einer belohnenden Wirkung den weiteren Konsum unattraktiv machen würde. „Wir richten uns an Menschen, die aufhören wollen zu konsumieren“, sagte Haile.

Mögliche Nutznießer könnten Menschen mit Opioidabhängigkeit, Einsatzkräfte mit Sorge vor unbeabsichtigter Exposition sowie Konsumenten anderer Drogen sein, die zunehmend mit Fentanyl verunreinigt sind.

Quellen: Digi24.ro, Live Science

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