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Trumps Venezuela-Gambit erschüttert die Ölwelt

Trumps Venezuela-Gambit erschüttert die Ölwelt
Joey Sussman / Shutterstock.com

Eine plötzliche US-Operation in Caracas hat Schockwellen durch die Energiemärkte geschickt, auch wenn Händler signalisieren, dass die Störungen eher gezielt als global ausfallen könnten. Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass das eigentliche Risiko in einem spezifischen Segment des Rohölmarktes liegt und nicht in einem breit angelegten Angebotsschock.

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Analysten zufolge könnten die Folgen weit über die Ölpreise hinausreichen.

Festnahme und Reaktion

Laut Forbes wurde der venezolanische Präsident Nicolás Maduro am frühen 3. Januar in Caracas von US-Spezialkräften festgenommen, nachdem es in der Hauptstadt zu Luftangriffen und Explosionen gekommen war.

Innerhalb weniger Stunden änderten Tanker in der Karibik ihren Kurs.

Bis zum Mittag zeigten Marktdaten eine Ausweitung der Diesel-Crack-Spreads – ein Zeichen dafür, dass Händler sich eher auf Störungen bei schwerem, schwefelhaltigem Rohöl einstellten als auf einen globalen Angebotsengpass.

Venezuela steht für weniger als ein Prozent des weltweiten Ölverbrauchs, doch seine Sorte Merey 16 spielt für bestimmte Raffinerien eine überproportional große Rolle.

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Warum Rohöl zählt

Wie Forbes berichtet, versorgt Merey 16 Raffinerien mit Kokerkapazitäten, die nicht ohne Weiteres auf leichtere Rohölsorten umstellen können.

Diese Abhängigkeit in einer Nische erklärt, warum sich die Marktspannungen in bestimmten Spreads zeigen. Schwere, schwefelhaltige Sorten sind aufgrund von Qualitätsanforderungen, Logistik und sanktionsbedingten Reibungsverlusten schwerer zu ersetzen.

Das Ergebnis ist ein lokaler Engpass statt eines systemweiten Schocks.

Exponierung Chinas

Besonders stark betroffen ist China. Von Forbes zitierte AidData-Forschungen schätzen, dass aus dem Öl-gegen-Kredite-Programm der China Development Bank mit Venezuela noch 17 bis 19 Milliarden US-Dollar offenstehen.

Analysen des CSIS zeigen, dass Peking seit 2007 mehr als 60 Milliarden US-Dollar an solchen Krediten vergeben hat, die durch zukünftige Öllieferungen und nicht durch staatliche Garantien abgesichert waren.

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Als Venezuelas Produktion zu Beginn des Jahrzehnts einbrach, gerieten laut dem Stimson Center die Rückzahlungsannahmen ins Wanken, was wiederholte Stundungen erforderlich machte.

Engere Handelsrouten

Von Forbes zitierte Reuters-Daten zeigen, dass Venezuela im November 2025 rund 921.000 Barrel pro Tag exportierte, wobei etwa 80 Prozent nach China gingen.

Viele Lieferungen erreichten China über Schiff-zu-Schiff-Umladungen oder durch Umdeklarierung. Reuters hatte zuvor berichtet, dass venezolanisches Öl als „brasilianisch“ gekennzeichnet wurde, um seinen Ursprung zu verschleiern.

Dieser Kanal ist nun mit höheren Risiken konfrontiert, da Einstufungen des US-Finanzministeriums Schiffe anhand ihrer IMO-Nummern identifizieren und damit die plausible Abstreitbarkeit verringern.

Folgen für die USA und rechtliche Fragen

Die Operation wirft zudem rechtliche und geopolitische Fragen auf. Forbes zufolge vergleichen Kritiker das Vorgehen mit früheren einseitigen US-Aktionen und warnen vor möglichen Belastungen der Beziehungen zu Lateinamerika.

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Chevrons Joint Ventures in Venezuela operieren laut NPR weiterhin auf Grundlage einer speziellen Genehmigung des Finanzministeriums. Reuters-Daten zeigen, dass im November 2025 etwa 150.000 Barrel pro Tag in die USA geliefert wurden.

Analysten sagen, jedes Barrel, das an US-Raffinerien umgeleitet wird, verknappt das Angebot für chinesische Käufer und zwingt sie zu teureren Ersatzbeschaffungen.

Quellen: Forbes, Reuters, NPR, AidData, CSIS, Stimson Center