Großbritanniens Abhängigkeit von verborgener Infrastruktur unter dem Meer ist für Behörden und Analysten zu einem wachsenden Sicherheitsrisiko geworden.
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Neue Warnungen deuten darauf hin, dass das tägliche Leben und das Finanzsystem des Landes anfällig für schwer nachvollziehbare Störungen sein könnten.
Ein aktueller Bericht argumentiert, dass genau dies eine Schwachstelle ist, die Russland ausnutzen könnte.
Gefährdete Kabel
Eine neue Analyse, auf die der Telegraph verweist, warnt, dass Russland Großbritannien lahmlegen könnte, indem es eine kleine Anzahl von Unterseekabeln kappt, über die der Großteil der britischen Daten läuft.
Professor James Bergeron und Charlotte Kleberg schrieben für den Council on Geostrategy, dass zufällige Vorfälle kaum einen großflächigen Zusammenbruch auslösen würden, ein koordiniertes Vorgehen jedoch schon.
„Zufällige Schäden durch Wetter oder (harmloses) Ankerziehen sind unwahrscheinlich, das britische Netz erheblich zu gefährden. Es wäre vielmehr ein gezieltes Vorgehen nötig, bei dem mehrere zentrale Datenkabel gleichzeitig durchtrennt werden.“
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Wirtschaftliche Schockwellen
Das Vereinigte Königreich ist über 45 Kabel mit anderen Ländern verbunden. Täglich fließen darüber Finanzgeschäfte im Wert von rund 1,35 Billionen Euro, die die Wall Street mit der City of London und anderen wichtigen Finanzzentren verbinden.
Der Bericht warnt, dass eine weitreichende Störung Verkehr, öffentliche Dienste und grundlegende Lieferketten treffen würde.
„Ohne Internet und Cloud würden der Luft- und Seeverkehr gestört, zentrale Bereiche des National Health Service könnten nicht funktionieren, Löhne würden nicht auf den Konten eingehen und die Regale in den Supermärkten blieben leer.“
Anhaltendes Chaos könne zudem die nationale Sicherheit bedrohen.
Sabotage mit Abstreitbarkeit
Der Bericht beschreibt eine Strategie, die auf Unklarheit setzt.
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„Das Wesen dieser Strategie ist die plausible Abstreitbarkeit“, heißt es darin. Verdächtige Vorfälle seien schwer eindeutig zuzuordnen und eigneten sich daher für „Taktiken unterhalb der Eskalationsschwelle“.
Weiter heißt es, Russland „zieht keine scharfe Grenze zwischen Frieden und Krieg, sondern sieht eine Kontinuität“ und könnte maritime Aktivitäten nutzen, während seine Landstreitkräfte durch den Krieg in der Ukraine gebunden sind.
Der frühere Verteidigungsminister Ben Wallace sagte, Großbritannien habe begonnen, sich zu schützen, habe aber „noch sehr viel mehr zu tun“. Die Antwort liege in höheren Verteidigungsausgaben.
Politik und Warnungen
Der Bericht stellt zudem infrage, ob die Labour-Partei reagieren würde, solange es keinen gravierenden Auslöser gebe, und deutet an, dass die derzeitigen Aktivitäten unterhalb der Eskalationsschwelle liegen könnten.
Der Artikel verweist darauf, dass Keir Starmer im Parlament keinen Zeitpunkt nennen wollte, wann Großbritannien das Ziel von Verteidigungsausgaben in Höhe von 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen werde.
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Zudem werden jüngste britische Hinweise auf russische Überwachungsaktivitäten in der Nähe britischer Gewässer sowie Warnungen vor Moskaus Fähigkeit zur Sabotage in der Tiefsee erwähnt.
Quellen: The Telegraph, Council on Geostrategy, Daily Express