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Abschied von Amerika: Die EU will nicht länger von US-Technologie abhängig sein

Abschied von Amerika: Die EU will nicht länger von US-Technologie abhängig sein
rawf8/shutterstock.com

Die Kommission betrachtet das Thema nicht nur als wirtschaftliches Ungleichgewicht.

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Europa bewegt sich im Jahr 2026 entschlossener in Richtung digitaler Souveränität und signalisiert, dass die langjährige Abhängigkeit von US-Technologieanbietern politisch wie wirtschaftlich nicht länger akzeptabel ist.

Eine neue Konsultation der Europäischen Kommission zu Open-Source-Software markiert einen der bislang deutlichsten Schritte in diese Richtung und betrifft Bereiche von Cloud-Infrastruktur bis hin zu künstlicher Intelligenz und vernetzten Fahrzeugen.

Der Vorstoß spiegelt wachsende Sorgen in Brüssel wider, dass Europas digitale Grundlagen außerhalb der EU kontrolliert werden und Regierungen, Unternehmen sowie Bürger dadurch externem politischen Druck und Risiken in den Lieferketten ausgesetzt sind.

Vierwöchige Konsultation mit weitreichenden Zielen

Die Europäische Kommission hat eine vierwöchige Aufforderung zur Stellungnahme gestartet, die vom 6. Januar bis zum 3. Februar 2026 läuft und unter dem Titel „Auf dem Weg zu europäischen offenen digitalen Ökosystemen“ steht. Ziel ist es, Rückmeldungen dazu einzuholen, wie Open-Source-Software eine zentrale Rolle bei der Verringerung der Abhängigkeit Europas von Technologieanbietern außerhalb der EU spielen kann.

Nach Angaben der Kommission wird ein Großteil des durch Open-Source-Projekte geschaffenen Werts derzeit außerhalb der EU abgeschöpft, häufig von großen Technologiekonzernen, die von Skaleneffekten, Netzwerkeffekten und privilegiertem Marktzugang profitieren.

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Europäische Entwickler und Unternehmen hingegen stoßen auf erhebliche Hürden, wenn sie ihre Lösungen kommerzialisieren oder in großem Maßstab einsetzen wollen.

Digitale Abhängigkeit als strategische Schwachstelle

Die Kommission betrachtet das Thema nicht nur als wirtschaftliches Ungleichgewicht.

Die Abhängigkeit von ausländischen Cloud-Plattformen, KI-Modellen und Software-Stacks wird zunehmend als strategische Schwäche gesehen, die die Wahlfreiheit der Nutzer einschränkt, die Wettbewerbsfähigkeit Europas schwächt und Sicherheitsrisiken entlang der Software- und Hardware-Lieferketten schafft.

Diese Sorge betrifft eine Vielzahl von Bereichen. Die Konsultation deckt ausdrücklich Cloud-Computing, künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, offene Hardware, Internetinfrastruktur sowie industrielle Sektoren wie die Automobilindustrie und intelligente Fabriken ab.

Europas Open-Source-Paradox

Europa beherbergt bereits eine der größten und aktivsten Open-Source-Gemeinschaften der Welt. Ein erheblicher Teil der globalen digitalen Infrastruktur, darunter Betriebssysteme und Netzwerksoftware, basiert maßgeblich auf der Arbeit europäischer Entwickler.

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Diese Stärke hat sich jedoch bislang weder in nachhaltige Geschäftsmodelle noch in eine breite Nutzung innerhalb öffentlicher Institutionen übersetzt.

Nach dem Auslaufen von Forschungsförderungen kämpfen viele Projekte um langfristige Finanzierung. Andere scheitern an öffentlichen Vergabeverfahren oder können mit etablierten proprietären Plattformen nicht konkurrieren.

Die Kommission räumt ein, dass die Finanzierung von Open Source ausschließlich über Forschungsprogramme nicht ausgereicht hat, um langfristiges Wachstum oder eine industrielle Nutzung zu sichern.

Von Forschungsprojekten zu tragfähigen Ökosystemen

Die Initiative fordert einen Wandel hin zu nachhaltigen Unterstützungsstrukturen, die Open-Source-Projekte dabei helfen, sich zu marktfähigen Produkten und Dienstleistungen zu entwickeln.

Dazu zählen Governance-Rahmen, Finanzierung für Wartung, Sicherheit in Software-Lieferketten sowie eine bessere Einbindung in reale Einsatzszenarien.

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Zudem wird die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle für Open-Source-Unternehmen und -Stiftungen betont, einschließlich öffentlich-privater Partnerschaften, die die Lücke zwischen gemeinschaftsgetriebener Entwicklung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit schließen könnten.

Teil eines umfassenderen Souveränitätskurses

Die Konsultation soll im Zusammenspiel mit kommenden Gesetzesvorhaben wie dem Cloud and AI Development Act wirken, der Europas Ansatz für kritische digitale Infrastruktur weiter präzisieren dürfte.

Zusammengenommen deuten diese Maßnahmen darauf hin, dass sich die EU nicht länger mit schrittweisen Anpassungen zufriedengibt.

Ob daraus ein tatsächlich unabhängiges digitales Ökosystem entsteht oder lediglich bestehende Abhängigkeiten neu geordnet werden, bleibt offen – doch die Richtung ist eindeutig: Europa will mehr Kontrolle über die Technologie, auf der es aufbaut.

Quellen: Europäische Union

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