Der Druck auf Moskau könnte sich bald von den Sanktionsräumen auf die offenen Meere verlagern.
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Britische Regierungsvertreter erwägen einen weitreichenden Schritt, der die Konfrontation mit Russland in deutlich riskanteres Terrain führen würde.
Die bislang nicht öffentlich gemachten Pläne deuten auf eine mögliche Eskalation der Bemühungen Londons hin, Russlands Fähigkeit zur Finanzierung seines Krieges einzuschränken.
Neues Druckmittel
Britische Spezialeinheiten werden laut einem Bericht der Times auf mögliche Einsätze gegen die sogenannte russische Schattenflotte vorbereitet.
Die Schiffe, vielfach alternde Öltanker, werden genutzt, um westliche Sanktionen zu umgehen und russisches Rohöl weltweit zu transportieren.
Eine Quelle aus dem Verteidigungsbereich sagte der Zeitung, dass das Aufbringen von Schiffen auf hoher See aktiv als Mittel zur Verschärfung des wirtschaftlichen Drucks diskutiert werde.
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„Wenn man den wirtschaftlichen Druck auf Russland erhöhen will, sieht das nach Einsatzkräften aus, die sich auf illegale Öltanker abseilen“, sagte die Quelle.
Ein Zeitplan für mögliche Einsätze wurde bislang nicht festgelegt.
Wer die Einsätze führen würde
Die Operationen würden voraussichtlich vom Special Boat Service durchgeführt, der maritimen Eliteeinheit der Royal Navy.
Der SBS ist auf das Entern von Schiffen aus Hubschraubern spezialisiert und nutzt dabei häufig Abseiltechniken, um die Kontrolle über Schiffe zu übernehmen und Besatzungen festzusetzen.
Nach Angaben der Royal Navy sind die SBS-Kräfte für verdeckte Einsätze ausgebildet, die auf Geschwindigkeit und Überraschung beruhen.
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Zu ihren Fähigkeiten zählen Unterwasseraufklärung, Sprengtechnik und amphibische Operationen.
Bislang gibt es keine bestätigten Fälle, in denen britische Kräfte Schiffe der russischen Schattenflotte geentert haben.
Rechtliche Grundlage
Britische Minister haben in den vergangenen Wochen die rechtliche Basis für solche Maßnahmen geprüft.
Beamte gehen davon aus, dass das Gesetz zu Sanktionen und Geldwäsche britischen Streitkräften erlauben könnte, Öltanker, die mit sanktionierten russischen Aktivitäten in Verbindung stehen, zu betreten, festzusetzen und zu beschlagnahmen.
Sollte dies genehmigt werden, könnten Hunderte schlecht regulierter oder staatenloser Schiffe ins Visier geraten.
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Viele dieser Tanker fahren unter Billigflaggen oder verfügen über undurchsichtige Eigentümerstrukturen.
Ziel sei es laut Regierungsvertretern, Russlands Fähigkeit zu stören, Öl außerhalb formeller Märkte zu exportieren.
Politischer Hintergrund
Die Diskussionen finden vor dem Hintergrund statt, dass die britische Militärführung vor erheblichen Haushaltsproblemen gewarnt hat.
Luftwaffenchef Sir Richard Knighton erklärte, dem Verteidigungsministerium fehlten die Mittel, um alle Vorhaben umzusetzen. Berichten zufolge droht in den kommenden Jahren eine Finanzierungslücke von mehreren Milliarden Euro.
Gleichzeitig haben sich die Spannungen zwischen London und Moskau verschärft.
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Russische Regierungsvertreter griffen kürzlich Verteidigungsminister John Healey scharf an, nachdem er erklärt hatte, er würde Wladimir Putin gern festsetzen und für Kriegsverbrechen zur Verantwortung ziehen.
Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, wies die Aussagen mit Beleidigungen zurück.
Quellen: The Times, Royal Navy, Express