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Putins heimische Hirsch-Viagra-Pille erlebt ein schlaffes Ende

Vladimir Putin
Free Wind 2014 / Shutterstock.com

Seit Jahren verspricht der Kreml, Russland könne westliche Produkte durch eigene Alternativen ersetzen.

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Eines dieser Projekte, gedacht als Konkurrenz zu Viagra, wurde stillschweigend mit Millionen aus Staatsmitteln unterstützt. Nun liegen die Ergebnisse vor, und sie sind alles andere als beeindruckend.

Ein jahrzehntelanger Versuch, eine russische Potenzpille zu entwickeln, ist laut Experten und offiziellen Prüfberichten gescheitert.

Sanktionen und Ehrgeiz

Das Projekt wurde 2016 gestartet, nachdem westliche Sanktionen den Zugang zu Medikamenten wie Viagra und Cialis eingeschränkt hatten.

Wladimir Putin wies Wissenschaftler an, einen heimischen Ersatz zu entwickeln, der Russland von der Abhängigkeit von ausländischen Arzneimitteln befreien sollte.

Der Plan konzentrierte sich auf Substanzen aus Moschus- und Sika-Hirschen, die auf einer staatlich finanzierten Farm gezüchtet wurden.

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Das Medikament mit dem Namen Muskuliv wurde als Durchbruch beworben, der mit etablierten westlichen Behandlungen konkurrieren könne.

Rund eine Milliarde Rubel, etwa 11 Millionen Euro, flossen in das Programm, nachdem die Kosten weit über die ursprünglichen Schätzungen hinaus gestiegen waren.

Teure Enttäuschung

Nach jahrelanger Forschung blieben die Ergebnisse deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Experten sagen, das Präparat sei kaum mehr als ein pflanzliches Nahrungsergänzungsmittel und habe keine nachgewiesene medizinische Wirkung.

Der Immunologe Professor Andrei Prodeus erklärte, moschusbasierte Pillen hätten bestenfalls einen Placeboeffekt.

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„Dreißig Prozent der Fälle von erektiler Dysfunktion sind psychologisch bedingt. Selbst ein Placebo kann helfen“, sagte er. „Aber ein echtes Medikament braucht einen klaren Wirkmechanismus, und den gibt es hier nicht.“

Laut Prüfern überschritten die Ausgaben für das Projekt das ursprüngliche Budget um etwa 60 Prozent.

Prüfung und Folgen

Die russische Rechnungskammer meldete das Scheitern direkt an Putin und forderte die Generalstaatsanwaltschaft auf zu prüfen, wie die öffentlichen Gelder verwendet worden waren.

Der Bericht hob zudem Probleme auf der Hirschfarm hervor, die die Rohstoffe liefern sollte.

Die Farm wurde vier Jahre verspätet eröffnet und sollte ein hochmodernes Labor umfassen, das jedoch nie fertiggestellt wurde.

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Trotz Zusagen, 600 Gramm Moschus zu produzieren, lieferte sie lediglich 128 Gramm.

Die Rechte an dem Medikament wurden später an ein privates Pharmaunternehmen übertragen, womit mögliche Gewinne aus einem vollständig staatlich finanzierten Projekt privatisiert wurden.

Uralte Überzeugungen

Putin gilt als Anhänger traditioneller hirschbasierter Heilmittel, denen in manchen Kulturen eine potenzsteigernde und verjüngende Wirkung zugeschrieben wird.

2019 erkundigte er sich persönlich bei Beamten nach der Sicherheit der mit dem Projekt verbundenen Hirschfarm.

Aus Hirschgeweihen gewonnenes Blut wird in sogenannten Verjüngungsbehandlungen eingesetzt, obwohl Ärzte betonen, dass es dafür keinerlei medizinische Belege gibt.

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Während Russland unter Sanktionen weiterhin auf Selbstversorgung setzt, steht die gescheiterte Viagra-Alternative als weiteres Beispiel für ein teures staatliches Versprechen, das den Erwartungen nicht gerecht wurde.

Quellen: The Sun, Berichte der russischen Rechnungskammer