Milliardäre unterstützen im Stillen eine KI-gestützte Bergbauoffensive in Grönland, während sich geopolitische Spannungen verschärfen
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Während Washington und Kopenhagen über die strategische Bedeutung Grönlands streiten, vollzieht sich abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit eine leisere Entwicklung. Einige der mächtigsten Persönlichkeiten der Wirtschaft positionieren sich rund um das enorme Rohstoffpotenzial der arktischen Insel.
Diese Investitionen deuten auf einen parallelen Wettlauf hin, der neben der Diplomatie stattfindet – einen, bei dem privates Kapital schneller handelt als Regierungen.
Frühe Weichenstellungen
Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg haben allesamt in KoBold Metals investiert, ein Explorationsunternehmen, das künstliche Intelligenz zur Suche nach kritischen Rohstoffen einsetzt, berichtete Forbes. Die Investitionen begannen 2019, kurz nachdem der damalige US-Präsident Donald Trump erstmals vorgeschlagen hatte, Grönland zu kaufen.
Sam Altman, CEO von OpenAI, stieg 2022 über seinen Venture-Fonds bei KoBold ein. Das Unternehmen sucht nach Rohstoffen wie Kupfer, Lithium, Nickel und Kobalt, die für saubere Energietechnologien und Elektronik unverzichtbar sind.
KoBold betreibt Dutzende Explorationsprojekte weltweit und kooperiert mit großen Bergbaukonzernen wie BHP und Rio Tinto.
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Politische Verflechtungen
Weitere Investitionen haben in Grönland und Dänemark Besorgnis ausgelöst. Ronald Lauder, Erbe des Estée-Lauder-Vermögens, investierte laut der dänischen Zeitung Politiken in ein grönländisches Abfüllunternehmen für Süßwasser, das Verbindungen zu hochrangigen lokalen Politikern haben soll.
John Bolton, ehemaliger nationaler Sicherheitsberater von Donald Trump, sagte gegenüber Forbes, Lauder sei der Geschäftsmann gewesen, der während Trumps erster Amtszeit erstmals die Idee eines US-Kaufs Grönlands ins Spiel gebracht habe.
Lauder skizzierte später Wege, wie Washington seinen Einfluss auf die Insel auch ohne Eigentumsübernahme ausbauen könnte, etwa durch eine engere Zusammenarbeit mit Dänemark und Grönland.
Eine andere Zukunftsvision
Peter Thiels Engagement erfolgt über Praxis, ein Startup, das den Bau einer technologisch fortschrittlichen Stadt auf der Insel plant. Praxis versteht sich als Teil der sogenannten „Network-State“-Bewegung und wirbt für eine weitgehend deregulierte Hightech-Siedlung.
Das Unternehmen sammelte 2025 rund 525 Millionen US-Dollar ein und führte Gespräche mit grönländischen Behörden über Bauprojekte auf unbewohnbarem Land, wie TechCrunch und The New York Times berichteten.
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Warum Grönland von Bedeutung ist
Grönland verfügt laut US Geological Survey über geschätzte 1,5 Millionen Tonnen seltener Erden und zählt damit zu den weltweit größten Lagerstätten. Diese Rohstoffe sind entscheidend für Elektrofahrzeuge, Windkraftanlagen und militärische Ausrüstung.
China dominiert derzeit die globale Versorgung, was westliche Regierungen nach jüngsten Exportbeschränkungen alarmiert hat. Trotz seines Rohstoffreichtums verfügt Grönland bislang über keine kommerzielle Mine für seltene Erden, da Projekte durch Umweltauflagen, politische Risiken und die extremen arktischen Bedingungen gebremst werden.
Quellen: Forbes; Politiken; TechCrunch; The New York Times; US Geological Survey