Westliche Analysten warnen, dass die Konfrontation noch lange nicht vorbei ist.
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Der Blick richtet sich nun über die Frontlinien hinaus auf die Frage, was Russland als Nächstes tun könnte.
Eine NATO-Stadt, klein, aber symbolisch aufgeladen, wird von Sicherheitsexperten zunehmend als möglicher Brennpunkt genannt.
Gefährlicher Fokus
Tim Willasey-Wilsey, ehemaliger britischer Diplomat und Professor am King’s College London, warnte, dass die Ambitionen von Wladimir Putin über die Ukraine hinausgingen.
Er sagte der Daily Mail, Russlands Kriegsanstrengungen seien als unvollendet zu betrachten.
Der Experte argumentierte, selbst eine Kampfpause würde keine Deeskalation bedeuten. Stattdessen könne Moskau die Entschlossenheit der NATO mit begrenzten, kalkulierten Schritten testen.
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Er schlug vor, Russland könne damit beginnen, „an den Rändern der Ukraine zu knabbern“, um zu prüfen, wie belastbar die westlichen Sicherheitsgarantien tatsächlich seien.
Warum Narva wichtig ist
Willasey-Wilsey hob die estnische Grenzstadt Narva als besonders verwundbar hervor.
„Die Stadt, die ich immer für sehr gefährlich gehalten habe, ist Narva, das eine russische Bevölkerung von 80 Prozent hat“, sagte er.
Er stellte infrage, ob die stärkste Macht der NATO im Falle eines Angriffs militärisch reagieren würde.
„Glauben wir wirklich, dass die Vereinigten Staaten wegen einer einzelnen Stadt in Estland in den Krieg ziehen würden? Ich bin mir da nicht mehr sicher.“
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Narva liegt direkt gegenüber der russischen Stadt Iwangorod und ist nur durch den Fluss Narva getrennt, was die Stadt zu einer strategischen und symbolischen Grenzlinie macht.
Eine komplexe Vergangenheit
Laut Berichten, auf die sich Analysten von Chatham House beziehen, verstärkt die demografische Struktur Narvas die Sorgen.
Rund 97 Prozent der Einwohner sprechen Russisch, und viele haben enge familiäre Bindungen über die Grenze hinweg.
Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Estlands stimmten die Stadt und umliegende Gebiete in einem inoffiziellen Referendum für Autonomie.
Die estnische Regierung erklärte die Abstimmung später für verfassungswidrig, begleitet von Verdachtsmomenten einer stillen Beteiligung Moskaus.
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Die Befürchtungen nahmen nach Russlands umfassender Invasion der Ukraine zu sowie nach Äußerungen Putins im Jahr 2022, Narva müsse „zurückgeholt“ werden.
Obwohl Estland zu den stärksten Unterstützern der Ukraine zählt, ist der Alltag in Narva weiterhin von der sowjetischen Vergangenheit und der Nähe zu Russland geprägt, was die NATO vor ein unangenehmes Dilemma stellt.
Quellen: Daily Mail, Ziare.