Die Schweiz bereitet eine bedeutende Veränderung in der Finanzierung ihres Militärs vor, da Regierungsvertreter warnen, dass die bestehenden Fähigkeiten nicht mehr ausreichen.
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Die Schweizer Regierung erklärte am Mittwoch, sie beabsichtige, die Mehrwertsteuer vorübergehend zu erhöhen, um höhere Verteidigungsausgaben zu finanzieren, berichtet Politico.
Der Bundesrat sagte, dieser Schritt spiegele die wachsende Sorge über das Sicherheitsumfeld wider, dem das Land gegenübersteht.
„Angesichts der sich verschlechternden geopolitischen Lage will der Bundesrat die Sicherheits- und Verteidigungsfähigkeiten der Schweiz deutlich stärken“, erklärte die Regierung in einer Mitteilung.
Sie fügte hinzu, dass zusätzliche Mittel in Höhe von rund 31 Milliarden Schweizer Franken – oder etwa 33 Milliarden Euro – erforderlich seien.
Im Rahmen des Vorschlags würde die Mehrwertsteuer um 0,8 Prozentpunkte gegenüber dem derzeitigen Satz von 8,1 % steigen.
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Zehnjährige Steuererhöhung
Die geplante Mehrwertsteuererhöhung soll für zehn Jahre gelten und 2028 beginnen. Die zusätzlichen Einnahmen würden in einen speziellen Rüstungsfonds fliessen, der zudem Geld aufnehmen dürfte, um langfristige Investitionen zu unterstützen.
Da die Mehrwertsteuersätze in der Schweizer Bundesverfassung festgelegt sind, kann die Massnahme ohne eine Verfassungsänderung nicht in Kraft treten. Der Bundesrat teilte mit, dass im Frühjahr eine öffentliche Konsultation zu dem Vorschlag gestartet werde.
Eine endgültige Entscheidung würde letztlich eine Zustimmung im Rahmen der direkten Demokratie der Schweiz erfordern.
Neuausrichtung der Verteidigungspolitik
Die Schweiz überprüft ihre Verteidigungspolitik seit Russlands grossangelegter Invasion in die Ukraine vor fast vier Jahren.
Obwohl das Land ausserhalb der NATO bleibt und keine Pläne hat, dem Bündnis beizutreten, hat es eine engere militärische Zusammenarbeit mit europäischen Partnern geprüft.
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Die Verteidigungsausgaben der Schweiz liegen derzeit bei etwa 0,7 % des Bruttoinlandsprodukts – einer der niedrigsten Werte in Europa.
Die Regierung hatte zuvor das Ziel gesetzt, diesen Anteil bis 2032 auf 1 % zu erhöhen, doch Regierungsvertreter sagen nun, dieses Ziel sei durch die Ereignisse faktisch überholt worden.
„Als Folge der in den vergangenen Jahrzehnten erzielten Einsparungen sind die Streitkräfte zudem unzureichend ausgerüstet – insbesondere, um die wahrscheinlichsten Bedrohungen wirksam abzuwehren, nämlich Fernangriffe und hybride Konflikte“, hiess es.
Nach Angaben der Regierung zählen zu den Prioritätsbereichen für künftige Investitionen unter anderem Luftverteidigungssysteme für kurze und mittlere Reichweiten, Cybersicherheit sowie elektromagnetische Fähigkeiten.
Quelle: Politico