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KI könnte ein neues Zeitalter des Lernens einläuten — wenn Regierungen, Tech-Unternehmen und Pädagogen zusammenarbeiten

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Der ehemalige Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso und Efekta-CEO Stephen Hodges argumentieren, dass KI Bildung durch personalisiertes Lernen und Unterstützung für Lehrkräfte transformieren kann — jedoch nur, wenn Regierungen, Pädagogen und Technologieunternehmen koordiniert handeln und Fragen des Zugangs sowie des Vertrauens adressieren.

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Klassenzimmer haben sich über Jahrhunderte hinweg überraschend wenig verändert, obwohl Technologie nahezu jeden anderen Sektor transformiert hat.

Nun könnte künstliche Intelligenz die Bildung grundlegend umgestalten — allerdings nur, wenn Institutionen im Gleichschritt handeln.

José Manuel Barroso, ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission, und Stephen Hodges, CEO der Efekta Education Group, argumentieren, dass KI-gestützte Tools hochwertige, personalisierte Bildung im großen Maßstab ermöglichen könnten. In einem Meinungsbeitrag schreiben sie, dass echter Fortschritt von der Koordination zwischen politischen Entscheidungsträgern, Schulen und Technologieanbietern abhängt.

Bildungssysteme weltweit stehen unter wachsendem Druck.

Lehrermangel besteht weiterhin in Fächern wie Mathematik und Naturwissenschaften in den USA, während die Schülerzahlen in Schwellenländern rasch steigen. Gleichzeitig laufen Lehrpläne Gefahr, hinter den Fähigkeiten zurückzubleiben, die auf einem KI-getriebenen Arbeitsmarkt erforderlich sind.

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Personalisierung im großen Maßstab

Barroso und Hodges argumentieren, dass KI sofortiges Feedback liefern und Elemente individueller Förderung ermöglichen könne, die traditionelle Klassenzimmer nur schwer flächendeckend anbieten können.

Sie sind der Ansicht, dass die Automatisierung von Benotung und Verwaltungsaufgaben Lehrkräften mehr Zeit für Mentoring, Empathie und kritisches Denken verschaffen könnte — Bereiche, in denen menschlicher Beitrag weiterhin unverzichtbar ist.

Gleichzeitig warnen sie, dass das Potenzial von KI Bildungsungleichheiten nicht automatisch verringern werde. Zugang zu zuverlässigem Internet, Erschwinglichkeit und Infrastruktur seien entscheidende Faktoren dafür, ob solche Tools Lücken vergrößern oder schließen.

Frühe Experimente

Die Autoren verweisen auf mehrere Beispiele KI-gestützter Bildungsinitiativen. In Kenia hat die mobile Plattform von Eneza Education seit 2022 mehr als zehn Millionen Lernende erreicht und nach neun Monaten Nutzung eine Leistungssteigerung von 23 Prozent gemeldet.

In Lateinamerika zeigte der KI Teaching Assistant von Efekta Education, der im brasilianischen Bundesstaat Paraná getestet wurde, laut Unternehmensangaben eine Verbesserung der Englischtestergebnisse um 32,5 Prozent. Ähnliche Pilotprojekte laufen auf den Philippinen und in Indonesien.

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In den USA ergab eine Studie des EdWeek Research Center aus dem Jahr 2025, dass sich die Nutzung von KI-Tools durch Lehrkräfte zwischen 2023 und 2025 nahezu verdoppelt hat, während der Anteil der Lehrkräfte mit mindestens einer KI-Schulung von 29 auf 50 Prozent stieg.

Jenseits der Automatisierung

Über Benotung und Nachhilfe hinaus könnte KI auch verändern, wie Schülerinnen und Schüler Informationen verarbeiten.

Fortgeschrittene Sprachmodelle können bereits komplexe Texte zusammenfassen, Inhalte zwischen Sprachen übersetzen und Erklärungen an unterschiedliche Lesestufen anpassen. Sorgfältig eingesetzt könnte dies Lernenden helfen, schwierige Inhalte — von juristischen Dokumenten bis hin zu wissenschaftlicher Forschung — besser zu verstehen, statt sie lediglich auswendig zu lernen.

Theoretisch könnten KI-Tools als adaptive Vermittler fungieren, die dichte Inhalte in verständlichere Bestandteile zerlegen und zugleich kritisches Denken fördern. Das könnte besonders wertvoll in Klassen sein, in denen Lernende mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen starten.

Desinformation begegnen

Ein weiteres mögliches Feld ist die Medienkompetenz. Da sich Desinformation rasch online verbreitet, könnten KI-Systeme eingesetzt werden, um Schülerinnen und Schülern beizubringen, Quellen zu überprüfen, Narrative zu vergleichen und logische Fehlschlüsse zu erkennen.

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KI-gestützte Tools könnten beispielsweise widersprüchliche Behauptungen über mehrere Quellen hinweg markieren, unbelegte Aussagen hervorheben oder Debattenformate simulieren, die Schwächen in Argumentationen aufzeigen. In Lehrpläne integriert, könnten solche Systeme analytisches Denken im großen Maßstab stärken.

Dieses Potenzial ist jedoch ambivalent. Dieselben generativen Tools, die helfen können, irreführende Informationen zu erkennen, können sie auch überzeugend erzeugen. Diese Spannung unterstreicht das Argument der Autoren, dass Governance und Aufsicht unerlässlich sind.

Wenn KI zu einem Klassenzimmerassistenten wird, wird sie auch Teil dessen, wie künftige Generationen lernen, zwischen Fakten und Fiktion zu unterscheiden. Wie sie gestaltet wird — und wer ihre Leitplanken festlegt — könnte nicht nur Bildungsergebnisse, sondern auch gesellschaftliche Resilienz prägen.

Governance und Vertrauen

Barroso und Hodges betonen, dass die Einführung mit Schutzmaßnahmen einhergehen müsse. Datenschutz für Schülerinnen und Schüler, Transparenz und Kontrolle über Lehrpläne seien zentral für den Aufbau von Vertrauen.

Sie argumentieren, dass Datenschutz- und Governance-Herausforderungen politisch gelöst und nicht als Vorwand genutzt werden sollten, um Experimente zu verzögern.

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Die UNESCO schätzt, dass ein universeller Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung der Weltwirtschaft Billionen Dollar hinzufügen könnte — ein Hinweis auf das Ausmaß des Potenzials.

Für die Autoren ist KI kein Ersatz für Lehrkräfte, sondern ein Instrument zur Verstärkung menschlicher Stärken. Länder, die sie durchdacht und früh integrieren, könnten am besten positioniert sein, die Zukunft des Lernens zu gestalten.

Quellen: Fortune Opinion; Eneza Education; Efekta Education Group; EdWeek Research Center; UNESCO