Die Übung zeigt deutlich, dass den NATO-Streitkräften operatives Wissen über die moderne Drohnenkriegsführung fehlt.
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Ein großes NATO-Manöver im Baltikum hat einen eindrucksvollen Einblick in die Entwicklung der modernen Kriegsführung gegeben.
Was sich während der Kriegsspiele abzeichnete, deutete darauf hin, dass selbst große, gut ausgerüstete Verbände Schwierigkeiten haben können, wenn sie mit massenhaft eingesetzten Drohnen und schneller digitaler Koordination konfrontiert werden.
Im Mai 2025 versammelten sich mehr als 16.000 Soldaten in Estland zur Übung Hedgehog-2025, einer der größten jüngsten Übungen des Bündnisses, wie die estnischen Streitkräfte damals mitteilten.
Die Übung sollte ein Gefechtsfeld nachbilden, das von dauerhafter Überwachung, verkürzten Entscheidungszyklen und hohem Informationsdruck geprägt ist.
Ukrainisches Personal mit Kampferfahrung nahm teil und setzte das Gefechtsführungssystem „Delta“ ein, das Aufklärungsdaten in Echtzeit integriert, Ziele analysiert und die Koordination von Angriffen unterstützt, um die Zeit zwischen Zielerfassung und Bekämpfung zu verkürzen.
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Ein Test der Verwundbarkeit
Details eines Szenarios, über das Defence24 berichtete, verdeutlichten das Ausmaß der Herausforderung.
Eine große NATO-Formation, zu der eine britische Brigade und estnische Einheiten gehörten, operierte unter der Annahme, dass keine vollständige Lageübersicht verfügbar war. Die Einheiten manövrierten mit begrenzter Tarnung und positionierten Fahrzeuge und Ausrüstung so, dass sie vergleichsweise leicht zu erkennen waren.
In diesem Umfeld simulierten etwa zehn Drohnenbediener innerhalb eines halben Tages die Zerstörung von 17 gepanzerten Fahrzeugen und führten rund 30 weitere Angriffe durch. Mehr als 30 Drohnen waren in einem Gebiet von weniger als zehn Quadratkilometern im Einsatz.
Nach der Auswertung wurden zwei Bataillone zu Ausbildungszwecken als nicht gefechtsfähig eingestuft.
Das Tempo neu bewerten
Militärvertreter betonten, dass der Vorfall kein reales Gefecht widerspiegelte. Simulierte Drohnentreffer wurden als erfolgreiche Bekämpfungen gewertet, um Verfahren zu testen, und das Ziel bestand darin, die Widerstandsfähigkeit gegenüber großflächigem Drohneneinsatz zu prüfen, nicht darin, verbündete Kräfte zu schlagen.
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Dennoch machte das Ergebnis deutlich, wie anfällig konzentrierte Einheiten ohne Auflockerung, Tarnung und schnellen Informationsaustausch werden können.
Die Übungen verdeutlichten zudem Unterschiede in der Geschwindigkeit von Entscheidungsprozessen. Ukrainische Kräfte zeigten einen raschen Austausch operativer Daten zwischen den Führungsebenen, was Angriffe beschleunigte. Demgegenüber wurden strengere Beschränkungen beim Umgang mit sensiblen Informationen in einigen verbündeten Streitkräften als hemmend für Reaktionsfähigkeit und Koordination angesehen.
Estnische Offiziere bezeichneten die Erkenntnisse als alarmierend, während Beobachter darauf hinwiesen, dass das Erkennen solcher Lücken nur ein erster Schritt sei. Anpassungen in Doktrin, Ausbildung und Beschaffung könnten erforderlich sein, um sich an ein Gefechtsfeld anzupassen, das zunehmend von Drohnen und digitalen Netzwerken geprägt wird.
Quellen: Defence24, Estnische Streitkräfte