Wirtschaftskrieg prägt internationale Beziehungen oft ebenso sehr wie militärische Bewegungen auf dem Schlachtfeld.
Bei aufflammenden globalen Spannungen suchen mächtige Nationen häufig nach neuen Wegen, um den finanziellen und diplomatischen Druck auf ihre Gegner zu erhöhen, berichtet The Moscow Times.
Für Soldaten tabu
Die Europäische Union bereitet die Einführung einer Reihe aggressiver neuer Beschränkungen vor, die direkt auf den Kreml abzielen. Einem Bericht der The Moscow Times zufolge zielt der neueste Vorschlag persönlich auf Personen ab, die aktiv am Konflikt teilgenommen haben.
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, kündigte den umfassenden Plan am Dienstag an. Der Kern dieser Politik ist ein strenges Reiseverbot für Militärpersonal.
„Wir schlagen zum ersten Mal vor, jedem die Einreise in die Europäische Union zu verbieten, der seit Beginn des Krieges in den russischen Streitkräften gedient hat“, erklärte von der Leyen. Sie erläuterte, das Ziel sei es, „sicherzustellen, dass Europa für jeden, der an der Invasion der Ukraine teilgenommen hat, tabu bleibt.“
Gewinne einfrieren
Über Reiseverbote hinaus zielt das neue Paket auf Moskaus Energiesektor ab. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten hat die globalen Ölpreise in die Höhe getrieben, und europäische Beamte wollen verhindern, dass Russland davon profitiert.
Dazu plant Brüssel, die Preisobergrenze für russisches Rohöl bei rund 44 US-Dollar pro Barrel bis Januar einzufrieren. Die Moscow Times berichtete, die EU beabsichtige zudem, 30 weitere Transportschiffe, die zu Russlands nicht gekennzeichneter „Schattenflotte“ gehören, auf eine schwarze Liste zu setzen, um die Regel durchzusetzen.
Die Beschränkungen enden nicht bei fossilen Brennstoffen. Das Entwurfspaket zielt auf Kryptowährungsplattformen, Banken und Drittmakler ab, die bei der Umgehung von Sanktionen helfen, während alltägliche Meeresfrüchte wie Kabeljau und Alaska Pollock auf die Handelsverbotsliste gesetzt werden.
Druck trifft ins Mark
Auch ausländische Unternehmen geraten ins Visier. Beamte enthüllten, die EU beabsichtige, 14 Unternehmen mit Sitz in Festlandchina und Hongkong vom Kauf europäischer Waren auszuschließen, nachdem sie angeblich das russische Militär beliefert hätten.
Die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten innerhalb Russlands steigen weiter rapide an. „Der Preis, den Russland zahlt, wird von Tag zu Tag höher, und er wird hauptsächlich vom russischen Volk bezahlt“, bemerkte von der Leyen.
Sie fügte hinzu: „Sie trauern um Söhne, Brüder, Ehemänner, und gleichzeitig sehen sie sich zu Hause mit sinkenden Lebensstandards konfrontiert.“
Die Verabschiedung dieser Regeln wird Geduld erfordern. Das vorgeschlagene Paket muss nun zur Debatte an die 27 Mitgliedstaaten der EU gehen, wo jedes einzelne Land zustimmen muss, damit die Maßnahmen offiziell in Kraft treten können.
Quellen: The Moscow Times