Ein neuer Friedensbericht warnt davor, dass die globale Politik zunehmend von Führungspersönlichkeiten geprägt wird, die bereit sind, militärische Gewalt einzusetzen – ungeachtet der Schäden für die internationale Ordnung.
Eine neue Friedensstudie hat Besorgnis über das geweckt, was Forscher als die Rückkehr einer „Kriegsherrenpolitik“ bezeichnen. Demnach greifen mächtige Führungspersönlichkeiten zunehmend auf militärische Gewalt zurück, um nationale Interessen durchzusetzen, während internationale Normen geschwächt werden.
Die Ergebnisse zeichnen ein düsteres Bild der globalen Sicherheitslage. Experten warnen, dass das Völkerrecht und multilaterale Institutionen zunehmend unter Druck geraten.
Wachsende Besorgnis
Laut Onet unter Berufung auf einen Bericht von Deutsche Welle untersucht der Friedensbericht 2026 die Rückkehr politischer Führungspersönlichkeiten, die Macht, Einfluss und militärische Stärke über internationale Rechtsrahmen stellen.
Bei der Vorstellung des Berichts in Berlin erklärte der Konfliktforscher Conrad Schetter vom International Center for Conflict Studies in Bonn, dass einige heutige Staats- und Regierungschefs die internationale Ordnung untergraben.
Zu den genannten Personen zählen der russische Präsident Wladimir Putin, US-Präsident Donald Trump und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
„Wir wollen nichts gleichsetzen, aber wir erkennen bestimmte Muster“, sagte Ursula Schroeder vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg.
Gewalt statt Diplomatie
Der Bericht argumentiert, dass Gewalt zunehmend als normales Instrument der Politik betrachtet werde.
Laut Onet unter Berufung auf Deutsche Welle sehen die Forscher diesen Trend in den Versuchen von Staaten, die Souveränität anderer Länder einzuschränken und gleichzeitig ihren eigenen Einfluss sowie ihre strategischen Interessen auszuweiten.
Die Studie verweist zudem auf die Rolle regionaler Mächte wie Saudi-Arabien, Katar und der Vereinigten Arabischen Emirate in Konflikten in Ländern wie Libyen und Somalia.
Die Forscher vertreten die Ansicht, dass geopolitische und wirtschaftliche Interessen außenpolitische Entscheidungen zunehmend prägen.
Die internationale Ordnung
Nicole Deitelhoff vom Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung warnte, dass diese Entwicklungen zur Erosion internationaler Institutionen, insbesondere der Vereinten Nationen, beitragen.
Laut Onet, das sich auf die Berichterstattung von Deutsche Welle über den Bericht bezieht, fordern die Autoren Deutschland und andere europäische Staaten auf, ihre Unterstützung für das Völkerrecht, humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit auszubauen.
Die Forscher kritisierten Kürzungen bei der Entwicklungs- und Humanitätshilfe und argumentierten, dass solche Einschnitte Instabilität, Hunger, Krankheiten und bewaffnete Konflikte verschärfen könnten.
Sie warnten, dass ein Rückzug der Unterstützung neue Krisen begünstigen könnte, anstatt bestehende zu lösen.
Deutschlands Rolle
Der Bericht untersucht außerdem Deutschlands Stellung auf der internationalen Bühne und kommt zu dem Schluss, dass Berlin in bestimmten Bereichen der Außenpolitik an Glaubwürdigkeit verloren habe.
Laut Onet unter Berufung auf Deutsche Welle verwiesen die Forscher auf Deutschlands erfolglosen Versuch, einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zu erhalten, als Hinweis auf ein schwindendes internationales Vertrauen.
Die Studie stellte zudem die Reaktionen von Bundeskanzler Friedrich Merz auf mehrere internationale Krisen infrage, darunter das Vorgehen der USA in Bezug auf Venezuela sowie militärische Operationen gegen den Iran.
Die Forscher gelangten zu dem Schluss, dass Deutschland Vertrauen durch die Unterstützung des Völkerrechts, internationale Zusammenarbeit und erneute Bemühungen zur Stärkung von Rüstungskontrollabkommen zurückgewinnen sollte.
Sie betonten, dass vertrauensbildende Maßnahmen weiterhin entscheidend seien, um Spannungen abzubauen und einen langfristigen Frieden zu sichern.
Quellen: Onet, Deutsche Welle, International Center for Conflict Studies, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung