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Putin erwartete einen kurzen Krieg – er dauert nun länger als der Erste Weltkrieg

Vladimir Putin
Asatur Yesayants / Shutterstock.com

In mancher Hinsicht ähnelt der Krieg in der Ukraine bemerkenswert dem Ersten Weltkrieg.

Der Erste Weltkrieg begann offiziell am 28. Juli 1914.

Die aktiven Kampfhandlungen endeten mit dem Waffenstillstand am 11. November 1918.

Das bedeutet, dass der Krieg 4 Jahre, 3 Monate und 14 Tage beziehungsweise 1.567 Tage dauerte.

Die russische Großinvasion der Ukraine begann am 24. Februar 2022. Sie dauert nun mehr als vier Jahre und drei Monate – tatsächlich fast vier Jahre und vier Monate.

Insgesamt dauern die Kämpfe nun bereits 1.569 Tage an, was bedeutet, dass der Krieg in der Ukraine den Ersten Weltkrieg in Bezug auf seine Dauer übertroffen hat.

Was hat Putin vorzuweisen?

Die Zahlen hinter dieser Pattsituation sind immens. Das Center for Strategic and International Studies schätzte Anfang 2026, dass die russischen Streitkräfte bis zu diesem Zeitpunkt 1,2 Millionen Verluste erlitten hatten.

Das umfasst bis zu 325.000 Tote, was der Einwohnerzahl ganzer Städte entspricht.

Hinter den Kulissen steigen die tatsächlichen Kosten täglich. Die britische Geheimdienstchefin Anne Keast-Butler bemerkte kürzlich, dass Russlands Gesamtzahl der Toten bis zu einer halben Million betragen könne.

Schätzungen des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine beziffern die gesamten russischen Verluste (Tote und Verwundete) auf mehr als 1,38 Millionen mit Stand vom 12. Juni 2026.

Das entspricht fast 1 Prozent der gesamten russischen Vorkriegsbevölkerung.

Trotz dieser hohen Verluste haben sich die Frontlinien kaum bewegt. Das Institute for the Study of War berechnet, dass Russland etwa 20 % der Ukraine kontrolliert. Dazu gehören der Großteil der Region Luhansk sowie Teile der Regionen Donezk, Saporischschja und Cherson.

Nachdem Russland in den frühen Kriegsphasen die Kontrolle über etwa 27 % des ukrainischen Territoriums erlangt hatte, verlor es später erheblich an Boden, als die Ukraine große Gebiete zurückeroberte. Dadurch schrumpfte das von Russland kontrollierte Gebiet auf heute etwa 20 %.

Schützengräben und Drohnen

Die tägliche Realität vor Ort spiegelt die düsteren Tage des Jahres 1914 wider. Soldaten verstecken sich. Damals zwang sie schwere Artillerie in die Erde; heute schaffen billige Drohnen eine 20 Kilometer breite Todeszone, in der kaum etwas überleben kann.

Im Gespräch mit der New York Times wies der französische Militärhistoriker Michel Goya auf die enge Verbindung zur Vergangenheit hin.

„Im Allgemeinen ist es, wenn die Front erstarrt, als wäre man zurück im Ersten Weltkrieg“, sagte Goya.

Seine Schlussfolgerung ist einfach: „Man vergräbt sich, um sich zu verteidigen.“