Brüssel bemüht sich, die Abhängigkeit von ausländischen Technologieanbietern zu verringern. Der Vorschlag könnte Auswirkungen darauf haben, wie öffentliche Daten, Cloud-Dienste und KI-Infrastruktur verwaltet werden.
Die Europäische Kommission hat ein Paket zur technologischen Souveränität vorgeschlagen, das Europa mehr Kontrolle über Cloud-Dienste, KI-Systeme, Halbleiter und Open-Source-Werkzeuge verschaffen soll.
Mit ihrem Cloud and AI Development Act will die Kommission die europäischen Kapazitäten im Bereich Cloud und Künstliche Intelligenz ausbauen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf sensiblen Daten des öffentlichen Sektors liegt.
Eine konkrete Folge könnten strengere Anforderungen an Unternehmen sein, die staatliche Informationen speichern oder verarbeiten – insbesondere in Bereichen wie Strafverfolgung und nationaler Sicherheit.
Sanktionen legten alltägliche Abhängigkeiten offen
The Guardian berichtete, dass Beti Hohler, eine slowenische Richterin mit Wohnsitz in den Niederlanden, den Zugang zu Diensten verlor, die von US-Unternehmen betrieben werden oder von diesen abhängig sind, nachdem die Trump-Regierung sie im vergangenen Jahr wegen ihrer Arbeit am Internationalen Strafgerichtshof sanktioniert hatte.
Hohler erklärte, die Maßnahmen hätten die betroffenen Richter in einen Zustand „ständiger Unsicherheit“ versetzt.
Ihr Fall ist außergewöhnlich schwerwiegend, verdeutlicht jedoch, warum EU-Beamte die Kontrolle über kritische digitale Systeme derzeit überprüfen.
Für gewöhnliche Nutzer zeigt sich dieselbe Abhängigkeit oft auf weniger dramatische Weise: Online-Zahlungen, der Zugriff auf Apps, Reisebuchungen, Arbeitsplatzsoftware und Cloud-Backups hängen häufig von einer kleinen Gruppe ausländischer Anbieter ab.
Fragen zur Umsetzung bleiben offen
Nach dem Vorschlag sollen Cloud-Unternehmen, die Daten des öffentlichen Sektors verarbeiten, nach Kriterien der Souveränität und Sicherheit eingestuft werden. Die höchste Stufe könnte europäischen Anbietern bei besonders sensiblen staatlichen Aufgaben Vorteile verschaffen.
AP schreibt, dass das umfassendere Paket zudem darauf abzielt, die Abhängigkeit von US-Unternehmen bei Cloud- und KI-Diensten sowie von asiatischen Halbleiterlieferanten zu reduzieren.
Dennoch könnte die Durchsetzung schwierig werden. Laut The Guardian würden die nationalen Regierungen eine zentrale Rolle spielen, was die Sorge nährt, dass die Regeln innerhalb der EU unterschiedlich angewendet werden könnten.
Das könnte relevant werden, wenn einige Mitgliedstaaten einen weicheren Kurs wählen, um Investitionen, Arbeitsplätze oder diplomatische Beziehungen zu schützen. Ein fragmentiertes System würde das Ziel gemeinsamer europäischer Standards schwächen.
Rechenzentren sorgen für Spannungen
Die Kommission erklärt, das Gesetz werde dazu beitragen, nachhaltigere Rechenzentren zu schaffen und die für KI erforderliche Infrastruktur auszubauen.
In ihren Unterlagen zur digitalen Strategie beschreibt sie beschleunigte Genehmigungsverfahren und spezielle Zonen für die Entwicklung von Rechenzentren. Dies könnte Konflikte über Stromverbrauch, Planungsrecht und lokale Aufsicht auslösen.
Befürworter argumentieren, dass mehr Rechenkapazität notwendig sei, wenn Europa wettbewerbsfähige KI-Werkzeuge und sicherere Cloud-Lösungen für den öffentlichen Sektor entwickeln wolle.
Kritiker dürften hingegen fragen, wer am meisten profitiert, wenn neue Infrastruktur geschaffen wird, ohne strengere Grenzen für Eigentumsverhältnisse und Marktmacht einzuführen.
Die Herausforderung für Brüssel besteht daher nicht nur darin, mehr Server zu bauen, sondern auch darin zu entscheiden, wer die Regeln für die Systeme festlegt, auf die Europa angewiesen ist.
Quellen: The Guardian; Europäische Kommission, AP