Ukraines Langstreckenkampagne gegen die russische Kraftstoffindustrie zeigt nun deutliche Wirkung.
Kraftstoffbeschränkungen in Russland haben sich offiziell auf die föderale Ebene ausgeweitet.
Laut Recherchen des russischen Medienunternehmens Agentstvo rationieren große Tankstellenketten nun landesweit Benzin und Diesel.
Diese Ketten kontrollieren etwa ein Viertel aller Tankstellen im Land.
Die weitreichenden Beschränkungen betreffen mindestens 7.000 der 29.000 in Russland betriebenen Tankstellen. In der Hoffnung, Panikkäufe einzudämmen, reduzieren die größten Marktteilnehmer des Landes nun drastisch die täglichen Verkaufsmengen. Dies ist ein verzweifelter Schritt nach einer intensiven ukrainischen Drohnenkampagne gegen inländische Ölraffinerien.
Autofahrer sehen sich je nach Anbieter unterschiedlichen Regeln gegenüber. So begrenzte Tatneft die Abgabe für Personenkraftwagen auf 30 Liter Benzin oder 60 Liter Diesel pro Tankvorgang. Berichten zufolge akzeptieren die Tankstellen des Unternehmens nur Bargeld.
Unterdessen untersagten Rosneft und Bashneft ihren Kunden das Befüllen loser Kanister vollständig.
Leere besetzte Gebiete
Die Engpässe verschärfen sich in der Nähe der Konfliktzone erheblich. In den russisch besetzten Gebieten der Ukraine ist die lokale Logistik unter der Belastung vollständig zusammengebrochen.
„Auf der annektierten Krim und in Sewastopol ist der freie Verkauf von Benzin vollständig verschwunden. An den meisten Tankstellen wird AI-95-Kraftstoff nur mit speziellen Gutscheinen und QR-Codes ausgegeben“, berichtete Agentstvo.
Weiter östlich sieht die Lage ebenso düster aus. In der besetzten Region Donezk öffnen Tankstellen nur für wenige Stunden am Tag, da die Reserven gefährlich niedrig sind. Andere besetzte Gebiete wie Luhansk und Cherson haben eine strikte Obergrenze von 20 Litern pro Kunde eingeführt.
Angriffe auf die Quelle
Diese inländische Kraftstoffkrise ist das Ergebnis aggressiver ukrainischer Taktiken. Seit Jahresbeginn haben die ukrainischen Verteidigungskräfte erfolgreich mehr als 15 russische Ölraffinerien angegriffen.
Ein jüngster Angriff löste einen massiven Brand in der Moskauer Ölraffinerie aus, die 40 Prozent des Erdölbedarfs der Hauptstadtregion deckt.
Der Schaden ist erheblich. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte zuvor, diese Langstreckenoperationen hätten „bis Mai fast 40 % der primären russischen Ölraffineriekapazität effektiv neutralisiert“.
Die Auswirkungen haben auch den Luftverkehr erreicht. Die Preise für Flugzeugtreibstoff stiegen seit Januar um 41 Prozent, was Flughäfen in mehreren russischen Regionen dazu zwang, die Flugzeugbetankung zu rationieren. Selbst nachdem Moskau die Umweltstandards gesenkt hatte, um den Markt zu schützen, gehen die verfügbaren Reserven weiter zurück.