Forscher nehmen antike römische und jüdische Texte erneut unter die Lupe, die viele Historiker als wichtige Belege für die historische Existenz Jesu betrachten.
Die Frage, ob Jesus von Nazareth eine historische Person war, wird auch mehr als 2.000 Jahre nach seinem Leben weiterhin diskutiert.
Forscher verweisen erneut auf eine Reihe antiker Texte als wichtige Quellen in dieser Debatte.
Laut Forschungen, auf die Biblical Archaeology aufmerksam macht, geben Schriften römischer und jüdischer Historiker Einblicke darin, wie Jesus und die ersten Christen außerhalb der biblischen Überlieferungen wahrgenommen wurden.
Während viele Historiker es bereits für wahrscheinlich halten, dass Jesus tatsächlich existierte, wurde das Interesse an diesen antiken Quellen durch eine aktuelle Neubewertung des Materials neu belebt.
Römischer Historiker
Eine der am häufigsten zitierten Quellen ist der römische Historiker Tacitus. In seinen Annalen, die um das Jahr 116 n. Chr. verfasst wurden, beschrieb er Christen, die unter Kaiser Nero verfolgt wurden.
In seinem Bericht erwähnt Tacitus eine Person namens Christus, die er mit den Ursprüngen des Christentums in Verbindung bringt.
Der Historiker schreibt außerdem, dass die Hinrichtung während der Herrschaft des Kaisers Tiberius stattfand, als Pontius Pilatus Statthalter von Judäa war.
Forscher betonen, dass Tacitus kein Christ war. Seine Erwähnungen der Bewegung sind eher kritisch als wohlwollend, was die Quelle laut Biblical Archaeology aus historischer Sicht besonders wertvoll macht.
Wichtige Hinweise
Eine weitere zentrale Quelle ist der jüdische Historiker Flavius Josephus, der über die Verhältnisse in Judäa im ersten Jahrhundert schrieb.
In den Jüdischen Altertümern bezeichnet Josephus Jakobus als „den Bruder Jesu, der Christus genannt wird“.
Darüber hinaus beschreibt Josephus Jesus laut Biblical Archaeology als einen angesehenen Lehrer, der zahlreiche Anhänger um sich versammelte.
Obwohl Teile der Berichte von Josephus unter Forschern weiterhin diskutiert werden, gelten sowohl seine Schriften als auch jene von Tacitus als einige der wichtigsten nichtchristlichen Quellen zur Frage der historischen Existenz Jesu.
Forscher zweifeln nicht an seiner Existenz, wohl aber an seiner Göttlichkeit
Bart D. Ehrman, Professor für Religionswissenschaft und einer der weltweit meistzitierten Experten für das Neue Testament, schrieb bereits auf seiner Website, dass praktisch alle qualifizierten Althistoriker – unabhängig von ihrer religiösen Überzeugung – die historische Existenz Jesu anerkennen.
Die wissenschaftliche Debatte konzentriert sich daher weit stärker auf die Frage, was sich mit Sicherheit über sein Leben, seine Lehren und seine Bedeutung sagen lässt.
Historiker versuchen unter anderem herauszufinden, welche Aussagen und Handlungen mit größter Wahrscheinlichkeit auf den historischen Jesus zurückgehen und welche Teile der Überlieferungen vor allem spätere theologische Deutungen widerspiegeln.
Fragen zu Wundern, der Auferstehung und dem göttlichen Status Jesu gelten hingegen als Glaubensfragen, die mit historischen Methoden weder bewiesen noch widerlegt werden können.
Quellen: Biblical Archaeology, Bart D. Ehrman