Startseite Welt Rechtsexperten hinterfragen Vandalismus-Festnahmen am Washington Reflecting Pool

Rechtsexperten hinterfragen Vandalismus-Festnahmen am Washington Reflecting Pool

The Reflecting Pool
Screenshot Instagram / Huffpost

Die Renovierung des Lincoln Memorial Reflecting Pool hat sich zu einem PR-Problem entwickelt.

Wenn ein teures öffentliches Landschaftsbauprojekt zu scheitern beginnt, suchen die Verantwortlichen normalerweise die Auftragnehmer auf.

Doch eine umfassende Neugestaltung eines bedeutenden Denkmals hat eine höchst ungewöhnliche Wendung genommen.

Nun drohen gewöhnlichen Besuchern ernsthafte rechtliche Schwierigkeiten, nur weil sie den Schaden zu genau in Augenschein nahmen.

Die Schuldverschiebung

Die Renovierung des Lincoln Memorial Reflecting Pool hat sich zu einem massiven PR-Problem entwickelt. Das teure Projekt führte schnell zu einer grünen Algenblüte und abblätternder blauer Farbe.

Anstatt den Bauprozess zu kritisieren, beschuldigt Präsident Donald Trump die Besucher. Er verbrachte das gesamte Wochenende damit, eine Theorie zu verbreiten, wonach vorsätzliche Vandalen die berühmte Stätte zerstört hätten.

Bundespolizei überschwemmte das Gebiet. Laut der von DailyBeast zitierten „The Washington Post“ haben Beamte mehrerer Behörden bereits mindestens elf verschiedene Personen festgenommen oder zur Anzeige gebracht.

Das Berühren des Wassers

Die strenge Polizeipräsenz überraschte viele Touristen völlig. Ein ehemaliger olympischer Athlet wurde festgenommen, weil er aus reiner Neugier ein loses Stück der neuen blauen Beschichtung berührt hatte.

Ein Bundesmarschall nahm eine andere Frau fest, nachdem sie ein Stück schwimmender Farbe aus dem Wasser gezogen hatte. Sie soll dem Beamten gesagt haben, sie habe gedacht, sie sammle lediglich Müll auf.

Rechtsexperten bezweifeln, dass diese Vandalismusvorwürfe vor Gericht Bestand haben werden. Sara Bronin, Rechtsprofessorin an der George Washington University, erklärte gegenüber „The Washington Post“, der Pool sei eine öffentliche Infrastruktur, die dazu bestimmt sei, „genutzt, gefühlt und erlebt zu werden“.

Forderung nach Haftstrafen

Trotz dieser rechtlichen Zweifel verspricht die Regierung strenge Strafen. Die US-Staatsanwältin Jeanine Pirro sprach während eines Wochenendinterviews mit Fox News eine sehr ernste Warnung aus.

„Machen Sie keinen Fehler, D.C. schön zu machen, hat Priorität, und wenn Sie etwas wie den Reflecting Pool beschädigen, vandalisieren oder in irgendeiner Weise beeinträchtigen, können Sie strafrechtlich verfolgt werden“, erklärte Pirro.

Der Präsident bekräftigte diese aggressive Haltung auf seiner Social-Media-Plattform. Er behauptete ausdrücklich, der historische Pool sei von „KRANKEN, VERWIRRTEN MENSCHEN“ angegriffen worden.

Suche nach Beweisen

In einem Beitrag auf Truth Social forderte Trump harte Strafen für die beschuldigten Besucher. „Dies sind sehr ernste Verbrechen, die mit der Zerstörung nationaler Denkmäler zu tun haben. Jahre im Gefängnis! Die Arbeiten an der Reparatur werden sofort beginnen“, schrieb er.

Er behauptete auch, Angreifer hätten einen massiven Schnitt in das Becken geritzt und ätzende Chemikalien ins Wasser gegossen.

Journalisten vor Ort konnten diese dramatischen Behauptungen jedoch nicht überprüfen. „The Washington Post“ merkte an, dass Reporter und mindestens acht patrouillierende Beamte die angebliche riesige Kerbe überhaupt nicht finden konnten.

Quellen: The Daily Beast, The Washington Post, Fox News, Truth Social