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Arbeiter, aufgepasst: KI nimmt Ihnen vielleicht nicht den Job – aber sie könnte die Kontrolle darüber übernehmen

Warehouse workers in safety vests and hard hats use barcode scanners to check inventory on shelves, optimizing logistics operations
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Künstliche Intelligenz breitet sich in Büros, Lagerhallen und der Kreativwirtschaft rasant aus. Die entscheidende Frage ist vielleicht nicht, was die Software leisten kann, sondern wie viel Einfluss Menschen auf ihre Arbeit behalten.

Cory Doctorow ist ein kanadisch-britischer Autor und Technologiekritiker, der vor allem für seine Arbeiten über digitale Monopole, Online-Plattformen und den Einfluss großer Technologieunternehmen auf den Alltag bekannt ist.

In einem Interview mit The Guardian erklärt er, dass sich die öffentliche Debatte über KI häufig auf dramatische Ängste vor bewussten Maschinen verlagere, während die unmittelbaren Auswirkungen auf die Arbeitswelt deutlich weniger Aufmerksamkeit erhielten.

Seine Warnung lautet, dass Arbeitgeber KI nutzen könnten, um ihre Abhängigkeit von qualifizierten Fachkräften, Gewerkschaften und professionellem Urteilsvermögen zu verringern.

Das Ergebnis müsse nicht zwangsläufig darin bestehen, dass Menschen vollständig durch Software ersetzt werden. Wahrscheinlicher sei eine schrittweise Entwicklung, bei der Beschäftigte zwar weiterhin unverzichtbar bleiben, aber zunehmend den Einfluss darauf verlieren, wie ihre Arbeit gemessen, vergütet und bewertet wird.

Diese Sorge passt zu einer breiteren Debatte über die Zukunft der Arbeit. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) stellte 2023 fest, dass generative KI Arbeitsaufgaben innerhalb bestehender Berufe eher verändern als ganze Tätigkeiten ersetzen dürfte. Gleichzeitig betonte sie die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Sicherung guter Arbeitsbedingungen, fairer Übergänge und einer angemessenen Regulierung.

Der Investitionsrausch wächst weiter

Doctorow sieht den enormen Kapitalzufluss in den KI-Sektor als Warnsignal:

„Als ich dieses Buch [im vergangenen Jahr] geschrieben habe, war es eine Blase im Wert von 700 Milliarden Dollar. Jetzt ist es eine Blase im Wert von 1,4 Billionen Dollar“, sagte er gegenüber The Guardian.

Das Buch trägt den Titel The Reverse Centaur’s Guide to Life After AI und beschäftigt sich damit, wie Automatisierung Menschen zu Unterstützungssystemen für Maschinen machen kann.

Im Mittelpunkt steht das Bild des „umgekehrten Zentauren“: nicht eines Arbeitnehmers, der durch Technologie leistungsfähiger wird, sondern eines Menschen, der gezwungen ist, ein automatisiertes System zu überwachen, zu korrigieren oder ihm zuzuarbeiten.

Ein Kundenberater, der Fehler eines Chatbots korrigiert, ein Lagerarbeiter, der sich nach algorithmisch festgelegten Zielvorgaben richten muss, ein Jurist, der unzuverlässige juristische Zusammenfassungen überprüft, oder ein Redakteur, der maschinell erstellte Texte überarbeitet – sie alle passen in dieses Muster.

In jedem dieser Fälle wird die Technologie als eigentliche Innovation präsentiert, während der Mensch im Hintergrund bleibt und Fehler, Druck und Verantwortung tragen muss.

Dieses Bild widerspricht dem optimistischen Versprechen, wonach Maschinen monotone Aufgaben übernehmen und Menschen dadurch lohnendere Aufgaben übernehmen können.

Nach Doctorows Auffassung könnte die Software die Entscheidungsgewalt erhalten, während der Mensch daneben den Druck und die Verantwortung trägt, wenn Fristen versäumt werden, Kunden sich beschweren oder automatisierte Empfehlungen scheitern.

Dasselbe Muster könnte sich auch bei einfachen Bürotätigkeiten zeigen. Ein Berufsanfänger könnte damit beauftragt werden, von Software erstellte Zusammenfassungen, E-Mails oder Berichte zu prüfen – allerdings ohne die Einarbeitungszeit, die früher dabei half, einen Beruf von Grund auf zu erlernen.

Die Debatte über Arbeitsplätze hat bereits begonnen

Für Doctorow liegt das Risiko nicht in einer magischen Maschinenintelligenz. Es geht vielmehr um einen vertrauten Konflikt am Arbeitsplatz – um Löhne, Überwachung, Personalstärke und Verantwortung.

Das gilt für Länder mit sehr unterschiedlichen arbeitsrechtlichen Schutzmechanismen. In Betrieben mit starker gewerkschaftlicher Vertretung könnten Beschäftigte darüber mitverhandeln, wie KI-Systeme eingeführt werden. Auf schwächeren Arbeitsmärkten hätten Arbeitnehmer dagegen möglicherweise kaum Spielraum, neue Überwachungssysteme, höhere Leistungsvorgaben oder plötzliche Änderungen ihrer Tätigkeitsbeschreibungen infrage zu stellen.

Die Auswirkungen dürften zudem ungleich verteilt sein. Büro-, Verwaltungs- und kundennahe Berufe könnten sich schneller verändern als Tätigkeiten, die körperliche Präsenz, persönliche Betreuung oder Entscheidungen vor Ort erfordern.

Doctorows umfassendere Warnung lautet, dass ein Zusammenbruch des KI-Marktes nicht auf Risikokapital oder Aktienkurse beschränkt bliebe.

Sollte sich der Markt drehen, könnten Stellenabbau, öffentliche Haushalte und soziale Sicherungssysteme gleichermaßen von den Folgen betroffen sein.

Quellen: Interview mit Cory Doctorow in The Guardian; Internationale Arbeitsorganisation (ILO).