Das Ergebnis dürfte keine Zitterpartie werden …
Mitte September gehen die Russen an die Urnen, um zu entscheiden, wer in der Duma, dem russischen Parlament, sitzen wird.
Russlands Staatschef Wladimir Putin steht nicht auf dem Stimmzettel, doch sein Gesicht ist dennoch überall auf Plakaten zu sehen – warum ist das so?
Laut dem Institute for the Study of War (ISW) versucht die dominierende politische Kraft in Moskau, ihre Identität direkt mit dem Staatsoberhaupt zu verknüpfen. Diese kalkulierte Strategie lässt keinen Zweifel daran, wer letztlich die Macht innehat.
Dem russischen Oppositionsmedium Meduza zufolge veröffentlichte die Partei Einiges Russland am 28. Juni ein neues, offensiv gestaltetes Wahlplakat. Es zeigte eine detaillierte Zeichnung von Wladimir Putin zusammen mit sehr direkten Slogans.
Ein Slogan lautete: „Einiges Russland ist die Partei des Präsidenten“, während ein anderer erklärte: „Für Putin zu sein, ist das absolute Minimum.“ Meduza merkte an, dass die Partei diese Bezeichnung erstmals seit 2007 wieder verwendet.
Das Werbematerial zeigte zudem prominent den lateinischen Buchstaben „Z“. Da dieser Buchstabe den Krieg in der Ukraine symbolisiert, verknüpft das Plakat die Unterstützung der Partei direkt mit dem andauernden militärischen Konflikt.
Die Wahl beeinflussen
Die massive Kampagne fiel mit einer wichtigen Rede Putins auf dem offiziellen Parteikongress zusammen. Das ISW geht davon aus, dass der Zeitpunkt bewusst gewählt wurde, um die öffentliche Wahrnehmung lange vor der bevorstehenden Parlamentswahl zu beeinflussen.
Angesichts der für September 2026 angesetzten Wahlen zur Staatsduma gilt ein klarer Sieg als praktisch sicher. Dennoch nutzt der Kreml diese Kampagne, um den innenpolitischen Informationsraum zu prägen.
Die enge Verknüpfung Putins mit der Partei erzeugt die Illusion einer breiten öffentlichen Unterstützung. Das ISW merkt an, dass dies dazu beiträgt, eine Herbstwahl zu legitimieren, die weder frei noch fair sein wird.
Der loyale innere Kreis
Die Partei hat auch ihre Kandidatenliste finalisiert. Die gesamte Aufstellung besteht aus Hardlinern, die der aktuellen Führung kompromisslos loyal sind.
Parteichef Dmitri Medwedew stellte am 28. Juni offiziell die fünf Spitzenkandidaten vor. Die Liste umfasst prominente Politiker wie Außenminister Sergej Lawrow und Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin.
Hinzu kommen der Leiter einer Jugendorganisation, Hauptmann Wladislaw Golowin, die Kinderrechtsbeauftragte Marija Lwowa-Belowa sowie der Kriegsblogger Jewgeni Poddubny. Medwedew erklärte, dass diese Kandidaten für ihre „Taten und ihren starken Patriotismus“ bei der Verteidigung nationaler Interessen bekannt seien.
Laut ISW weicht diese Liste leicht von einem im Januar 2026 durchgesickerten internen Entwurf ab. Der ursprüngliche Plan sah Medwedew selbst und einen prominenten Arzt vor, doch letztlich ersetzten die Verantwortlichen sie durch kompromisslose Loyalisten.
Die Dumawahlen sind für den 18. bis 20. September 2026 angesetzt.