Eine Schätzung beziffert das Arbeitskräftedefizit bis 2030 auf 3,1 Millionen.
Russland hat ein Problem.
Nun, je nachdem, wen man fragt, hat das Land in den vergangenen Jahren mit mehreren Problemen zu kämpfen, doch eine Herausforderung, die selbst die Behörden offen anerkennen, ist der Arbeitskräftemangel.
Laut The Moscow Times sind die Kriegsrealitäten einer der Hauptgründe für den Mangel. Die Zeitung zitiert den Demografen Igor Yefremov, der schätzt, dass der Militärdienst zwischen 2022 und 2025 rund 1,7 Millionen Menschen dem Arbeitsmarkt entzogen hat.
Emigration und eine schrumpfende Bevölkerung verschärfen die Situation zusätzlich.
Und nun bereiten sich die russischen Behörden darauf vor, ein Verbot für mehrere Berufe aufzuheben, die Frauen derzeit nicht ausüben dürfen.
Mehr Berufe geöffnet
Lange Zeit untersagten russische Gesetze Frauen aus gesundheitlichen Gründen die Ausübung Hunderter Berufe. Doch im Jahr 2021 reduzierte die Regierung die Liste der eingeschränkten Berufe von 456 auf nur noch 100.
Die verbleibenden Verbote betreffen weiterhin Sektoren wie den Bergbau und die chemische Produktion. Doch ein neuer Fahrplan zielt darauf ab, diese Liste bis 2027 weiter zu verkleinern.
Das Arbeitsministerium prognostiziert, dass das Arbeitskräftedefizit bis 2030 auf 3,1 Millionen anwachsen könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft FinExpertiza berichtete, die verfügbare Arbeitskräftereserve sei seit 2021 um 40 Prozent gesunken.
Andere Schätzungen beziffern den drohenden Arbeitskräftemangel auf 1,5 bis 2,6 Millionen.
Regeländerungen
Laut The Moscow Times hat die Regierung die Liste der verbotenen Berufe bereits erheblich gekürzt. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti sprach die Erste stellvertretende Arbeitsministerin Olga Batalina auf einem kürzlich abgehaltenen Forum über die Änderungen.
„Die Arbeitsbedingungen ändern sich dank der Digitalisierung und der Einführung sichererer Produktionsmethoden, sodass mehr Berufe, die einst als Männerberufe galten, zu Berufen für Frauen werden“, wurde Batalina zitiert.
Beamte schlagen zudem ungewöhnliche Maßnahmen vor, um den Arbeitskräftemangel zu beheben. Ein Kommissar schlug vor, 12-Jährigen Sommerjobs zu ermöglichen. Ein stellvertretender Premierminister merkte an, dass das Land eine unbegrenzte Zahl indischer Arbeitskräfte aufnehmen könne, um Stellen in Fabriken zu besetzen.