Hondas Absatz von Elektrofahrzeugen ist eingebrochen und zwingt das Unternehmen zu einer strategischen Neuausrichtung — doch Produktionspartner General Motors könnte am Ende dennoch profitieren.
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Hondas Vorstoß in den Elektrofahrzeugmarkt ist ins Stocken geraten — und die Partnerschaft mit General Motors könnte am Ende eher Detroit als Tokio zugutekommen.
Absatz halbiert
Hondas weltweite EV-Verkäufe brachen im Oktober–Dezember-Quartal ein und fielen auf nur noch 15.000 Einheiten — etwa die Hälfte des Volumens der Vorperiode. Der Rückgang unterstreicht, wie fragil die elektrische Transformation des Unternehmens geworden ist.
Der Honda Prologue und der Acura ZDX — beide gemeinsam mit General Motors entwickelt und auf GMs Ultium-Plattform gebaut — sollten Hondas EV-Ambitionen beschleunigen. Stattdessen haben sie die Risiken offengelegt, die mit der Abhängigkeit von der Architektur eines Partners in einem volatilen Marktumfeld verbunden sind.
Das Partnerschaftsproblem
Beide Crossover werden in GM-Werken montiert: der Acura ZDX in Spring Hill, Tennessee, und der Honda Prologue in Ramos Arizpe, Mexiko.
Doch die Nachfrage brach Ende letzten Jahres ein. Die Verkäufe des Prologue sanken im vierten Quartal um 86 Prozent auf nur 2.641 Einheiten. Der ZDX wurde nach nur einem Modelljahr eingestellt und kam insgesamt auf 19.411 Verkäufe.
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Mit sinkenden Bestellungen muss Honda GM für geringere Produktionsvolumina entschädigen, wie Automotive News berichtet. Das bedeutet, dass GM selbst bei Hondas Rückzug weiterhin Einnahmen erzielt.
Wachsende Verluste
Hondas EV-Sparte dürfte im gesamten Geschäftsjahr bis März 2026 einen Verlust von rund 4,48 Milliarden US-Dollar verzeichnen. In den ersten neun Monaten beliefen sich Abschreibungen und EV-bezogene Kosten auf 1,71 Milliarden US-Dollar.
Der operative Gewinn sank im Oktober–Dezember-Quartal um 61 Prozent und markierte damit das vierte Quartal in Folge mit operativen Verlusten. US-Importzölle dürften die Kosten bis zum Geschäftsjahresende um weitere 1,98 Milliarden US-Dollar erhöhen und die Margen zusätzlich belasten.
Auch aggressive Anreize halfen nicht. Honda gab Berichten zufolge im Januar mehr als 17.000 US-Dollar pro verkauftem Prologue aus, dennoch wurden in diesem Monat nur 664 Fahrzeuge abgesetzt.
GMs stille Vorteile
Während Honda seine EV-Strategie neu bewertet, könnte GM der unerwartete Profiteur sein.
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Der Ultium-basierte Prologue und der ZDX halfen GM, Entwicklungskosten auf mehr Fahrzeuge zu verteilen und Werke auszulasten. Selbst bei geringerer Produktion dämpfen Ausgleichsklauseln die finanziellen Auswirkungen.
Im Ergebnis trägt Honda die Absatzvolatilität — während GM seine Plattformvorteile behält.
Strategische Neuausrichtung
Honda führt nun eine „grundlegende Überprüfung“ seiner Automobilstrategie durch. Das Unternehmen richtet sich auf seine intern entwickelte „0 Series“-EV-Architektur aus, beginnend mit dem Acura RSX Crossover später in diesem Jahr. Zwei Honda-Modelle der 0 Series — ein SUV und eine Limousine — sollen folgen.
Der Kurswechsel spiegelt auch gedämpfte Erwartungen wider. 2024 hatte Honda das Ziel ausgegeben, bis 2030 jährlich zwei Millionen EVs zu verkaufen. Diese Prognose wurde inzwischen auf 700.000 bis 750.000 Einheiten reduziert.
Die EV-Transformation wurde nicht aufgegeben — aber deutlich neu kalibriert.
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Quellen: InsideEVs; Automotive News; Honda-Finanzberichte