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Tödlicher Hundeangriff in Niedersachsen wirft Fragen auf

American Bully
BAUER Alexandre / Shutterstock

Nach einem tödlichen Angriff eines American Bulldogs auf seinen Halter in Niedersachsen wird erneut über Verantwortung, Zucht und Haltung großer Hunderassen diskutiert.

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Die Hundeexpertin Vanessa Bokr von der Hellhound Foundation sieht darin keinen Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem.

Mögliche Auslöser für die Attacke

Nach Einschätzung Bokr könnte eine akute Stresssituation Auslöser gewesen sein. Denkbar sei, dass der Hund durch äußere Reize erregt wurde und der Halter versuchte, ihn körperlich zu stoppen.

„Wenn nicht klar ist, welche Grenzen im sozialen Gefüge gelten, eskaliert die Situation“, erklärt sie.

Auch ein Sturz des Besitzers mit unkontrollierten Bewegungen könne den Jagdtrieb aktiviert haben. In beiden Fällen sei die körperliche Überlegenheit des Hundes entscheidend gewesen.

Warum Bulldoggen als gefährlich gelten

American Bulldogs und ähnliche Rassen seien für harte Aufgaben gezüchtet worden, etwa zum Jagen und Bewachen auf großen Farmen.

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„Diese Hunde sind stark, selbstständig und reagieren kompromisslos“, sagt Bokr.

In beengten Wohnverhältnissen könnten sie ihre natürlichen Verhaltensweisen nicht ausleben. Das erhöhe das Risiko aggressiver Zwischenfälle erheblich.

Fehlende Sachkunde als Kernproblem

Die Expertin betont, dass nicht einzelne Rassen das Hauptproblem seien, sondern mangelnde Fachkenntnis vieler Halter.

„Uns schreiben täglich Menschen, deren Hunde sie schwer verletzt haben – quer durch alle Rassen“, berichtet sie.

Häufig gehe es um sogenannte Statusaggressionen, ausgelöst durch falsche Haltung und Kommunikation.

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Zucht, Politik und gesellschaftliche Verantwortung

Bokr kritisiert zudem moderne Zuchtpraktiken, bei denen Aussehen über Gesundheit gestellt werde.

Genetische Defekte könnten sowohl körperliche als auch Verhaltensprobleme begünstigen. Rasselisten hält sie für wirkungslos.

Stattdessen fordert sie einen verpflichtenden Sachkundenachweis: „Hunde können gefährlich sein. Wer sie hält, muss wissen, was er tut.“

Blick nach vorn

Ohne grundlegende Änderungen in Zucht, Aufklärung und Gesetzgebung rechnet die Expertin mit weiteren schweren Vorfällen.

Entscheidend sei ein realistischer Umgang mit dem Tier Hund – fernab von Romantisierung, aber nah an seinen tatsächlichen Bedürfnissen.

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Quelle: PETBOOK