Das Haus war ein Treffpunkt für Neo-Nazis und Sympathisanten.
Am Mittwoch wurde ein umstrittenes Gebäude in der ruhigen Stadt Braunau am Inn in Österreich offiziell wiedereröffnet.
Es ist nun eine Polizeiinspektion. Der Standort beherbergt auch ein Ausbildungszentrum der Sicherheitsakademie.
Indem Polizeibeamte in dem Gebäude untergebracht werden, hoffen die österreichischen Behörden, extremistische Gruppen davon abzuhalten, sich an dem Ort zu versammeln, an dem Adolf Hitler nach seiner Geburt im Jahr 1889 seine ersten drei Lebensjahre verbrachte.
Ja, die neue Polizeiinspektion befindet sich genau in dem Gebäude, in dem Adolf Hitler den ersten Teil seines Lebens verbrachte.
Laut 20minutos ersetzten Sanierungsteams die alte gelbe Fassade vollständig durch eine saubere weiße. Arbeiter transportierten sogar jedes Trümmerteil an einen geheimen Ort, um zu verhindern, dass Neonazis Relikte horten.
Bei der Zeremonie am Mittwoch würdigte der österreichische Innenminister Gerhard Karner diese Veränderung. „Die heutige Polizei ist das genaue Gegenteil der Symbolik, die mit diesem Ort verbunden ist. Sie steht für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Menschenwürde sowie deren bedingungslose Verteidigung gegen all jene, die sie bedrohen, gegen jede Form von Extremismus und Totalitarismus“, erklärte Karner laut Angaben der österreichischen Behörden.
Wallfahrten unterbinden
Jahrzehntelang zog die Adresse unerwünschte Extremisten an. Rechtsextreme Besucher machten häufig Fotos, legten Blumen ab oder schlugen Steinstücke ab.
Letztes Jahr wurden vier deutsche Touristen dabei ertappt, wie sie weiße Rosen in die Fenster legten, wobei eine Frau einen illegalen Hitlergruß zeigte. Die deutsche Zeitung Der Spiegel berichtete, dass Hacker kürzlich sogar Google Maps manipuliert hätten, indem sie die Adresse so änderten, dass sie eine bekannte Neonazi-Codenummer anzeigte.
Draußen erinnert ein 1989 errichteter Gedenkstein Passanten weiterhin an den Zweiten Weltkrieg. Seine Inschrift lautet: „Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen.“
Jahrzehntelange Debatte
Die Regierung mietete das Gebäude ab 1972. Sie wollte eine strenge Kontrolle darüber aufrechterhalten, wer Zugang zu den Räumlichkeiten hatte. Doch nachdem eine lokale Behindertenorganisation 2011 ausgezogen war, stand das Anwesen vollständig leer.
Staatliche Beamte enteigneten das Haus schließlich im Jahr 2016 nach einem langen Rechtsstreit mit dem Privateigentümer. Sollte es abgerissen oder in ein Museum umgewandelt werden? Expertengremien wogen diese umstrittenen Optionen sorgfältig ab.
Der Abriss des Bauwerks schien wie eine Flucht vor der Geschichte, doch ein Museum barg das Risiko, zu einer Touristenfalle für Radikale zu werden. Die administrative staatliche Nutzung setzte sich durch.