Startseite Geschichte Die politischen Beweggründe hinter dem Kauf Alaskas durch die USA

Die politischen Beweggründe hinter dem Kauf Alaskas durch die USA

Map of Alaska, Russian Territory, historic map of the west coast of North America, USA, Canada
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Nur wenige internationale Abkommen offenbaren ihre volle Bedeutung bereits im Moment ihrer Unterzeichnung. Ihre Folgen werden oft erst nach und nach sichtbar – durch wirtschaftliche Veränderungen, verschobene Grenzen und neue strategische Prioritäten.

Ein abgelegenes nördliches Territorium wurde zum Gegenstand eines der hartnäckigsten historischen Mythen der Vereinigten Staaten. Die politischen Überlegungen hinter seinem Verkauf waren weitaus kalkulierter und zugleich deutlich komplexer, als die bekannte Erzählung vermuten lässt.

Einige US-Zeitungen verspotteten den Kauf laut Latvijas Avīze, doch der Widerstand war keineswegs einhellig. Im Senat stieß der Vertrag auf wenig Gegenwehr und wurde am 9. April 1867 mit 37 zu zwei Stimmen angenommen.

Russlands Kalkül

US-Außenminister William H. Seward und der russische Diplomat Eduard de Stoeckl einigten sich am 30. März 1867 auf einen Kaufpreis von 7,2 Millionen US-Dollar. Das entsprach etwa zwei Cent pro Acre.

Nach Angaben des US Department of State Office of the Historian hatte Russland den Verkauf Alaskas bereits seit mehreren Jahren erwogen. Die Kolonie war weit entfernt, teuer zu verteidigen und wirtschaftlich von einem rückläufigen Pelzhandel abhängig.

Der Verkauf spiegelte zudem die umfassendere Rivalität mit Großbritannien wider. Russische Entscheidungsträger befürchteten, das Territorium in einem künftigen Konflikt zu verlieren, während ein stärkerer amerikanischer Einfluss in der Region die britische Macht begrenzen könnte.

Die Kontrolle ging am 18. Oktober 1867 in Sitka offiziell auf die Vereinigten Staaten über. Nach Angaben des National Park Service wurde während der Übergabezeremonie die russische Flagge eingeholt und die US-Flagge gehisst.

Ein menschlicher Preis

Mit dem Abkommen ging die Hoheitsgewalt von einer Regierung auf die andere über, ohne dass die indigenen Völker Alaskas konsultiert wurden, deren Gemeinschaften seit Jahrtausenden in der Region lebten.

Die amerikanische Herrschaft brachte neue Institutionen und wirtschaftliche Aktivitäten, aber auch Umbrüche, Diskriminierung und Druck auf die Kulturen der indigenen Bevölkerung mit sich. Diese Geschichte erschwert es, den Kauf als bloßen finanziellen Erfolg darzustellen.

Der Kongress bewilligte die für den Kauf erforderlichen Mittel erst im Juli 1868, mehr als ein Jahr nachdem der Senat den Vertrag ratifiziert hatte.

Wachsende Bedeutung

Alaskas Bedeutung nahm nach dem Goldfund in der kanadischen Klondike-Region im Jahr 1896 deutlich zu. Die Routen durch Alaska wurden zu wichtigen Zugangswegen für Goldsucher auf dem Weg zu den Goldfeldern.

Bergbau, Fischerei, Erdöl und Erdgas entwickelten sich später zu wichtigen Bestandteilen der Wirtschaft des Territoriums. Ihr Umfang ließ den ursprünglichen Kaufpreis gering erscheinen, auch wenn direkte Vergleiche zwischen unterschiedlichen Epochen zwangsläufig ungenau sind.

Auch militärisch gewann Alaska aufgrund seiner Lage zwischen Nordamerika und Asien an Bedeutung. Am 3. Januar 1959 wurde Alaska der 49. Bundesstaat der Vereinigten Staaten.

Quellen: US Department of State Office of the Historian; Library of Congress; National Park Service; Latvijas Avīze