Startseite Geschichte Importierte Waren zeigten Wohlstand und Mangel im sowjetischen Alltag

Importierte Waren zeigten Wohlstand und Mangel im sowjetischen Alltag

Soviet Union apartment interior
RenatasKripasphotography / Shutterstock.com

Der Alltag hing oft von Warteschlangen, Glück und persönlichen Kontakten ab. Ein einziges ausländisches Produkt konnte einen Haushalt als außergewöhnlich privilegiert erscheinen lassen.

Wohlstand wurde in der Sowjetzeit nicht immer an schönen Wohnungen oder Autos gemessen. In vielen Haushalten waren es seltene Konsumgüter, die die deutlichste Botschaft vermittelten.

Time berichtete 1989, dass Fleisch, Butter, Schuhe, Toilettenpapier, Waschmittel und Benzin knapp waren.

Dadurch wirkten importierte Gegenstände weniger wie Luxusgüter als vielmehr wie ein Beweis dafür, dass jemand einen Weg gefunden hatte, das System zu umgehen.

Das Magazin zitierte Michail Gorbatschow mit den Worten: „Die Perestroika hat große Erwartungen in der Gesellschaft geweckt“, und fügte hinzu: „Doch die Veränderungen kommen nicht so schnell, wie wir es uns alle wünschen würden.“

Geschäfte waren nicht für alle gleich

Rubel garantierten keine Auswahl. Time beschrieb Lebensmittelkarten, Versorgungskanäle über den Arbeitsplatz und privilegierte Geschäfte, die die Käufer je nach ihren Möglichkeiten voneinander trennten.

Latvijas Avīze schreibt, dass viele ausländische Waren durch Seeleute, Diplomaten, Sportler und andere Personen, die ins Ausland reisen durften, in sowjetische Haushalte gelangten.

Einige Produkte wurden zudem über informelle Märkte zu Preisen gehandelt, die weit über den offiziellen Ladenpreisen lagen.

Die Berjoska-Läden verkauften ausländische Waren gegen harte Währung oder spezielle Gutscheine, doch die meisten Bürger hatten keinen Zugang dazu.

Westliche Produkte standen für Reisen, Beziehungen und eine Welt außerhalb der sowjetischen Kontrolle.

Jeans wurden zu einem sichtbaren Statussymbol

Jeans von Levi’s und Wrangler wurden von jungen Menschen bewundert, während Montana-Jeans ebenfalls eine begehrte Marke auf dem sowjetischen Markt waren.

Laut der lettischen Zeitung konnte ein Paar auf dem Schwarzmarkt nahezu ein Monatsgehalt kosten.

Die Besitzer reparierten und pflegten sie sorgfältig, anstatt sie beiläufig im Alltag zu tragen.

Adidas-Schuhe gewannen nach den Olympischen Spielen 1980 in Moskau an Prestige. Sie waren auf Partys, bei Verabredungen und bei öffentlichen Anlässen deutlich häufiger zu sehen als bei sportlichen Aktivitäten.

Wohnzimmer zogen Nachbarn an

Parfüms wie Chanel No. 5 und Climat wurden für besondere Anlässe aufbewahrt. Auch Düfte aus der DDR waren beliebt und konnten schnell aus den Geschäften verschwinden.

Japanische Uhren von Seiko und Orient, Kassettenrekorder von Sharp und Sony sowie Videorekorder von Panasonic oder JVC galten als Zeichen außergewöhnlichen Glücks und Wohlstands. Ein Videorekorder konnte Nachbarn zu gemeinsamen Filmabenden zusammenbringen.

Wohnwände aus Jugoslawien oder Rumänien sowie böhmisches Kristallglas wurden sorgfältig präsentiert und oft nur an Feiertagen genutzt.

Heute wirken diese Gegenstände ganz gewöhnlich. In der sowjetischen Mangelwirtschaft zeigten sie, wer Geld, Glück, Beziehungen – oder alles zusammen – besaß.

Quellen: Latvijas Avīze, Time