Die Weltpolitik läuft weiterhin auf Hochtouren, doch ein Name ist auffallend selten zu hören.
Gerade lesen andere
Vladimir Putin meldet sich sonst gewöhnlich zu Wort, wenn enge Verbündete unter Druck geraten.
Dieses Mal herrscht Stille. Große Stille.
Nachdem die USA Venezuelas langjährigen Machthaber Nicolás Maduro festgenommen und abgesetzt haben, hat der Kreml ein ungewöhnlich niedriges Profil gewahrt.
Die Beziehungen zwischen Russland und Venezuela sind seit Jahren eng. Die Staatschefs traten Seite an Seite auf, schlossen Abkommen und bezeichneten sich gegenseitig als strategische Partner.
Gerade deshalb hat das Schweigen Beobachter und Experten aufhorchen lassen, die sich fragen, warum Putin seinen früheren Verbündeten nicht öffentlich verteidigt hat.
Lesen Sie auch
Eine bewusste und kühle Stille
Laut Flemming Splidsboel, Seniorforscher am Dänischen Institut für Internationale Studien, ist das Schweigen alles andere als zufällig.
Russland habe seine Worte sorgfältig abgewogen und sich in einer Situation zurückgehalten, in der viel auf dem Spiel stehe.
„Generell hat sich Russland zurückgehalten. Die Stellungnahmen kamen nicht so schnell wie erwartet“, sagte er laut B.T.
Während russische Kommentatoren und Meinungsmacher in den Medien aktiv waren, blieben offizielle Erklärungen selten und vorsichtig.
Die Erklärung dafür liege laut Splidsboel in Russlands aktuellen Prioritäten.
Lesen Sie auch
Der Krieg in der Ukraine dominiert weiterhin alles, und dabei spielt das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten eine entscheidende Rolle.
Putin hat sich früher damit profiliert, seine Verbündeten politisch und militärisch zu schützen, doch derzeit gibt es Grenzen dafür, wie stark Russland Washington herausfordern will.
Vor allem, weil die USA und Präsident Donald Trump eine zentrale Rolle in den laufenden und fragilen Verhandlungen über die Ukraine spielen.
Ukraine überschattet Venezuela
Nach Einschätzung von Splidsboel gibt es zudem einen grundsätzlicheren Grund für die russische Zurückhaltung.
Die Aktion gegen Maduro erinnert in vielerlei Hinsicht an das, was Russland selbst in der Ukraine umsetzen wollte.
Lesen Sie auch
„Im Grunde ist mit Maduro genau das passiert, was Russland mit Selenskyj vorhatte. Man wollte ihn nach Moskau bringen und sagen, er sei ein Nazi und müsse bestraft werden“, sagte Flemming Splidsboel.
Diese Parallele macht die Lage für den Kreml heikel. Russland kritisiert die USA dafür, genau das zu tun, was man selbst anstrebte, jedoch ohne die gleichen internationalen Machtmittel.
Deshalb entscheidet sich Putin für Schweigen statt Megafon-Diplomatie.
Hinter den Kulissen bleibt Russland kritisch gegenüber dem amerikanischen Eingreifen in Venezuela.
Die strategische Partnerschaft, die vor wenigen Monaten geschlossen wurde, ist nicht vergessen. Doch derzeit spricht das Schweigen eine klare Sprache. Die Ukraine wiegt schwerer als Venezuela.