Der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee hat öffentlich über einen dramatischen Konflikt in Kriegszeiten mit Präsident Wolodymyr Selenskyj gesprochen.
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Er schilderte eine Razzia im Jahr 2022 in seinem Hauptquartier als Einschüchterungsversuch.
Walerij Saluschnyj, inzwischen Botschafter der Ukraine im Vereinigten Königreich, äußerte sich in einem Interview mit The Associated Press zu dem Vorfall, während Spekulationen über seine politische Zukunft zunehmen.
Konfrontation im Büro
Laut AP sagte Saluschnyj, die Spannungen mit Selenskyj hätten sich Monate nach Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022 verschärft, vor allem wegen unterschiedlicher militärischer Strategien.
Er beschrieb, wie Dutzende Beamte des ukrainischen Sicherheitsdienstes SBU während einer erfolgreichen Gegenoffensive im Nordosten in seinem Büro in Kiew erschienen.
Mehr als ein Dutzend britische Offiziere seien zu diesem Zeitpunkt anwesend gewesen, sagte er.
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Saluschnyj erinnerte sich, er habe den Leiter des Präsidialamts, Andrij Jermak, gewarnt: „Ich sagte Jermak, dass ich diesen Angriff abwehren werde, denn ich weiß, wie man kämpft.“
Umstrittene Darstellung
Das Büro Selenskyjs und der SBU lehnten eine Stellungnahme gegenüber AP ab. Die Nachrichtenagentur erklärte, sie habe Saluschnyjs Darstellung der Ereignisse nicht unabhängig überprüfen können.
Gerichtsdokumente, auf die sich AP beruft, deuten darauf hin, dass die Durchsuchung im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen einen Stripclub stand, der angeblich von einer kriminellen Gruppe unter derselben Adresse betrieben wurde.
Saluschnyj wies diese Erklärung zurück und sagte, das Lokal sei bereits geschlossen gewesen und die Behörden hätten es nicht mit dem militärischen Kommandozentrum in Kriegszeiten verwechseln können.
Der Vorfall habe seiner Ansicht nach interne Spannungen zu einem Zeitpunkt offengelegt, als nationale Einheit entscheidend gewesen sei.
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Strategische Folgen
Das Verhältnis zwischen den beiden Männern blieb angespannt, insbesondere im Hinblick auf die Gegenoffensive 2023.
Saluschnyj sagte, der ursprüngliche, von der NATO unterstützte Plan habe vorgesehen, die Kräfte zu einer „einzigen Faust“ zu bündeln, um Russlands Landkorridor zur Krim zu durchtrennen.
Stattdessen seien die Truppen zu weit verteilt worden, was den Angriff geschwächt habe. Zwei westliche Verteidigungsbeamte bestätigten gegenüber AP unter der Bedingung der Anonymität, dass die Operation vom ursprünglichen Plan abgewichen sei.
Selenskyj entließ Saluschnyj im Februar 2024 als Oberbefehlshaber und ernannte ihn zum Botschafter in London, ein Schritt, der von politischen Beobachtern weithin als Versuch gewertet wurde, einen möglichen Rivalen ins Abseits zu stellen.
Politische Untertöne
Von AP zitierte Umfragen zeigen Saluschnyj in einer hypothetischen künftigen Wahl knapp vor Selenskyj, obwohl er betont, solange das Kriegsrecht gelte, habe er keine politischen Ambitionen.
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„Solange der Krieg nicht beendet ist oder das Kriegsrecht aufgehoben wird, diskutiere ich darüber nicht und habe auch nichts in diese Richtung unternommen“, sagte er.
Analysten zufolge könnten seine Äußerungen dennoch die öffentliche Meinung beeinflussen, während die Ukraine weiterhin mit russischen Vorstößen und wachsendem internationalem Druck zu Verhandlungen über ein Kriegsende konfrontiert ist.
Quellen: The Associated Press, Express.