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Trump und Iran erzielen Einigung: Der Krieg könnte vorbei sein, doch der schwierigste Kampf beginnt erst jetzt

Donald Trump Iran Strait of Hormuz
IMAGO / UPI Photo + Shutterstock

Das Abkommen hat nach Monaten der Gefahr ein enges Zeitfenster für Diplomatie eröffnet. Die eigentliche Bewährungsprobe kommt erst, wenn die Unterhändler die noch ungelösten Fragen angehen.

Die Vereinigten Staaten und der Iran haben ein vorläufiges Abkommen unterzeichnet, das den Konflikt beenden und 60-tägige Verhandlungen über eine endgültige Regelung einleiten soll, berichtet BBC.

CNN berichtete, dass Präsident Donald Trump das Dokument nach seinem G7-Besuch in Frankreich unterzeichnete, bevor es nach Teheran geschickt und dort von Irans Präsident Masoud Peseschkian unterzeichnet wurde. Die Unterzeichnung fand während Trumps Besuch bei Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf Schloss Versailles statt.

Das Memorandum enthält erste Maßnahmen zum Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus, zu iranischen Ölexporten, Sanktionserleichterungen, eingefrorenen Vermögenswerten sowie zu einem vorgeschlagenen Wiederaufbaufonds. Außerdem fordert es die Einstellung militärischer Operationen an allen Fronten, auch im Libanon.

Die erste Bewährungsprobe ist die Einhaltung des Abkommens

Vizepräsident JD Vance erklärte bei einer von CNN begleiteten Pressekonferenz im Weißen Haus, dass der Iran in der zweiten Nacht in Folge keine Schiffe in der Straße von Hormus beschossen habe.

„Auf militärischer Seite haben die Iraner nun die zweite Nacht in Folge nicht auf Schiffe in der Straße von Hormus geschossen. Bislang halten sie ihren Teil der Vereinbarung ein“, sagte Vance.

Er erklärte zudem, die USA hätten mehr Schiffen die Passage durch ihre Seeblockade ermöglicht.

„Was die Blockade betrifft, hat CENTCOM mehr als ein Dutzend Schiffe durch unsere Seeblockade passieren lassen, und damit erfüllen auch wir unseren Teil der ersten Phase des Abkommens“, sagte Vance.

Mit Blick auf die Zukunft zeigte sich Vance jedoch vorsichtig:

„Sie erkennen sicherlich an, dass die Vereinigten Staaten über erheblichen Einfluss verfügen. Wird das letztlich zu einem Verhaltenswandel führen? Das weiß ich nicht.“

Laut TV 2 stellte der Nahost-Korrespondent Benjamin Kürstein infrage, wie belastbar die Formulierungen zur Waffenruhe sein können, solange Trump weiterhin davor warnt, dass die USA ihre Bombardierungen wieder aufnehmen könnten.

Er verwies außerdem auf die ungelösten Fragen im Libanon, darunter das Schicksal israelischer Soldaten im Südlibanon und die Frage, wie Israel reagieren würde, falls die Hisbollah erneut über die Grenze feuern sollte.

Die Atomfrage wird aufgeschoben

Die Atomfrage bleibt der zentrale ungelöste Streitpunkt.

Nach Angaben von BBC ist das neue Memorandum nicht so detailliert wie das Atomabkommen Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA) von 2015. Dieses frühere Abkommen begrenzte Irans Uranvorrat auf 300 Kilogramm, beschränkte die Anreicherung auf 3,67 Prozent und erlaubte Inspektionen durch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA).

Das neue Dokument bekräftigt, dass der Iran keine Atomwaffen entwickeln werde, legt jedoch keine technischen Beschränkungen fest. Stattdessen heißt es, beide Seiten würden über die Urananreicherung und die Zukunft bereits angereicherten Materials verhandeln.

BBC berichtete zudem, dass US-Regierungsvertreter erklärt hätten, Irans Vorrat an angereichertem Uran könne zerstört werden. Das Memorandum selbst schreibt dies jedoch nicht ausdrücklich vor.

Damit bleiben für die nächste Verhandlungsphase wesentliche Fragen offen: Anreicherungsgrade, Inspektionen, der Umgang mit den Vorräten und die Durchsetzung des Abkommens.

In seiner Analyse für TV 2 bezeichnete Kürstein diesen Teil des Abkommens als Kernanliegen Washingtons, betonte jedoch, dass die Formulierungen so vage seien, dass kaum erkennbar sei, was tatsächlich vereinbart wurde.

Er merkte an, dass der Iran seit Langem betone, keine Atomwaffen anzustreben, zugleich aber Schwierigkeiten habe zu erklären, warum er Uran weit über den Bedarf eines zivilen Programms hinaus angereichert habe.

Nach seiner Einschätzung hat die US-Regierung in der Atomfrage offenbar nicht mehr erreicht als im Abkommen aus der Obama-Ära von 2015. Der Unterschied besteht darin, dass die schwierigsten Fragen in die nächste Verhandlungsrunde verschoben wurden.

Entlastungen beim Öl kommen schnell

Die wirtschaftlichen Bestimmungen schreiten schneller voran als die Regelungen zur Atomfrage.

Laut der Analyse von BBC erlaubt das Memorandum sofortige Ausnahmen für iranische Rohölexporte, Erdölprodukte, Bankgeschäfte, Versicherungen, Transportdienstleistungen und verwandte Bereiche.

Das Abkommen verweist außerdem auf die schrittweise Aufhebung von Sanktionen nach einem vereinbarten Zeitplan. Für Teheran könnte dies einen schnelleren Zugang zu Einnahmen nach Jahren wirtschaftlichen Drucks bedeuten.

Kürstein bezeichnet die Ausnahmegenehmigung für Ölexporte als einen konkreten Erfolg für den Iran. Seiner Einschätzung nach befindet sich Teheran nun in einer stärkeren Position als zu Beginn des Krieges, da die wichtigste Einnahmequelle des Landes wieder genutzt werden kann, bevor die schwierigsten politischen Zugeständnisse geklärt sind.

Das Memorandum enthält zudem einen vorgeschlagenen Wiederaufbau- und Entwicklungsplan im Umfang von mindestens 300 Milliarden US-Dollar. CNN berichtete, JD Vance habe den Fonds zuvor mit den Golfstaaten in Verbindung gebracht, doch bislang habe sich keine Regierung der Region öffentlich zur Finanzierung verpflichtet.

Der saudische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan erklärte laut CNN, er habe „keine Einzelheiten“ zu dem Fonds und verwies auf einen „erheblichen Vertrauensverlust“ infolge iranischer Angriffe auf Golfstaaten während des Krieges.

Kürstein beschreibt die Wiederaufbaugelder als ein Versprechen, dessen Umsetzung für den Iran weiterhin ungewiss sei, da die Mittel erst bei Erreichen eines endgültigen Abkommens fließen würden. Zudem habe Trump deutlich gemacht, dass das Geld nicht aus den Vereinigten Staaten kommen solle.

Eingefrorene Vermögenswerte erhöhen den Einsatz

Das Abkommen befasst sich auch mit iranischen Geldern, die im Ausland eingefroren oder blockiert wurden.

Nach Angaben von TV 2 sieht das Memorandum vor, dass die Vereinigten Staaten im Verlauf der Verhandlungen Schritte unternehmen werden, um eingefrorene oder beschränkte iranische Gelder und Vermögenswerte freizugeben und ihre Nutzung zu ermöglichen.

Kürstein bezeichnete diese Bestimmung als weiteren Erfolg für Teheran. In seiner Analyse heißt es, dass seit Jahren Milliarden iranischer Dollar auf Konten weltweit blockiert seien und der Iran nun Aussicht habe, wieder Zugriff darauf zu erhalten, während er sich zunächst hauptsächlich dazu verpflichte, die Straße von Hormus für 60 Tage offen und gebührenfrei zu halten.

Diese Reihenfolge ist politisch bedeutsam. Der Iran erhält frühzeitig wirtschaftliche Entlastung, während Washingtons wichtigste Sicherheitsziele von späteren Verhandlungen abhängen.

Das Abkommen sieht außerdem vor, dass beide Seiten den Status quo aufrechterhalten, bis eine endgültige Regelung erreicht wird. Der Iran wird seine Position in der Atomfrage nicht verändern, während die Vereinigten Staaten weder neue Sanktionen verhängen noch ihre Truppenpräsenz in der Region ausweiten werden.

Für Kürstein bedeutet dies, dass sich in den schwierigsten Streitfragen während der laufenden Verhandlungen nur wenig verändert.

Hormus bleibt ein Druckpunkt

Die Straße von Hormus ist aufgrund ihrer Bedeutung für die globalen Energieflüsse von zentraler Bedeutung.

Das Memorandum sieht vor, dass Washington seine Seeblockade gegen den Iran innerhalb von 30 Tagen vollständig beendet. Der Iran soll seinerseits nach besten Kräften für eine sichere kommerzielle Passage durch die Meerenge während eines Zeitraums von 60 Tagen sorgen.

CNN berichtete, dass bereits mehrere Schiffe die Passage genutzt hätten, nachdem das Abkommen in Kraft getreten war.

Die langfristige Kontrolle über die Wasserstraße bleibt jedoch ungeklärt. Laut BBC hat der Iran über die künftige Verwaltung der Schifffahrtsdienste in der Meerenge diskutiert, einschließlich möglicher Gebühren.

In seiner Analyse für TV 2 bezeichnete Kürstein dies als wahrscheinliche Quelle künftiger Konflikte. Der Iran habe signalisiert, später Gebühren für maritime Dienstleistungen erheben zu wollen, während die Vereinigten Staaten die Idee solcher Abgaben ablehnten. Vorerst könne die Schifffahrt wieder aufgenommen werden, doch die Frage, was nach Ablauf der 60 Tage geschehe, bleibe offen.

Regionale Politik könnte das Abkommen gefährden

Das Abkommen betrifft nicht nur die Vereinigten Staaten und den Iran.

Israel, die Golfstaaten und bewaffnete Gruppen in der Region könnten entscheidend dafür sein, ob das Memorandum Bestand hat. Die Bestimmungen zum Libanon stehen bereits unter Druck.

CNN schreibt, Israel habe seine Angriffe auf Hisbollah-Ziele fortgesetzt und erklärt, sich nicht aus dem Libanon zurückziehen zu wollen.

Trump kritisierte Israels Vorgehen gegen die Hisbollah mit den Worten:

„Sie könnten es besser machen.“

Die politischen Risiken sind für alle Beteiligten hoch. Trump muss zeigen, dass das Abkommen Sicherheitsgewinne bringt und nicht nur eine vorübergehende Deeskalation. Der Iran muss wirtschaftliche Entlastung mit innenpolitischen Ansprüchen auf Stärke in Einklang bringen. Die Golfstaaten könnten sich ohne stärkere Garantien mit der Finanzierung des Wiederaufbaus zurückhalten. Israel dürfte sich jedem endgültigen Abkommen widersetzen, das aus seiner Sicht zu günstig für Teheran ausfällt.

Kürstein weist darauf hin, dass das Dokument offenbar nicht das absichert, was Washington ursprünglich als Kriegsziel formuliert hatte. Zu den ungelösten Themen gehören Irans Atomprogramm, seine Raketenfähigkeiten und seine Unterstützung verbündeter Gruppen wie der Hisbollah im Libanon und der Huthi-Bewegung im Jemen.

Das endgültige Abkommen soll, sofern es zustande kommt, durch eine bindende Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen bestätigt werden. Kürstein erklärte, ein solches Ergebnis wäre für den Nahen Osten und die Welt insgesamt von grundlegender Bedeutung. Zugleich betonte er, dass der Weg dorthin noch lang sei und dass es derzeit leichter sei zu erkennen, warum der Prozess scheitern könnte, als warum er erfolgreich sein sollte.

Die nächsten 60 Tage werden entscheiden, ob das Memorandum zu einer echten Einigung wird oder lediglich eine kurze Pause darstellt. Die offenen Fragen sind konkret und schwierig:

Was geschieht mit Irans angereichertem Uran?

Wie sollen die Sanktionserleichterungen durchgesetzt werden?

Wer wird den Wiederaufbau finanzieren?

Welche Regeln sollen künftig für die Straße von Hormus gelten?

Wird der Iran wieder Zugriff auf seine eingefrorenen Vermögenswerte erhalten?

Können die Kämpfe im Libanon tatsächlich beendet werden?

Quellen: CNN, BBC Verify, TV 2