Über Jahrzehnte hinweg war Vietnam einer der zuverlässigsten Abnehmer russischer Waffen in Asien.
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Diese Beziehung gerät nun unter Druck, da Hanoi sich nach Westen orientiert, Gespräche mit europäischen Partnern beschleunigt und seine Militärstrategie stillschweigend neu ausrichtet.
Analysten zufolge markiert dieser Schritt einen symbolischen wie auch praktischen Rückschlag für die globalen Rüstungsexporte des Kremls.
Frühere Abhängigkeit
Die vietnamesische Luftwaffe ist seit Langem auf sowjetische und russische Ausrüstung angewiesen.
Zu ihrer Flotte gehören weiterhin Su-22-Kampfflugzeuge, Su-27- und Su-30MK2-Jagdflugzeuge sowie Yak-130-Trainingsjets.
Diese Abhängigkeit machte Vietnam zu einem Eckpfeiler der russischen Waffenexporte in Südostasien. Moskau profitierte davon nicht nur finanziell, sondern auch politisch, indem es durch langfristige Wartungs- und Ausbildungsprogramme Einfluss wahrte.
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Drang zur Diversifizierung
Dieses Gleichgewicht begann sich 2022 zu verändern, als vietnamesische Behörden öffentlich erklärten, künftige Waffenkäufe diversifizieren zu wollen.
Laut Analysten von Defense Express ist das Ziel Hanois, die Abhängigkeit von Russland zu verringern.
Gespräche mit Frankreich über eine mögliche Beschaffung von Rafale-Kampfjets haben seitdem an Fahrt aufgenommen.
Defense Express zufolge sind die Verhandlungen deutlich vorangeschritten, was auf einen ernsthaften Kurswechsel und nicht nur auf ein symbolisches Signal hindeutet.
Westliche Alternativen
Das Interesse an der Rafale tauchte erstmals 2024 auf. Frankreich und Vietnam verfügen bereits seit 2013 über ein Verteidigungskooperationsabkommen, das die Gespräche erleichtert hat.
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Vietnam hat zudem frühere Pläne zum Kauf russischer T-90C-Panzer aufgegeben.
Stattdessen entschied sich das Land dafür, seine alternden T-54- und T-55-Panzer in Zusammenarbeit mit Israel zu modernisieren, wodurch die Abhängigkeit von russischen Lieferanten weiter reduziert wird.
Rückkehr der USA
Seit die Vereinigten Staaten 2016 ihr Waffenembargo gegen Vietnam aufgehoben haben, ist Washington schrittweise auf den vietnamesischen Verteidigungsmarkt zurückgekehrt.
Hanoi hat US-Ausrüstung im Wert von rund 370 Millionen Euro erworben, darunter Schiffe für die Küstenwache und Schulungsflugzeuge.
Zudem laufen Vorbereitungen für eine mögliche Beschaffung von C-130J-Transportflugzeugen. Vietnam hatte zuvor auch den Kauf von F-16-Kampfjets geprüft, doch kam bislang kein Vertrag zustande.
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Begrenztes Budget
Analysten weisen darauf hin, dass Vietnams Verteidigungshaushalt, der auf rund 9,2 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt wird, das Tempo der Modernisierung begrenzt.
Der gleichzeitige Kauf mehrerer Kampfflugzeugtypen gilt als unrealistisch.
Der Wechsel von russischen zu westlichen Flugzeugen erfordert zudem erhebliche Investitionen.
Luftwaffenstützpunkte müssen angepasst, neue Munitionslager aufgebaut und Logistiksysteme neu konzipiert werden, da russische Munition mit Flugzeugen wie der Rafale nicht kompatibel ist.
Langsame NATO-Ausrichtung
Defense Express verweist außerdem auf Vietnams gemeldete Bestellung südkoreanischer K9-155-mm-Panzerhaubitzen als weiteres Indiz für eine schrittweise Hinwendung zu NATO-Standards.
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Ukrainische Medien berichten, dies spiegele einen langfristigen Plan wider, Teile der vietnamesischen Streitkräfte an westliche Standards anzupassen.
Da viele ältere Systeme weiterhin im Einsatz sind, dürfte der Übergang langsam und komplex verlaufen.
Experten argumentieren, dass Russland nicht nur einen wichtigen Kunden, sondern auch einen bedeutenden strategischen Partner in Asien verliert.
Defense Express bezeichnet diesen Kurswechsel als „einen schweren Schlag“ für Wladimir Putins Ambitionen auf dem globalen Waffenmarkt.
Quellen: Defense Express, Wirtualna Polska.