Startseite Nachrichten Arktisches Meereis erleidet größten Winterrückgang, der je verzeichnet wurde

Arktisches Meereis erleidet größten Winterrückgang, der je verzeichnet wurde

Antarctica
Shutterstock.com

Die Natur kann trügerisch sein. Fast zwei Jahrzehnte lang beobachteten Wissenschaftler, wie gefrorene Landschaften im hohen Norden überraschend stabil blieben, selbst als die globalen Temperaturen Jahr für Jahr anstiegen.

The Guardian berichtet, dass die kurze Entspannung nun vorbei ist.

Ein falsches Gefühl der Hoffnung

Fast zwanzig Jahre lang schien das Eis seinen Bestand zu halten. Satellitenmessungen zwischen 2005 und 2024 deuteten darauf hin, dass die rasche Schmelze des nördlichen Meereises eine unerwartete Pause eingelegt hatte.

Wissenschaftler glaubten, dass sich verlagernde Meeresströmungen Wärme aufnahmen und so einen temporären Schutzschild gegen die Klimaerwärmung bildeten. Viele hofften, diese Pause würde ein weiteres Jahrzehnt anhalten.

Dem war nicht so. Laut The Guardian bestätigen neue Satellitenbeobachtungen, dass die Pause offiziell beendet ist.

Der Gesamttrend ist düster. Seit Beginn der Satellitenverfolgung im Jahr 1979 ist die Gesamtfläche des arktischen Spätsommereises um die Hälfte zurückgegangen.

Rekordrückgang im Winter

Jüngste Satellitendaten zeigen eine plötzliche und dramatische Veränderung. Zwischen 2024 und 2025 sank die arktische Eisbedeckung um 5,8 Prozent, was den größten jemals verzeichneten einjährigen Winterrückgang darstellt.

Dr. Alessandro Silvano, Koautor von der University of Southampton, erklärte, dass dieser starke Rückgang im Jahr 2025 zwar ungewöhnlich gewesen sei, er aber unter der aktuellen arktischen Erwärmung physikalisch plausibel bleibe.

Die Illusion ist vollständig verschwunden. Leitautor Dr. Duo Chan bemerkte, dass, was „in den frühen 2020er-Jahren wie eine Pause aussah, sich nun lediglich als eine vorübergehende Verlangsamung innerhalb eines längerfristigen Rückgangs erweise.“

Die Erwärmung über die Arktis hinaus

Der Verlust von winterlichem Meereis wirkt sich auf weit mehr als nur polare Landschaften aus. Dickes Eis wirkt wie eine riesige Decke.

Es schließt die Wärme des Ozeans tief darunter ein. Ohne diesen Schutzschild entweichen riesige Mengen an Wärme und Feuchtigkeit direkt in die darüberliegende eiskalte Luft, was den globalen Luftdruck stört und Sturmbahnen Tausende von Kilometern nach Süden verlagert.

Klimaexperten mahnen, sich nicht von vorübergehenden Stillständen täuschen zu lassen. Wie Dr. Duo Chan betonte: „Kurzfristige Erholungen können die längerfristige Richtung der arktischen Meereisveränderung vorübergehend verschleiern. Die geringen winterlichen Meereisausdehnungen in den Jahren 2025 und 2026 zeigen deutlich, dass der Verlust des arktischen Meereises nicht aufgehört hat, sondern in einem sich erwärmenden Klima weitergeht.“

Quellen: The Guardian