Ein prominenter russischer politischer Aktivist ist nach einem nicht öffentlichen Gerichtsverfahren in Moskau zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Der Fall hat Aufmerksamkeit erregt, da er auf eine lange und komplexe Geschichte des Betroffenen mit dem Kreml und den Oppositionsbewegungen in Russland verweist.
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Das Urteil ergeht vor dem Hintergrund anhaltenden Drucks auf politischen Dissens in Russland.
Gerichtsentscheidung verkündet
Der russische linke Aktivist Sergej Udalzow ist nach Angaben von Interfax, zitiert von AFP, zu sechs Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt worden. Ein Militärgericht in Moskau befand den 48-Jährigen der „Rechtfertigung von Terrorismus“ für schuldig.
„Udalzow ist zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden“, sagte der Richter am Donnerstag, wie Interfax berichtete.
Die Staatsanwaltschaft hatte eine siebenjährige Haftstrafe gefordert, während Udalzows Anwälte auf Freispruch plädierten.
Details unter Verschluss
Die genaue Art der Vorwürfe wurde nicht öffentlich gemacht. Bei einer früheren Anhörung erklärte Udalzow, das Verfahren gegen ihn gehe auf Online-Äußerungen zurück, in denen er angeblich seine Unterstützung für marxistische Aktivisten zum Ausdruck gebracht habe.
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Diese Aktivisten waren kürzlich wegen der Organisation dessen, was die Behörden als terroristische Gruppe in der Stadt Ufa in Zentralrussland bezeichneten, verurteilt worden. Nach Angaben von Mediazona, zitiert von The Guardian, erhielten sie Anfang dieses Monats Haftstrafen zwischen 16 und 22 Jahren.
Udalzow befindet sich seit Januar 2024 in Haft.
Reaktion und Stellungnahme
Udalzow wies das Urteil zurück und bezeichnete die Vorwürfe als konstruiert sowie die Strafe als beschämend.
Er erklärte, er werde gegen die Entscheidung Berufung einlegen, und warnte, er plane einen Hungerstreik.
Die Gerichtsentscheidung reiht sich in eine lange Liste von Verfahren gegen den Aktivisten ein, der wiederholt mit den russischen Behörden aneinandergeraten ist.
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Politischer Hintergrund
Udalzow war eine führende Oppositionsfigur während der Proteste nach der Wiederwahl Wladimir Putins zum Präsidenten im Jahr 2012. Zwei Jahre später wurde er wegen der Organisation von Massenunruhen verurteilt und zu drei Jahren Haft verurteilt.
Trotz seiner oppositionellen Vergangenheit hat Udalzow zeitweise Unterstützung für den Kreml geäußert, darunter auch Rückhalt für Russlands Krieg in der Ukraine.
Er ist zudem dafür bekannt, den früheren sowjetischen Staatschef Josef Stalin zu loben, und hat sich öffentlich für die Wiederherstellung der Sowjetunion ausgesprochen, die 1991 zerfiel.
Quellen: Interfax, AFP, Mediazona, The Guardian