Donald Trump hat nach einer umstrittenen Energievereinbarung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die ukrainische Führung infrage gestellt.
Die Äußerungen des US-Präsidenten erfolgten vor dem Hintergrund erneuter russischer Angriffe, bei denen in der Ukraine Zivilisten getötet wurden. Die Angriffe lösten Kritik aus Kiew und von europäischen Regierungen aus, berichtet The Guardian.
Trump kritisiert Selenskyj
Laut The Guardian deutete Trump an, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Gelegenheiten ungenutzt gelassen habe, den russischen Angriffskrieg zu beenden.
„Ich schlage vor, dass sie sich einen neuen Anführer suchen, der eine Einigung erzielen kann. Denn er hätte viele Vereinbarungen treffen können, aber aus irgendeinem Grund tut er das nie“, sagte Trump.
Seine Äußerungen folgten auf eine am Freitag mit Putin getroffene Vereinbarung über den Kauf erheblicher Mengen russischen Dieselkraftstoffs. Trump stellte diesen Schritt als notwendig dar, um die Kraftstoffpreise in den USA vor den Zwischenwahlen im November zu senken.
Selenskyj verurteilte die Vereinbarung als „Geschenk“ an Putin und warnte, dass die zusätzlichen Einnahmen aus Energieexporten weitere russische Militäroperationen finanzieren könnten.
Tödliche Angriffe folgen
Nach Angaben ukrainischer Behörden kamen bei russischen Angriffen auf die südostukrainische Stadt Saporischschja am frühen Samstagmorgen 20 Menschen ums Leben, darunter drei Kinder.
Selenskyj stellte einen Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Angriffe und der Entscheidung Washingtons her, die Beschränkungen für russische Kraftstoffexporte zu lockern.
„Die vergangene Nacht hat erneut bestätigt, dass man in Russland jede Lockerung des Drucks als Zeichen dafür versteht, weiterkämpfen und weiterhin Bomben auf Städte abwerfen zu können. Es braucht andere Signale“, sagte er.
The Guardian berichtete außerdem über großflächige Stromausfälle in Kiew infolge von Angriffen auf die ukrainische Energieinfrastruktur.
Europa lehnt Lockerung der Sanktionen ab
Europäische Staats- und Regierungschefs warnten davor, dass eine Lockerung der wirtschaftlichen Beschränkungen Moskaus Möglichkeiten zur Finanzierung des Krieges stärken könnte.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte Pläne an, die Sanktionen gegen rund 1.600 Personen und Organisationen auszuweiten, die mit Russlands Militäreinsatz in Verbindung stehen.
Der britische Premierminister Andy Burnham bekräftigte in einem Telefongespräch mit Selenskyj die Unterstützung für die Ukraine. Auch Deutschland und Schweden sprachen sich gegen eine Lockerung des Drucks auf Moskau aus.
Unterdessen berichtete die Financial Times, dass US-Unterhändler die Möglichkeit angesprochen hätten, die nachrichtendienstliche Unterstützung einzuschränken, falls die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien nicht einstelle.
Kiew hält daran fest, dass eine Verringerung der Angriffe entsprechende Maßnahmen Moskaus voraussetzen würde. Eine Vereinbarung über gegenseitige Beschränkungen wurde bislang nicht bekannt gegeben.
Quellen: The Guardian, Financial Times, Büro des britischen Premierministers, The Washington Post.