Ein wachsender politischer Streit über die Regulierung von Satelliten stellt die Beziehungen zwischen Washington und Brüssel auf die Probe.
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Europas Bestreben, seinen heimischen Technologiesektor zu stärken, kollidiert zunehmend mit Sorgen in den Vereinigten Staaten, wo Beamte befürchten, dass neue Regeln amerikanische Unternehmen benachteiligen könnten, die auf dem europäischen Markt tätig sind, berichtet Digi24.
Die Kontrolle über Satelliteninfrastruktur entwickelt sich rasch zu einer strategischen Frage im globalen Technologiewettbewerb.
Europas technologische Ambitionen
Europäische Vertreter betonen zunehmend das, was sie „technologische Souveränität“ nennen – ein politischer Ansatz, der darauf abzielt, die Fähigkeiten des Kontinents in Schlüsselindustrien zu stärken.
Brüssel bereitet eine umfassendere Strategie vor, die Sektoren wie künstliche Intelligenz, Cloud-Dienste, Halbleiterproduktion und Satellitentechnologie umfasst. Die Europäische Kommission wird voraussichtlich am 15. April einen Teil der Initiative vorstellen.
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Berichten des Guardian zufolge erarbeitet die Kommission zudem ein Gesetz mit dem Namen Industrial Accelerator Act, das bei bestimmten öffentlichen Beschaffungsprojekten eine „Made in the EU“-Präferenz einführen könnte.
Dokumente legen jedoch nahe, dass besonders strategische Sektoren, darunter künstliche Intelligenz, Mikrochips und Raumfahrttechnologie, letztlich von diesen Beschaffungspräferenzen ausgenommen werden könnten.
Europäische Entscheidungsträger sagen, der Kurswechsel spiegele die Sorge wider, dass der Kontinent in mehreren fortschrittlichen Technologiesektoren hinter globale Wettbewerber zurückgefallen sei.
Satellitennetzwerke werden zunehmend zu kritischer Infrastruktur.
Sie unterstützen Kommunikationssysteme, Navigationsdienste und militärische Operationen auf der ganzen Welt.
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Washington äußert Bedenken
Die europäische Strategie hat bei einigen Beamten in Washington Besorgnis ausgelöst. Sie argumentieren, dass neue politische Maßnahmen zu protektionistischen Barrieren werden könnten.
Brendan Carr, Vorsitzender der US-Bundeskommunikationskommission (Federal Communications Commission) und enger Verbündeter von Donald Trump, warnte, dass Washington reagieren könnte, falls europäische Regeln amerikanische Satellitenbetreiber faktisch ausschließen.
Carr äußerte sich dazu in einem Interview mit POLITICO am Rande einer Telekommunikationskonferenz in Barcelona.
„Wir wollen lediglich sicherstellen, dass jeder Satellitenbetreiber in Europa gleiche Wettbewerbsbedingungen hat“, sagte Carr.
„Wenn Europa einen anderen Weg einschlagen will, gibt es europäische Satellitenbetreiber, die in Amerika Geschäfte machen, und wir werden den regulatorischen Ansatz widerspiegeln, den Europa verfolgen möchte.“
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Carr betonte zudem, dass die Zusammenarbeit zwischen Europa und US-Unternehmen weiterhin wichtig sei.
„Europa braucht Wirtschaftswachstum, Europa braucht Sicherheit. Um diese Ziele zu erreichen, ist es wichtig, ein guter Partner für Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten zu sein“, sagte er.
POLITICO berichtete zuvor, dass auch andere amerikanische Beamte, darunter die US-Botschafter bei der Europäischen Union und bei der NATO, in den vergangenen Wochen ähnliche Bedenken geäußert haben.
Neue Regeln im Orbit
Die unmittelbare Ursache der Spannungen ist das vorgeschlagene Space Act der Europäischen Union – ein Gesetzespaket, das Satellitenbetreiber strenger regulieren soll.
Die Gesetzgebung würde strengere Betriebsregeln einführen, darunter verschärfte Sicherheits- und Cybersicherheitsanforderungen sowie Maßnahmen zur Begrenzung von Weltraumschrott und von Umweltrisiken im Zusammenhang mit Satellitenstarts.
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Die rasche Ausweitung privater Satellitenkonstellationen hat die Regulierung des Orbits für Regierungen zu einer immer dringlicheren Frage gemacht.
Berichten von POLITICO zufolge würden die Regeln für Unternehmen gelten, die in Europa tätig sind, darunter SpaceX, Amazons Project Kuiper und der europäische Satellitenbetreiber Eutelsat. Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU müssten zudem einen rechtlichen Vertreter innerhalb der EU benennen.
US-Beamte hatten den Vorschlag bereits zuvor kritisiert und gewarnt, er könne „inakzeptable regulatorische Belastungen“ für amerikanische Unternehmen schaffen.
Die Federal Communications Commission hat in dieser Woche eine Konsultation mit Branchenvertretern eröffnet, um Rückmeldungen dazu einzuholen, wie sich die EU-Initiative auf US-Betreiber auswirken könnte.
Europäische Führungskräfte weisen den Vorwurf zurück, dass sich die Gesetzgebung gegen amerikanische Unternehmen richte.
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Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für Technologie und Sicherheit, erklärte, das Ziel sei es, Europas Fähigkeiten zu stärken und zugleich fairen Wettbewerb zu gewährleisten.
„Wir haben gesehen, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten im Raumfahrtbereich an Wettbewerbsfähigkeit verloren haben, und nun stärken wir unsere eigenen Fähigkeiten“, sagte Virkkunen.
Sie fügte hinzu, dass „wir gleiche Wettbewerbsbedingungen sicherstellen wollen“.
Der Streit zeigt, wie der Wettbewerb um Satelliteninfrastruktur zunehmend mit breiteren Debatten über technologische Führungsrolle, Sicherheit und Industriepolitik auf beiden Seiten des Atlantiks verknüpft ist.
Quellen: Digi24, POLITICO, The Guardian