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Vorwürfe des touristischen „Jagens“ werfen neuen Schatten auf die Belagerung von Sarajevo

Bosnian War
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Italienische Staatsanwälte untersuchen erschütternde Behauptungen, wonach wohlhabende ausländische Besucher während der Belagerung von Sarajevo – einer Stadt, die bereits durch jahrelangen Scharfschützenbeschuss und Artilleriefeuer gezeichnet war – dafür bezahlt haben sollen, an sogenannten „Human Safaris“ teilzunehmen. Die Anschuldigungen, die erstmals in aktuellen Ermittlungen und in einer Dokumentation aus dem Jahr 2022 hervorgehoben wurden, haben schmerzhafte Erinnerungen neu entfacht und die Forderungen nach Verantwortung für eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Kriegszeit verstärkt.

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Neue und äußerst verstörende Vorwürfe italienischer Staatsanwälte haben die weltweite Aufmerksamkeit erneut auf die Brutalität des Bosnienkriegs gelenkt.

Wie La Repubblica und The Express berichten, prüfen Staatsanwälte in Italien, ob bis zu 100 Personen – viele von ihnen als rechtsextreme Sympathisanten aus Europa, den USA und Russland beschrieben – während der Belagerung in den 1990er-Jahren für den Zugang zu Scharfschützenpositionen bezahlt haben.

Die Vorwürfe deuten darauf hin, dass Kinder zu den am stärksten ins Visier genommenen Opfern gehörten und ihre Tötung angeblich mit einem „Premium“-Wert versehen wurde.

Sarajevo, das fast vier Jahre lang unablässigem Beschuss und Scharfschützenangriffen ausgesetzt war, verlor zwischen 1992 und 1996 mehr als 10.000 Zivilisten.

Straßen wie das berüchtigte „Sniper Alley“ wurden zu tödlichen Korridoren, in denen Bewohner bereits ihr Leben riskierten, wenn sie nur vor die Tür traten.

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Eine von Traumata geprägte Stadt

Von The Express zitierte Experten betonten, dass Sarajevos Lage, umgeben von Bergen, ideale Aussichtspunkte für Scharfschützen bot und angeblich den Zugang für diejenigen erleichterte, die für illegale Tötungen zahlten.

Sie wiesen darauf hin, dass ein derartiges Vorgehen vermutlich erhebliche Koordination, Transport, Waffenbeschaffung und die Zusammenarbeit mit lokalen Kämpfern erfordert hätte.

Die Belagerung hinterließ auch tiefe psychologische Wunden, und viele Einwohner trauern über den Verrat durch Menschen, die einst Nachbarn oder Freunde gewesen waren.

Professor Kenneth Morrison sagte gegenüber The Express, dieses Gefühl des gebrochenen Vertrauens präge den Alltag bis heute: „Man kann eigentlich nie wieder vollständig vertrauen.“

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Suche nach Gerechtigkeit

Während die italienischen Behörden prüfen, ob die angeblichen „Human Safaris“ tatsächlich stattgefunden haben, sehen viele in Sarajevo die Ermittlungen als längst überfälligen Schritt.

Überlebende sind weiterhin mit der Überzeugung konfrontiert, dass viele Kriegsverbrechen nie vollständig verfolgt wurden.

Für diejenigen, die beschuldigt werden, das Leid einer belagerten Stadt wie eine groteske Urlaubsexkursion behandelt zu haben, könnte – sofern sich die Vorwürfe bestätigen – rechtliche Verantwortung nun endlich näher rücken.

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