Groß angelegte Tourismuspläne haben entlang der albanischen Südküste Proteste ausgelöst. Der Streit verbindet inzwischen Umweltschutz, ausländische Investitionen und den EU-Kurs des Landes.
Ein Luxus-Tourismusprojekt mit Verbindungen zu Ivanka Trump und Jared Kushner, der Tochter beziehungsweise dem Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump, hat in Albanien massive Proteste ausgelöst. Die Empörung richtet sich vor allem gegen die Insel Sazan sowie das nahe gelegene Küstengebiet Zvërnec und Pishë Poro-Narta, berichtet The Guardian.
Die Pläne betreffen Albaniens einzige Insel sowie Flächen in der Nähe von Lagunen, Dünen und Lebensräumen, die von Flamingos, Mönchsrobben, Meeresschildkröten und Zugvögeln genutzt werden.
Die albanischen Behörden haben das Projekt als bedeutende ausländische Investition beworben, die den Tourismus an der Südküste grundlegend verändern könnte.
Die Empörung reicht über den Naturschutz hinaus
Für viele Demonstranten geht es nicht nur um Naturschutz. Sie sehen die Entwicklung als Teil eines größeren Musters mangelnder öffentlicher Kontrolle, umstrittener Grundstücksentscheidungen und politischer Nähe zu wohlhabenden Investoren.
Ina Shkurti, Kartografin aus der Küstenstadt Vlora, sagte der britischen Zeitung, dass Sazan sowohl eine persönliche als auch eine nationale Bedeutung habe.
Die Insel liegt direkt gegenüber ihrer Heimatstadt auf der anderen Seite der Bucht und ist seit Langem ein vertrauter Orientierungspunkt für Einheimische und Besucher gleichermaßen.
Sie sagte, die Aussicht, dass wohlhabende Investoren die Kontrolle über die Insel übernehmen und den öffentlichen Zugang einschränken könnten, sei zutiefst inakzeptabel.
Aus ihrer Sicht wäre es „ein Verbrechen“, einen derart symbolträchtigen Ort in ein exklusives Resort zu verwandeln.
The Guardian berichtete, dass die Spannungen während eines Protests in Zvërnec am 30. Mai 2026 eskalierten, nachdem privates Sicherheitspersonal den Zugang in der Nähe des Entwicklungsgebiets blockiert hatte und ein lokaler Grundstückseigentümer gefilmt wurde, wie er von Wachleuten weggezerrt wurde, während die Polizei nicht eingriff.
EU-Prüfung erhöht den Druck
Ministerpräsident Edi Rama hat das Projekt als Möglichkeit verteidigt, Arbeitsplätze zu schaffen und Albaniens Position im Mittelmeertourismus zu stärken.
Seine Regierung erklärt, dass die Pläne nach europäischen Umweltstandards geprüft werden sollen.
Die Europäische Kommission hat laut European Western Balkans erklärt, dass Albanien während der EU-Beitrittsverhandlungen die Umweltauflagen einhalten müsse, einschließlich der Vorschriften des Kapitels 27 zu Umwelt und Klimawandel.
Dieses Kapitel umfasst Bereiche wie Naturschutz, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Klimapolitik.
Auch das Europäische Parlament hat Bedenken hinsichtlich der Entwicklung innerhalb des Schutzgebiets Vjosa-Narta geäußert sowie hinsichtlich der Frage, ob Albaniens Regelungen für Schutzgebiete den EU-Standards entsprechen.
Für die Kritiker zeigt diese Aufmerksamkeit, dass der Konflikt inzwischen direkt mit Albaniens Glaubwürdigkeit als künftiges EU-Mitglied verknüpft ist.
Das Entwicklungsvorhaben spaltet die Küste
Befürworter argumentieren, dass hochwertiger Tourismus Investitionen, Infrastruktur und Arbeitsplätze in ein Land bringen könne, das weiterhin versucht, junge Menschen von der Auswanderung abzuhalten.
Sie sagen, Albanien könne sich nicht allein auf preisgünstigen Tourismus verlassen, wenn es ein stärkeres langfristiges Wachstum erreichen wolle.
Gegner entgegnen, dass die Küste bereits durch rasche Bautätigkeit, schwache Planung und saisonale Überlastung unter Druck stehe.
Sie argumentieren, dass seltene Lebensräume nicht für Resorts geopfert werden sollten, die sich hauptsächlich an wohlhabende ausländische Besucher richten.
Die Ornithologin Ledi Selgjekaj sagte gegenüber The Guardian, dass Bauprojekte in der weiteren Umgebung bereits die Bewegungsmuster der Tierwelt beeinflusst hätten, insbesondere rund um die Feuchtgebiete und Lagunenlebensräume, die von Vögeln genutzt werden.
Frühere Bauarbeiten hätten ökologische Korridore unterbrochen und verändert, wie sich Raubtiere durch die Landschaft bewegen, wodurch brütende Vögel einem größeren Risiko ausgesetzt seien.
Für Selgjekaj würden die Resortpläne eine weitere Belastung für eine ohnehin fragile Umwelt darstellen. Sie warnte, dass weitere Resortbauten „der Todesstoß“ wären.
Der Ausgang des Konflikts wird mehr als nur einen Küstenabschnitt prägen. Er könnte auch zeigen, wie Albanien Investitionen, öffentlichen Zugang und Umweltversprechen in Einklang bringt, während das Land der EU näherkommt.
Quellen: The Guardian, European Western Balkans.