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Analyse warnt: Russland ohne Putin könnte noch gefährlicher sein

Vladimir Putin, Joseph Stalin
Franklin D. Roosevelt Library Public Domain Photographs, Public domain, via Wikimedia Commons, Gevorg Ghazaryan / Shutterstock.com

Selbst der russische Staatschef kann den Kampf gegen die Zeit nicht gewinnen – was wird geschehen, wenn er nicht mehr da ist?

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Wladimir Putins letztlicher Abgang aus dem Kreml — ob plötzlich oder sorgfältig gesteuert — könnte sich als einer der destabilisierendsten Momente im Europa der Zeit nach dem Kalten Krieg erweisen.

Dies ist die zentrale Warnung eines Kommentars vom Oktober 2025 von Forschern bei RAND Europe. Sie argumentieren, dass westliche Regierungen die Risiken eines Führungswechsels in Moskau möglicherweise unterschätzen.

Weit davon entfernt, ein gemäßigteres Russland zu garantieren, könnte das Ende von Putins Amtszeit eine volatile Phase eröffnen, die von Elitenrivalität, strategischer Unsicherheit und erhöhten Sicherheitsrisiken geprägt ist.

Zweitlängste Amtszeit nach Stalin

Der Kommentar, verfasst vom Forschungsleiter der RAND Corporation John Kennedy, der Forschungsleiterin von RAND Europe Natalia Zwarts und dem Junior-Analysten bei RAND Europe Ondrej Palicka, stellt fest, dass Putin, inzwischen 73 Jahre alt, seit Josef Stalin der am längsten amtierende Staatschef Russlands ist und diese Zeit damit verbracht hat, ein politisches System aufzubauen, das eng auf seine Autorität zugeschnitten ist.

Der RAND-Analyse zufolge verläuft Einfluss innerhalb dieses Systems nicht in erster Linie über transparente Institutionen, sondern über Netzwerke persönlicher Loyalität, die hochrangige Beamte, Sicherheitschefs und staatsnahe Wirtschaftsführer direkt mit dem Präsidenten verbinden.

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Diese Struktur erschwert die Nachfolgeplanung. Die öffentliche Benennung eines klaren Nachfolgers könnte das interne Machtgefüge verschieben und konkurrierende Fraktionen verunsichern. Infolgedessen ist bislang kein offensichtlicher Nachfolger hervorgetreten.

Wer kommt als Nächster?

Spekulationen konzentrieren sich häufig auf prominente Persönlichkeiten aus der Kremlverwaltung, den Sicherheitsdiensten, großen Staatskonzernen und der föderalen Regierung.

Die RAND-Autoren warnen jedoch, dass die Nähe zu Putin während eines Übergangs nicht zwangsläufig Kontrolle bedeutet.

Da viele hochrangige Akteure ihre Autorität aus ihrer persönlichen Beziehung zu ihm ableiten, könnte sein Abgang ihre Stellung eher schwächen als festigen.

Wenig aus der Geschichte zu lernen

Russlands jüngere politische Geschichte unterstreicht, wie unvorhersehbar solche Momente sein können. Boris Jelzins Entscheidung, Putin 1999 zum Ministerpräsidenten zu ernennen, überraschte viele Beobachter, ebenso wie die Ernennung Dmitri Medwedews zum Präsidenten im Jahr 2008, während Putin vorübergehend zur Seite trat.

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Frühere Umbruchphasen, darunter der Zusammenbruch der Sowjetunion, waren von Zersplitterung und interner Konkurrenz geprägt.

Die geopolitischen Einsätze sind heute weitaus höher. Russland verfügt über das weltweit größte Atomwaffenarsenal und ist weiterhin tief in den Krieg in der Ukraine verwickelt. Moskaus strategische Annäherung an Peking fügt eine weitere Ebene der Komplexität hinzu.

Eine umstrittene Nachfolge könnte interne Instabilität, ein aggressiveres außenpolitisches Verhalten oder beides auslösen.

Der Westen muss sich vorbereiten

Um diese Risiken zu mindern, fordert der RAND-Kommentar die Mitglieder der NATO und der Europäischen Union auf, Nachfolgeszenarien in ihre strategische Planung einzubeziehen. Dazu gehören gemeinsame Übungen, eine verbesserte nachrichtendienstliche Bewertung von Elitennetzwerken sowie die Vorbereitung koordinierter diplomatischer und militärischer Reaktionen auf mögliche Instabilität.

Die Autoren argumentieren zudem, dass westliche Entscheidungsträger vermeiden sollten, Annahmen aus den 1990er-Jahren zu wiederholen, als viele glaubten, Russland befinde sich auf einem unumkehrbaren Weg zur liberalen Demokratie. Ein künftiger Führungswechsel könnte, so ihre Einschätzung, Ergebnisse hervorbringen, die von Reformen über Verhärtung bis hin zu einer verschärften Konfrontation reichen.

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Wann immer er eintritt, wird Putins Abgang die Spannungen zwischen Russland und dem Westen nicht automatisch lösen. Sich jetzt auf mehrere Möglichkeiten vorzubereiten, statt später im Krisenmodus zu reagieren, könnte darüber entscheiden, wie stabil Europa in den folgenden Jahren bleibt.

Quellen: RAND-Europe-Kommentar (Oktober 2025); historische Berichterstattung über Führungswechsel in Russland