Startseite Politik Forscher: Russisch-Orthodoxe Kirche könnte Rolle in Kreml-Strategie spielen

Forscher: Russisch-Orthodoxe Kirche könnte Rolle in Kreml-Strategie spielen

a church with golden domes in Peterhof in St. Petersburg, Russia
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Die politische Rolle der mächtigsten religiösen Institution Russlands steht erneut im Fokus der Aufmerksamkeit.

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Ein kürzlich veröffentlichtes Buch argumentiert, dass sich die Russisch-Orthodoxe Kirche zu weit mehr als nur einer spirituellen Autorität entwickelt hat. Gegenüber der Kyiv Post sagen die Autoren, die Institution agiere zunehmend im Einklang mit Moskaus politischer und geopolitischer Agenda.

Das Buch Wolves in Sheep’s Clothing: The Russian Orthodox Church’s Threat to European Security and Democracy wurde im Februar von Ibidem und Columbia University Press veröffentlicht.

Wachsende Sicherheitsbedenken

Die Autoren des Buches, der Journalist und Analyst Miceál O’Hurley sowie die ukrainische Psychologin Oksana Shadrina, beschreiben das Moskauer Patriarchat als Teil eines breiteren Netzwerks russischen Einflusses im Ausland.

In ihrem Interview mit dem ukrainischen Medium verwiesen sie auf Vorfälle, bei denen Geistliche mit Verbindungen zur Kirche aus europäischen Ländern ausgewiesen wurden, nachdem Behörden ihnen Aktivitäten im Zusammenhang mit nachrichtendienstlicher Informationsbeschaffung oder politischer Einflussnahme vorgeworfen hatten.

Ihre Forschung untersucht auch den Immobilienbesitz der Kirche in ganz Europa.

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Den Autoren zufolge befinden sich mehrere mit dem Moskauer Patriarchat verbundene Immobilien in der Nähe von Regierungsgebäuden, militärischen Anlagen oder kritischer Infrastruktur. Dies wirft unter Sicherheitsanalysten Fragen auf, warum gerade solche Standorte gewählt wurden.

Streit in der Ukraine

Der Einfluss der Kirche ist seit Russlands umfassender Invasion im Jahr 2022 zu einem wichtigen politischen Thema in der Ukraine geworden.

Kyjiw hat Gesetze eingeführt, die darauf abzielen, religiöse Organisationen zu beschränken, die weiterhin institutionell mit Moskau verbunden sind. Russische Beamte und einige Kirchenvertreter haben diese Maßnahmen als Verfolgung von Gläubigen bezeichnet.

O’Hurley und Shadrina weisen diese Interpretation zurück. In dem Interview argumentierten sie, dass die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche, die historisch mit dem Moskauer Patriarchat verbunden ist, weiterhin religiöse Verbindungen zu Moskau unterhält.

„Trotz gegenteiliger Behauptungen bestehen weiterhin Verbindungen zu Moskau“, sagten sie.

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Sie merkten außerdem an, dass der Rat der Kirchen der Ukraine, der die Mehrheit der religiösen Organisationen des Landes vertritt, Vorwürfe religiöser Unterdrückung nicht in größerem Umfang wiederholt habe.

Kirche und Kreml

Im Zentrum der Debatte steht das Verhältnis zwischen der Russisch-Orthodoxen Kirche und dem russischen Staat.

„Die Russisch-Orthodoxe Kirche funktioniert nicht länger wie eine normale Kirche und glaubt auch nicht mehr wie die traditionelle Orthodoxie“, sagten die Autoren. „Objektiv betrachtet weist das Moskauer Patriarchat alle Merkmale eines russischen Staatsorgans auf.“

Ihre Forschung argumentiert, dass politische Botschaften und religiöse Identität innerhalb der Institution zunehmend miteinander verschmelzen.

In diesem Umfeld, so ihre Einschätzung, können kirchliche Strukturen als Instrument zur Verbreitung russischer Narrative und zur Ausübung von Einfluss im Ausland dienen.

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Europäische Regierungen beginnen den Autoren zufolge erst allmählich, die Auswirkungen zu verstehen, während die Sorge wächst, wie religiöse Netzwerke mit moderner hybrider Kriegsführung zusammenwirken könnten.

Quelle: Kyiv Post