Startseite Politik Grönland verliert wegen Arktis-Schiffen die Geduld mit Dänemark

Grönland verliert wegen Arktis-Schiffen die Geduld mit Dänemark

Icebreaker breaks through pack ice on its way
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Der Bau einer neuen Patrouillenflotte für den hohen Norden hat noch nicht begonnen. Unterdessen muss Dänemark anspruchsvolle Einsätze weiterhin mit älteren Schiffen bewältigen, während Teile der Arktis-Streitkräfte unter Personalmangel leiden.

Dänemark genehmigte im Januar 2025 drei neue Arktis-Schiffe als Ersatz für die Thetis-Klasse. In einer zweiten Verteidigungsvereinbarung im Oktober kamen zwei weitere Schiffe hinzu, die die derzeit von der Knud-Rasmussen-Klasse erfüllten Aufgaben übernehmen sollen.

Die beiden Schiffsklassen bilden das Rückgrat der dänischen Marinepräsenz rund um Grönland und die Färöer, erfüllen jedoch teilweise unterschiedliche Aufgaben. Die vier Schiffe der Thetis-Klasse sind größere Inspektionsschiffe, die zwischen 1989 und 1992 gebaut wurden. Sie können einen Hubschrauber mitführen und werden ganzjährig für Patrouillen, Fischereikontrollen, Rettungseinsätze sowie zur Unterstützung ziviler Behörden eingesetzt. Zudem sind sie für Einsätze in eisbedeckten Gewässern verstärkt.

Die Knud-Rasmussen-Klasse besteht aus drei kleineren und deutlich neueren Arktis-Patrouillenschiffen. Sie erfüllen viele der gleichen Aufgaben, kommen jedoch mit kleineren Besatzungen aus und führen in der Regel keinen Hubschrauber mit, auch wenn Hubschrauber auf ihnen landen können. Die Klasse wurde ab 2008 in Dienst gestellt, das dritte Schiff kam 2016 zur Flotte hinzu.

Alle fünf künftigen Schiffe sollen auf einem gemeinsamen Entwurf basieren. Nach Angaben des dänischen Verteidigungsministeriums soll die Standardisierung Skaleneffekte schaffen, die Wartung vereinfachen und den Streitkräften mehr Flexibilität bei Einsätzen in der Arktis und im Nordatlantik verschaffen.

Die Vereinbarung vom Oktober 2025 sah vor, dass die Schiffe ab 2030 für Einsätze zur Verfügung stehen sollen. Eine im Februar 2026 vorgestellte Produktionsstrategie sieht Arbeiten an mehreren Standorten in Dänemark vor, bevor die Endmontage in einer staatlichen Anlage in Frederikshavn erfolgt.

Ein Bauvertrag ist bislang noch nicht unterzeichnet worden, berichtet DR. Die endgültigen technischen Spezifikationen müssen festgelegt werden, bevor Vertragsverhandlungen beginnen können. Einen verbindlichen Zeitplan für den Bau gibt es derzeit nicht.

Personalmangel durchkreuzt Patrouillenpläne

Der Druck auf Dänemarks Präsenz in der Arktis beschränkt sich nicht auf den Ersatz alternder Schiffe. Auch die Marine hat Schwierigkeiten, genügend Personal für den laufenden Betrieb bereitzustellen. Dadurch entstehen Probleme, lange bevor die neue Flotte einsatzbereit ist.

Nach Angaben von DR zwang der Personalmangel in der arktischen Marineeinheit dazu, zwei Besatzungen aus dem Rotationsplan zu nehmen. Dadurch blieb die Hvidbjørnen, eines der vier großen dänischen Inspektionsschiffe der Thetis-Klasse, auf dem Marinestützpunkt in Frederikshavn, anstatt wie geplant nach Grönland auszulaufen.

Die Hvidbjørnen wird normalerweise für Patrouillen- und Unterstützungsmissionen in arktischen Gewässern eingesetzt. Ihr Ausfall bedeutet daher mehr als nur ein Militärschiff weniger auf See. Schiffe dieses Typs können bei Notfällen in abgelegenen Regionen Hilfe leisten, in denen Fischer, Jäger und andere Reisende weit von den regulären Rettungsdiensten entfernt sein können.

Diese Funktion sorgt in Grönland zunehmend für Besorgnis. Pipaluk Lynge, Vorsitzende des Ausschusses für Außenpolitik und Sicherheit im grönländischen Parlament, hat die Bedeutung verlässlicher Hilfe auf See hervorgehoben und infrage gestellt, warum die dänischen Behörden nicht genügend Personal bereitstellen konnten, um die Besatzungen vollständig zu besetzen.

Die Personalprobleme sind nicht völlig neu. DR hatte bereits zuvor berichtet, dass unvollständig besetzte Mannschaften dänische Marineeinsätze im Nordatlantik beeinträchtigt haben. Das zeigt, dass das aktuelle Problem über einen einzelnen abgesagten Einsatz hinausgeht.

Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen hat zudem das Tempo des Ersatzprogramms kritisiert. Er sagte dem dänischen Sender, nachdem die Entscheidung gefallen sei, eine alternde Flotte zu ersetzen, müsse der Prozess schneller vorankommen. Zugleich betonte er, dass die Angelegenheit letztlich gemeinsam mit der dänischen Regierung geregelt werden solle.

Dänemarks Verteidigungsminister Jeppe Bruus erklärt, die künftigen Schiffe befänden sich weiterhin in der Entwurfsphase. Er räumte ein, dass Dänemark sowohl zusätzliche Ausrüstung als auch mehr Personal benötige, wollte jedoch nicht garantieren, wann die neuen Schiffe einsatzbereit sein werden.

Dänemark steht damit vor zwei miteinander verbundenen Aufgaben: Es muss genügend Besatzungen für die heutigen Arktis-Einsätze bereitstellen und zugleich die nächste Generation von Patrouillenschiffen von der Planung in die Bauphase überführen.

Quellen: DR, dänisches Verteidigungsministerium