Der Fall hat einen privaten Verlust in einen größeren Rechtsstreit verwandelt. Er hat erneut Fragen darüber aufgeworfen, wie das Rechtssystem Tiere bewertet, die als Familienmitglieder gehalten werden.
Nachdem der chinesische Reise-Influencer Guo erfahren hatte, dass sein Border Collie Chutou angeblich gestohlen, verkauft und geschlachtet worden war, erklärte er, weder eine Mediation noch eine private Einigung akzeptieren zu wollen.
Stattdessen kündigte er an, rechtliche Schritte einzuleiten. Der Fall könnte zeigen, wie weit Chinas eigentumsbasierte Rechtsvorschriften reichen, wenn ein Haustier zugleich langjähriger Begleiter und Einnahmequelle ist.
Laut AsiaOne wurde Chutou durch Guos Reisevideos auf Douyin, der chinesischen Version von TikTok, zu einer bekannten Erscheinung. Guo hatte den Border Collie seit dessen Welpenalter, und die gemeinsamen Reisen des Duos halfen dabei, mehr als 1,5 Millionen Follower zu gewinnen.
Der Hund verschwand am 11. Mai, während Guo unterwegs war und seine Familie sich in der Provinz Henan um ihn kümmerte.
Wie die South China Morning Post berichtete, zeigten Überwachungsvideos später zwei Personen, die Chutou auf einem Elektrofahrrad mitnahmen.
Eilig nach Hause zurückgekehrt
Guo brach seine Reise vorzeitig ab und kehrte nach Hause zurück, um nach dem Hund zu suchen. Er veröffentlichte Suchaufrufe im Internet, setzte eine Belohnung aus und arbeitete mit der Polizei zusammen, während Unterstützer den Fall in den sozialen Medien verfolgten.
Die Ermittlungen nahmen eine neue Wendung, nachdem Guo einen Mann zur Rede gestellt hatte, den er für beteiligt hielt. Laut AsiaOne behauptete dieser zunächst, er habe Chutou für einen streunenden Hund gehalten. Der Hund sei ihm gefolgt, nachdem er ihn gerufen habe.
Guo wies diese Darstellung zurück, da sich Chutou auf dem Grundstück der Familie befunden habe und sowohl ein Halsband als auch einen Tracker getragen habe. Später erfuhr er, dass der Hund angeblich für 180 Yuan (etwa 22 Euro) an einen Hundehändler verkauft worden war, bevor er weiterverkauft und getötet wurde.
Als Guo versuchte, Chutous Überreste zurückzubekommen, sagte ein Mitarbeiter laut South China Morning Post:
„Das Fell wurde schon vor langer Zeit in den Müll geworfen.“
Lehnt Einigung ab
Der mutmaßliche Dieb soll sich Berichten zufolge nicht entschuldigt haben. Ihm werden folgende Worte zugeschrieben:
„Der Hund ist tot, also hören Sie auf, so ein Aufhebens darum zu machen. Ich habe nicht gegen das Gesetz verstoßen.“
Für Guo geht es in dem Streit nicht nur um das Geld, das nach Chutous Verschwinden angeblich den Besitzer wechselte. In seinen öffentlichen Äußerungen stellte er den Fall als Forderung nach Verantwortung dar – nach Jahren der gemeinsamen Zeit und der öffentlichen Aufmerksamkeit im Internet.
Von der South China Morning Post zitierte Rechtsexperten erklärten, dass Diebstähle in China erst dann strafrechtlich verfolgt werden können, wenn der Wert des gestohlenen Eigentums 2.000 Yuan (etwa 240 Euro) übersteigt. Dadurch wird Chutous Bekanntheitsgrad bedeutsam, zugleich dürfte er vor Gericht jedoch schwer nachzuweisen sein.
Die Behörden im Kreis Ningling haben eine Verwaltungssache eingeleitet. Guo dankte seinen Unterstützern für ihre „Aufmerksamkeit, Unterstützung und Solidarität“ und erklärte, die Angelegenheit weiterhin auf juristischem Weg verfolgen zu wollen.
Der Fall hat zudem die Debatte über den Handel mit Hundefleisch in China neu entfacht. Hunde gelten landesweit nicht als Nutztiere, und einige Städte verbieten den Verzehr von Hunden und Katzen. Ein landesweites Verbot existiert jedoch nicht.
Quellen: AsiaOne, South China Morning Post