Ein Moment, der eigentlich eine Hollywoodlegende feiern sollte, verwandelte sich schnell in ein Internetmysterium. Nutzer in den sozialen Medien begannen, jedes Detail zu analysieren, und befeuerten damit eine bizarre Theorie, die sich weit über die Zeremonie hinaus verbreitete.
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Als der kanadisch-amerikanische Schauspieler am 26. Februar bei der César-Verleihung in Paris auf die Bühne trat, um einen Ehrenpreis entgegenzunehmen, sollte damit seine jahrzehntelange Filmkarriere gewürdigt werden. Stattdessen lösten Aufnahmen von der Zeremonie rasch eine Welle von Spekulationen im Internet aus.
Zuschauer begannen, über das Aussehen des 64-jährigen Schauspielers zu diskutieren und verwiesen auf Unterschiede im Bereich seiner Augen und Wangen. Einige vermuteten kosmetische Eingriffe, während extremere Stimmen im Internet etwas weitaus Merkwürdigeres behaupteten: dass der Mann, der den Preis entgegennahm, gar nicht Carrey gewesen sei.
Die Gerüchte verbreiteten sich rasch in den sozialen Medien, wo kurze Clips von der Zeremonie innerhalb weniger Stunden Millionen Aufrufe sammelten.
Verschwörungstheorien darüber, dass Prominente durch Doppelgänger ersetzt worden seien, sind nichts Neues. Ähnliche Behauptungen kursieren seit Jahrzehnten über Persönlichkeiten wie Paul McCartney, Elvis Presley und den Rapper Eminem – trotz wiederholter Widerlegungen.
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Viraler Beitrag treibt die Theorie weiter an
Einer der Momente, der die Spekulationen weiter anheizte, ging auf den britischen Drag-Performer und Maskenbildner Alexis Stone zurück, der für aufwendige Verwandlungen in Prominente bekannt ist.
Stone veröffentlichte auf Instagram ein Bild mit Prothesen und einer Maske, die Carrey ähnelte, versehen mit der scherzhaften Bildunterschrift: „Alexis Stone als Jim Carrey in Paris.“ Der Beitrag wurde vielfach geteilt und von einigen Nutzern im Internet als Beweis dafür gewertet, dass bei der Zeremonie ein Imitator aufgetreten sei.
Die Reaktionen erreichten schnell auch Prominente. Laut einem Bericht von The Guardian reagierte die Schauspielerin Megan Fox auf die Diskussion auf Instagram und schrieb: „Ich halte gerade keinen weiteren Stress aus – ich muss wissen, ob das echt ist.“
Die dänische Zeitung Ekstra Bladet stellte fest, dass solche Spekulationen häufig an Fahrt gewinnen, weil Menschen sich auf kleine visuelle Details konzentrieren – einen Gesichtsausdruck, die Beleuchtung in einem Video oder ein einzelnes Foto –, die im Internet leicht falsch interpretiert werden können.
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Organisatoren weisen die Gerüchte zurück
Verantwortliche der César-Verleihung haben die Behauptungen entschieden zurückgewiesen. Gegenüber Variety sagte der Generalsekretär der Veranstaltung, Gregory Caulier, der Auftritt sei lange vor dem Ereignis geplant gewesen, und bezeichnete die Verschwörungstheorie als haltlos.
Carrey habe viel Zeit damit verbracht, sich auf die Zeremonie vorzubereiten, unter anderem indem er Teile seiner Dankesrede auf Französisch übte, und habe gemeinsam mit Familienmitgliedern und engen Freunden teilgenommen, sagte Caulier. Für die Organisatoren passe die Vorstellung, jemand anderes habe seinen Platz eingenommen, schlicht nicht zur Realität des Abends.
Frederik Dirks Gottlieb, ein dänischer Kulturkommentator, der in der Radiosendung Only in America über amerikanische Popkultur berichtet, sagte gegenüber Ekstra Bladet, die Erklärung sei deutlich einfacher als die Theorien im Internet nahelegten.
„Es ist eindeutig kein anderer Schauspieler, der vorgibt, Jim Carrey zu sein“, sagte Gottlieb. „Worauf die Menschen reagieren, ist, dass Zeit vergeht und sich Gesichter verändern.“
Nach Ansicht Gottliebs fördern soziale Medien eine fragmentierte Form des Erzählens, bei der einzelne Details schnell als Beweis für etwas Geheimnisvolles interpretiert werden können.
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„Menschen sehen ein paar unzusammenhängende Informationsstücke und beginnen, eine Geschichte daraus zu konstruieren“, sagte er. „Manchmal vergessen wir gemeinsam, dass Menschen altern und sich ihr Aussehen verändert.“
Carrey selbst hat sich zu den Gerüchten bislang nicht öffentlich geäußert.
Quellen: The Guardian, Ekstra Bladet, Variety

