Straßenauftritte junger Künstler erregten die Aufmerksamkeit der Behörden, nachdem bekannte Lieder eine politische Bedeutung erhalten hatten. Der Fall wurde später Teil einer breiteren Debatte über den Druck auf öffentliche Kritik.
Straßenauftritte der Musikgruppe Stoptime zogen in St. Petersburg die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich, nachdem die junge Band Lieder russischer Künstler gespielt hatte, die den Krieg in der Ukraine kritisieren, wie BBC und The Moscow Times berichten.
Die Sängerin Diana Loginowa, die unter dem Künstlernamen Naoko auftritt, spielte gemeinsam mit dem Gitarristen Alexander Orlow und dem Schlagzeuger Wladislaw Leontjew, bevor die Festnahmen die Zukunft der Gruppe veränderten.
Loginowa wurde im Oktober 2025 festgenommen und wegen der Auftritte vor ein Gericht in St. Petersburg gestellt.
Polizei konzentrierte sich auf Auftritte
Nach Angaben der BBC warfen die Behörden Loginowa vor, eine öffentliche Versammlung organisiert zu haben, die die Ordnung gestört habe.
Außerdem wurde sie mit einer Geldstrafe belegt, weil sie die russischen Streitkräfte durch ein Lied von Monetotschka diskreditiert habe, einer Künstlerin, die von den russischen Behörden als „ausländische Agentin“ eingestuft wird.
„Ich bin sehr froh, und es ist wichtig, dass die Menschen uns unterstützt haben, dass viele Menschen auf unserer Seite stehen, auf der Seite der Wahrheit“, sagte Loginowa der BBC.
Die BBC berichtete, dass auch Orlow angeklagt wurde und erklärt habe, die Band habe nicht beabsichtigt, die Konzerte zu politischen Kundgebungen zu machen.
„Ich glaube, es sind nicht die Worte, sondern die Musik, die am wichtigsten ist“, sagte Orlow dem britischen Sender. „Musik sagt den Menschen alles. Das war schon immer so.“
Unterstützung hatte Konsequenzen
Der Fall erregte Aufmerksamkeit, weil die Auftritte der Band Teil der Straßenmusikkultur St. Petersburgs waren und keine formelle Protestaktion.
Dennoch wurden nach Angaben von The Moscow Times auch andere Musiker bestraft, die ihre Unterstützung zeigten.
Orlow machte Loginowa einen Heiratsantrag, während sie in einem Polizeiwagen transportiert wurden, und verwendete dafür einen Ring aus einem Taschentuch.
Loginowa und Orlow verließen Russland im November, während Leontjew im Land blieb und die Band verließ.
Loginowa und Orlow sind nun verlobt und versuchen, ihre Musikkarriere in Europa neu zu starten.
Europa wird zur nächsten Bühne
Loginowa sagte The Moscow Times, dass das Paar an einem Album arbeite, probe und Pressematerial vorbereite. Einige Lieder seien in Russland begonnen worden, andere nach ihrer Ausreise geschrieben worden.
„Das Album handelt von Hoffnung, Liebe und Freiheit – von dem, was ein gewöhnlicher Mensch braucht und was dabei hilft, Schwierigkeiten und die dunkleren Phasen des Lebens zu überstehen“, sagte sie.
Orlow sagte The Moscow Times, sie hofften, Zuhörer in Russland, Belarus und im Ausland zu erreichen.
Loginowa sagte, Konzerte in mehreren europäischen Städten hätten gezeigt, dass das Publikum auf die Musik reagieren könne, auch ohne jeden Liedtext zu verstehen.
Quellen: BBC, The Moscow Times