Reporter haben einen jungen Tatverdächtigen mit einem Konto in Verbindung gebracht, auf dem wiederholt Täter von Massengewalt verherrlicht wurden. Die Behörden haben nicht erklärt, dass die Online-Inhalte bei der mutmaßlichen Tat eine Rolle gespielt hätten.
Ein zwölfjähriger Junge steht im Verdacht des versuchten Mordes, nachdem ein fünfjähriges Mädchen bei einem Angriff in einem Park in Helsingborg im Süden Schwedens schwer verletzt worden war. Das Mädchen wurde nach dem Vorfall, der sich am Montag, dem 13. Juli 2026, gegen 15 Uhr ereignete, in ein Krankenhaus gebracht. Einige Tage später konnte es das Krankenhaus wieder verlassen.
Die Lokalzeitung Helsingborgs Dagblad, die gemeinsam mit Forschern von Expo recherchierte, berichtete später, sie habe ein TikTok-Konto mit Beiträgen, in denen Schulattentäter und andere Massenmörder verherrlicht wurden, dem Jungen zuordnen können. Laut dem Sender SVT erklärte Staatsanwalt Gustav Friman, das Mädchen habe Stich- oder Schnittverletzungen erlitten. Ein eindeutiges Tatmotiv hätten die Ermittler bislang jedoch nicht feststellen können.
Konto veränderte sich im Laufe der Zeit
Das TikTok-Profil soll mit einer E-Mail-Adresse verbunden gewesen sein, die einem Verwandten des Jungen gehört. Es wurde offenbar angelegt, bevor der Junge zehn Jahre alt war.
Nach Angaben der Zeitung zeigten die ersten Beiträge computergenerierte Tiere und Szenen aus Videospielen. Ende Februar änderten sich die Inhalte des Kontos: Von da an wurden Beiträge veröffentlicht, in denen Schulattentäter und andere Täter von Massentötungen verherrlicht wurden.
Morgan Finnsiö, Recherchejournalist bei Expo, beschrieb die True Crime Community, meist als TCC abgekürzt, als ein Online-Milieu, in dem manche Nutzer eine Art Fankultur rund um Schulattentäter, Terroristen und andere Massenmörder entwickeln.
Aus der Berichterstattung geht nicht hervor, ob der Junge sämtliche Beiträge selbst erstellt hat oder wer das Profil zu den jeweiligen Zeitpunkten kontrollierte. Helsingborgs Dagblad berichtete, dass die Aktivitäten auf dem Konto endeten, nachdem der kommunale Sozialausschuss die Unterbringung des Jungen im Rahmen staatlicher Fürsorge formell beschlossen hatte.
Fürsorgemaßnahmen statt Strafverfolgung
Die Sozialbehörden nahmen den Jungen Berichten zufolge innerhalb weniger Stunden nach dem Angriff vorläufig in Obhut. Der kommunale Sozialausschuss traf anschließend eine formelle Entscheidung nach dem schwedischen Gesetz mit besonderen Bestimmungen über die Betreuung junger Menschen, kurz LVU.
Nach den Leitlinien der schwedischen Gesundheits- und Sozialbehörde kann eine sofortige Schutzmaßnahme angeordnet werden, wenn ein Kind unverzüglich geschützt werden muss. Die Entscheidung wird anschließend gerichtlich überprüft. Das LVU ist eine Maßnahme des Kinder- und Jugendschutzes und keine strafrechtliche Sanktion.
Mit zwölf Jahren liegt der Junge unter dem schwedischen Strafmündigkeitsalter von 15 Jahren. Der Vorfall kann dennoch untersucht werden. Maßnahmen, die den Jungen betreffen, werden jedoch im Rahmen des Kinder- und Jugendschutzes und nicht in einem regulären Strafverfahren behandelt.
Die Polizei hat weder ein Tatmotiv benannt noch erklärt, dass die TikTok-Inhalte mit dem Angriff in Verbindung standen. Unklar ist außerdem weiterhin, wer das Konto kontrollierte und ob die beiden Kinder einander bereits vor dem Vorfall kannten.
Quellen: SVT, Helsingborgs Dagblad